JOHANNES DE HAUVILLA, lateinischer Dichter, * gegen 1150, † nach
1200. - Magister J., zwischen 1184/85 und 1199 in Rouen nachweisbar,
lehrte wohl an der Kathedralschule. Seine Poetik und carmina minora
sind verloren, erhalten ist das dem Erzbischof von Rouen gewidmete
Epos Architrenius (4361 Hexameter). Der »Erzklager« schildert in der
Form des satirischen Reiseromans die Laster und Verkehrtheiten der
Welt im Kloster, bei Hofe und an der Universität (früheste Beschreibung
des Pariser Studentenlebens). Die Selbsterlösung des Titelhelden erfolgt
nach moralischer Unterweisung durch die Göttin Natur und die Philosophen des Altertums in der allegorischen
Hochzeit mit der Tugend Moderantia. Das in manieriertem Stil verfaßte
Epos, ein Hauptwerk der sog. »Renaissance des 12. Jahrhunderts«, galt
im Spätmittelalter als Meisterwerk der Rhetorik und wurde mehrfach
kommentiert.
Lit.: Ausgabe: J. de Hauvilla, Architrenius, hrsg. von
P. G. Schmidt, München 1974.
Paul Gerhard Schmidt
Literaturergänzung:
2008
Kerstin Losert, Überschreiten d. Geschlechtergrenzen? Zum Motiv d. Frau in Männerkleidern in Dolopathos d. Johannes von Alta Silva u. anderen literar. Texten d. Mittelalters. Bern 2008.
Letzte Änderung: 09.04.2011