JOHANNES HINDERBACH, Bischof * 1418 Rauschenberg bei Kassel/Hessen,
† 21.9. 1486 Trient. - Der Urgroßneffe Heinrichs von Langenstein
studierte ab 1434/35 an der Universität Wien und wurde dort 1436 Bakkalaureus
und 1438 Magister der Artes. Das anschließende Rechtsstudium (1439)
setzte er 1441 in Padua fort. Er trat in die Dienste König Friedrichs
III. (1440-1493) ein, der ihn 1448/49 mit einer Gesandtschaft nach
Mailand betraute. Von diesem König wurde er 1449 mit der Pfarrei Mödling
belohnt. Später gelangte er in den Genuß von Kanonikaten in Passau,
Regensburg und Trient (dort ab 1455 auch Dompropst). An den Vorbereitungen
von Friedrichs III. Romzug (1451/52) beteiligt, wurde er am 14.1.
1452 in Padua in Anwesenheit des Königs zum doctor in decretis promoviert.
Vom Kaiser mehrmals an die Kurie entsandt, leistete er 1455 vor Calixt
III. (1455-1458) und 1459 vor Pius II. (Enea Silvio Piccolomini (1458-1464),
mit dem ihn schon eine längere Freundschaft verband, den Obedienzeid.
Kaiserin Eleonore empfahl ihn 1464 für das Bistum Brixen. Mit ihrer
Hilfe erlangte er im August 1465 das Bistum Trient. Am 12. Mai 1466
wurde er vom Papst bestätigt, erhielt am 20. Juli desselben Jahres
in Rom die Bischofsweihe und zog am 21.9. 1466 in Trient ein. Nach
seiner Belehnung durch den Kaiser (13.2. 1471 in Venedig) vertrat
er diesen wieder an der Kurie, eröffnete für ihn den Tag zu Regensburg
(1471) und nahm für Friedrich III. am Reichstag von Augsburg (1474)
teil. Nach der Rückkehr von einer Gesandtschaft nach Venedig starb
er am 21.9. 1486 in Trient an einem Blutsturz und wurde im Dom bestattet.
- J.H. war sicher der gelehrteste der Trienter Bischöfe des 15.
Jh.s. Es sind von ihm juristische Vorlesungsnachschriften aus Padua
erhalten geblieben sowie zahlreiche Gelegenheitsgedichte und viele
von ihm hinterlassene und glossierte Handschriften. Eine Geschichte
Friedrichs III. für die Jahre 1460-1462 ist nur noch in einem Druck
faßbar (vgl. Koll r, 555-666). Chronologisch geordnete, bislang ungedruckte
Aufzeichnungen für die Jahre 1432-1470 sollten wohl die Vorstufe für
eine Selbstbiographie sein. Die Obedienzansprache vor Papst Pius II.
(Enea Silvio Piccolomini), gehalten am 29.10. 1459 zu Mantua, zeugt
von seiner humanistischen Bildung. Ein umfangreicher, noch unpublizierter
Briefwechsel und eine Reihe von Übersetzungen vom Deutschen ins Lateinische
sowie Aufbereitungen von Erziehungstraktaten des Enea Silvio für den
jungen Maximilian spiegeln seine weitreichenden Beziehungen und seine
pädagogischen Absichten wider. Sein formal korrektes, aber ungerechtfertigtes
Vorgehen gegen die eines Ritualmordes beschuldigten Trienter Juden
(1475/6) läßt freilich auch erkennen, daß er von der offenen Judenfeindschaft
seiner Zeit geprägt war. Den Besitz der gefolterten und hingerichteten
Juden zog er u.a. deshalb ein, um den Seligsprechungsprozeß des von
ihnen angeblich ermordeten Knaben Simon finanzieren zu können. Papst
Sixtus IV. (1471-1484) anerkannte 1478 die formale Richtigkeit des
gegen die Juden angestrengten Prozesses. Allerdings genehmigte erst
Gregor XII. (1572-1585) im Jahre 1582 den Kult des Knaben Simon, der
1965 endgültig untersagt wurde.
Werke und Lit.: Adam Franz Kollarius (Koll r), Analeeta
monumentorum omnis aevi Vindobonensis II, 1762; - Emanuel Hannak,
Ein Btr. zur Erziehungsgesch. Kaiser Maximilians I. aus dem Jahre
1466, in: Mitteilungen der Gesellsch. für dt. Erziehungs- und Schulgesch.
2 (1892) 145-163; - Victor von Hofmann-Wellenhof, Leben und Schrr.
des Doctor J.H., Bischofs von Trient, in: Zeitschr. des Ferdinandeums
3. Folge 37 (1893) 203-262; - Ernst Havelka, Die Fortsetzung der
Gesch. Friedrichs III. von J.H. von Rauschenberg, Programm Sternberg
1896 und 1897; - Hans von Voltelini, Eine Aufzeichnung des Bischofs
Hinderbach über den Palast der Bischöfe von Trient in Bozen, in: Zeitschr.
des Ferdinandeums 3. Folge 42 (1898) 381-385; - Giuseppe Menestrina,
Gli Ebrei a Trento, in: Tridentinum 6 (1903) 304-316, 348-374, 385-411;
- Willehad Paul Eckert, Aus den Akten des Trienter Judenprozesses,
in: Judentum im MA, 1966, 283-336; - Alfred A. Strnad, J.H.s.
Obedienz-Ansprache vor Papst Pius II., in RHM 10 (1967) 43-183; -
Mariano Welber, I.H. rerum vetustarum studiosus: vita e cultura del
vescovo di Trento Giovanni IV Hinderbach (1418-1486), 1969-1970 (Tesi
di Laurea); - Armando Costa, I vescovi di Trento, 1977, 121-125;
- Karl Langosch, Donisii `Comedia Pamphile', Untersuchung und
Text, 1979, vor allem 27-37; - Jakob Obersteiner, Ein Brief von
J.H. an den Gurker Bischof Ulrich III. Sonnenberger, in: Carinthia
1, 175 (1985) 199-213; - Mariarosa Cortesi, Il vescovo J.H. e
la cultura umanistica a Trento, in: Bernardo Clesio e il suo tempo,
1988, 477-502; - »Pro bibliotheca erigenda«: manoscritti e incunaboli
del vescovo di Trento I.H. (1465-1486), 1989; - LThK V, 1042;
- NDB X, 538 f.; - Repfont V, 508 f.; - Verf. Lex
2
IV, 41-44.
Georg Kreuzer
Letzte Änderung: 09.04.2011