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Band III (1992) Spalten 392-394 Autor: Georg Kreuzer

JOHANNES HINDERBACH, Bischof * 1418 Rauschenberg bei Kassel/Hessen, † 21.9. 1486 Trient. - Der Urgroßneffe Heinrichs von Langenstein studierte ab 1434/35 an der Universität Wien und wurde dort 1436 Bakkalaureus und 1438 Magister der Artes. Das anschließende Rechtsstudium (1439) setzte er 1441 in Padua fort. Er trat in die Dienste König Friedrichs III. (1440-1493) ein, der ihn 1448/49 mit einer Gesandtschaft nach Mailand betraute. Von diesem König wurde er 1449 mit der Pfarrei Mödling belohnt. Später gelangte er in den Genuß von Kanonikaten in Passau, Regensburg und Trient (dort ab 1455 auch Dompropst). An den Vorbereitungen von Friedrichs III. Romzug (1451/52) beteiligt, wurde er am 14.1. 1452 in Padua in Anwesenheit des Königs zum doctor in decretis promoviert. Vom Kaiser mehrmals an die Kurie entsandt, leistete er 1455 vor Calixt III. (1455-1458) und 1459 vor Pius II. (Enea Silvio Piccolomini (1458-1464), mit dem ihn schon eine längere Freundschaft verband, den Obedienzeid. Kaiserin Eleonore empfahl ihn 1464 für das Bistum Brixen. Mit ihrer Hilfe erlangte er im August 1465 das Bistum Trient. Am 12. Mai 1466 wurde er vom Papst bestätigt, erhielt am 20. Juli desselben Jahres in Rom die Bischofsweihe und zog am 21.9. 1466 in Trient ein. Nach seiner Belehnung durch den Kaiser (13.2. 1471 in Venedig) vertrat er diesen wieder an der Kurie, eröffnete für ihn den Tag zu Regensburg (1471) und nahm für Friedrich III. am Reichstag von Augsburg (1474) teil. Nach der Rückkehr von einer Gesandtschaft nach Venedig starb er am 21.9. 1486 in Trient an einem Blutsturz und wurde im Dom bestattet. - J.H. war sicher der gelehrteste der Trienter Bischöfe des 15. Jh.s. Es sind von ihm juristische Vorlesungsnachschriften aus Padua erhalten geblieben sowie zahlreiche Gelegenheitsgedichte und viele von ihm hinterlassene und glossierte Handschriften. Eine Geschichte Friedrichs III. für die Jahre 1460-1462 ist nur noch in einem Druck faßbar (vgl. Koll r, 555-666). Chronologisch geordnete, bislang ungedruckte Aufzeichnungen für die Jahre 1432-1470 sollten wohl die Vorstufe für eine Selbstbiographie sein. Die Obedienzansprache vor Papst Pius II. (Enea Silvio Piccolomini), gehalten am 29.10. 1459 zu Mantua, zeugt von seiner humanistischen Bildung. Ein umfangreicher, noch unpublizierter Briefwechsel und eine Reihe von Übersetzungen vom Deutschen ins Lateinische sowie Aufbereitungen von Erziehungstraktaten des Enea Silvio für den jungen Maximilian spiegeln seine weitreichenden Beziehungen und seine pädagogischen Absichten wider. Sein formal korrektes, aber ungerechtfertigtes Vorgehen gegen die eines Ritualmordes beschuldigten Trienter Juden (1475/6) läßt freilich auch erkennen, daß er von der offenen Judenfeindschaft seiner Zeit geprägt war. Den Besitz der gefolterten und hingerichteten Juden zog er u.a. deshalb ein, um den Seligsprechungsprozeß des von ihnen angeblich ermordeten Knaben Simon finanzieren zu können. Papst Sixtus IV. (1471-1484) anerkannte 1478 die formale Richtigkeit des gegen die Juden angestrengten Prozesses. Allerdings genehmigte erst Gregor XII. (1572-1585) im Jahre 1582 den Kult des Knaben Simon, der 1965 endgültig untersagt wurde.

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Werke und Lit.: Adam Franz Kollarius (Koll r), Analeeta monumentorum omnis aevi Vindobonensis II, 1762; - Emanuel Hannak, Ein Btr. zur Erziehungsgesch. Kaiser Maximilians I. aus dem Jahre 1466, in: Mitteilungen der Gesellsch. für dt. Erziehungs- und Schulgesch. 2 (1892) 145-163; - Victor von Hofmann-Wellenhof, Leben und Schrr. des Doctor J.H., Bischofs von Trient, in: Zeitschr. des Ferdinandeums 3. Folge 37 (1893) 203-262; - Ernst Havelka, Die Fortsetzung der Gesch. Friedrichs III. von J.H. von Rauschenberg, Programm Sternberg 1896 und 1897; - Hans von Voltelini, Eine Aufzeichnung des Bischofs Hinderbach über den Palast der Bischöfe von Trient in Bozen, in: Zeitschr. des Ferdinandeums 3. Folge 42 (1898) 381-385; - Giuseppe Menestrina, Gli Ebrei a Trento, in: Tridentinum 6 (1903) 304-316, 348-374, 385-411; - Willehad Paul Eckert, Aus den Akten des Trienter Judenprozesses, in: Judentum im MA, 1966, 283-336; - Alfred A. Strnad, J.H.s. Obedienz-Ansprache vor Papst Pius II., in RHM 10 (1967) 43-183; - Mariano Welber, I.H. rerum vetustarum studiosus: vita e cultura del vescovo di Trento Giovanni IV Hinderbach (1418-1486), 1969-1970 (Tesi di Laurea); - Armando Costa, I vescovi di Trento, 1977, 121-125; - Karl Langosch, Donisii `Comedia Pamphile', Untersuchung und Text, 1979, vor allem 27-37; - Jakob Obersteiner, Ein Brief von J.H. an den Gurker Bischof Ulrich III. Sonnenberger, in: Carinthia 1, 175 (1985) 199-213; - Mariarosa Cortesi, Il vescovo J.H. e la cultura umanistica a Trento, in: Bernardo Clesio e il suo tempo, 1988, 477-502; - »Pro bibliotheca erigenda«: manoscritti e incunaboli del vescovo di Trento I.H. (1465-1486), 1989; - LThK V, 1042; - NDB X, 538 f.; - Repfont V, 508 f.; - Verf. Lex2 IV, 41-44.

Georg Kreuzer

Letzte Änderung: 09.04.2011