JOHANNES XV., Papst, † im März 996. - Der Sohn eines Priesters
Leo aus der Region Gallinae albae wurde, nachdem er das Amt eines
Kardinalpriesters von S. Vitale ausgeübt hatte, im August 985 als
Nachfolger Bonifatius' VII. zum Papst gewählt. J. verdankte seine
Wahl der Macht des Johannes Crescentius, der sowohl den Einfluß der
griechischen Kaiser wie des deutschen Hofes von Rom abwehren wollte,
und neben dem Papst J. als »Patricius romanorum« weiterhin politische
Macht in Rom ausübte. Trotz der Beschränkung der päpstlichen Macht
in Rom war J. bestrebt, seine Autorität und Unabhängigkeit wiederherzustellen,
was ihm während seiner Amtszeit auch teilweise gelang. So vermittelte
er erfolgreich in dem Konflikt zwischen König Ethelred II. von England
und dem Herzog der Normandie, Richard I. Durch seinen Legaten Leo
von Trevi führte er einen Ausgleich im Frieden von Rouen herbei. In
die Amtszeit J.s fällt der Streit um das Erzbistum Reims. Hugo Capet,
König von Frankreich, hatte Erzbischof Arnoul von Reims im Juni 991
abgesetzt, gefangengenommen, und durch Gerbert von Aurillac ersetzt.
Nach energischem Einschreiten J.s unterwarf sich Gerbert 995. Arnoulf
wurde 996 freigelassen und 997 wieder als Erzbischof von Reims eingesetzt.
Herzog Mieszko I. von Polen schenkte J. sein gesamtes Reich, um hierdurch
wirksamen Schutz gegen Deutschland und Böhmen zu erlangen. Am 31.1.
993 wurde mit der Heiligsprechung Ulrichs, des früheren Bischofs von
Augsburg, die erste Kanonisierung eines Heiligen durch einen Papst
durchgeführt. J. gilt als Förderer der cluniazensischen Klosterreform.
Durch zunehmende Habsucht und Nepotismus provozierte J. Kritik und
Opposition im römischen Klerus und Adel, und floh, als er seine Stellung
und sein Leben gefährdet sah, in die Toscana. Von dort aus wandte
er sich um Beistand an den jungen Otto III., dessen Einfluß und Macht
Crescentius auch bald zum Einlenken brachten. Die beabsichtigte Krönung
Ottos III. wurde durch den plötzlichen Tod J.s im März 996 verhindert.
Die trotz innerer Schwäche des römischen Papsttums auffällig aktive
Amtsführung J.s in außenpolitischen Belangen trug dazu bei, daß Otto
III. einen radikalen Wechsel im Machtverhältnis zwischen Kaiser und
Papst herbeiführen konnte.
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