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Verlag Traugott Bautz
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JOHANNES von Tepl (oder: von Šitboř , Verfasser eines ergreifenden Streitgesprächs über den Tod, * um 1345/50 in Šitboř /Westböhmen, † 1414/15 in Prag. - J. besuchte die Klosterschule zu Tepl (mit Tschechisch und Deutsch als Unterrichtssprachen), studierte (da in Prag erst seit 1390 Römisches Recht gelehrt wurde) in Paris, wo er den Magistergrad sowie scholastische und juristische Kenntnisse erwarb. Sein Vater Henslin de Šitboř , "dominus" genannt und Besitzer des Dorfes, war wohlhabend genug, J.'s Studium zu finanzieren. J. kehrte etwa 1370 zurück, lernte in der kaiserlichen Kanzlei, wo er den Einfluß des Frühhumanisten, Stilistikers und Übersetzers J. von Neumarkt erfuhr, der aber 1371 bei Karl IV. in Ungnade fiel und sich 1373 ganz auf seinen Bischofssitz Olmütz zurückzog. Schon 1373 wurde J. Stadtschreiber in Saaz sowie "rector scholarium" der Saazer Lateinschule, zusätzlich "notarius publicus imperiali auctoritate" (unklar ist, ob diese Ernennung noch durch Karl IV. erfolgte oder erst durch König Wenzel, der J. 1404 "für treue Dienste" Besteuerung jedes auf dem Saazer Markt Fleisch Verkaufenden zusprach). Im Jahr 1411 wurde J. Stadtnotar der Prager Neustadt, erkrankte 1413 und starb 1414/15. - Die Gebildetenschicht Böhmens in der Luxemburgerzeit war durchwegs dreisprachig (tschechisch, deutsch, lateinisch). Da J. im rein tschechischen Šitboř aufwuchs und Glossen sowie Gedichte in tschechischer Sprache schrieb, war seine Muttersprache wohl Tschechisch und diese Sprache brauchte er auch in Tepl, Saaz und Prag in Schule und Amtsstube. Sein als "Ackermann aus Böhmen" (AaB) weltbekanntes deutsches Streitgespräch zwischen Witwer und Tod verwertet lateinische Stilistik und verleugnet nicht das Vorbild des Seneca zugeschriebenen Gespräches zwischen Witwer und Tod und des "Dialogus mortis cum homine". Die zum Teil wörtlichen Anklänge in dem viel umfangreicheren, 1409 verfaßten tschechischen "Tkadlecek" mit viel ausführlicheren Autorenzitaten und andere Einzelheiten erweisen, daß Ludwig (von Prag ?) bei seinem "Tkadleč ek" einen lateinischen Vorgänger des AaB aus der Zeit Karls IV. († 1378) benutzt hat. Da J.'s Vater den noch im AaB Kapitel 27 enthaltenen Rat, in den geistlichen Stand zu treten, wirklich befolgte und vor 7.5. 1375 als Dorfpfarrer ("plebanus") von Šitboř starb, hat J. wohl um 1370 beim Tod der Mutter zum Trost des Vaters eine scholastische Disputation zwischen Witwer und Tod verfaßt, die sowohl die Grundlage für Ludwigs "Tkadleč ek" 1409 wie für J.'s eigenen AaB von 1401 wurde. Zu Ehren seiner 1400 im Kindbett gestorbenen deutschsprachigen Gattin und in tiefem Schmerz um sie machte er aus der lateinischen Disputation ein stilistisches deutsches Wortkunstwerk und eine tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Problem des Todes. Den 33 Kapiteln, die mit dem Richterspruch Gottes schließen, fügt er eine litaneiartige, an das Buch der Liebkosungen des Johann von Neumarkt angelehnte Fürbitte für die Seele der Toten an, die auf Anrufung der Heiligen verzichtet und den unergründlichen Gott in zahllosen Vergleichen beschwört und J. auf dem Weg vom Mittelalter zu Renaissance und Reformation zeigt.
Werke: Ausgaben: AaB hg. von Johann Knieschek, Prag 1877; Alois Bernt/Konrad Burdach, 1917 (Vom MA zur Ref. III, 1); Arthur Hübner, 1937 (vgl. H. Rosenfeld, Archiv für das Stud. nach Spr. und Lit. 173, 1938, 257 f.); Hans Rupprich, 1938; L. L. Hammrich/Günther Jungbluth, Kopenhagen 1951 (vgl. H. Rosenfeld, Studia neophilologica 25, 1955, 87 ff.); Willy Krogmann, 1954 (Dt. Klassiker des MA.s, NF 1); Günther Jungbluth, 1969; M. O'C. Walshe, London 1962. - Übersetzungen: v. Alfred Hübner, 1947; Felix Genzmer, 1951 (Reclams Universalbibliothek 7666); Willy Krogmann, 1957 (Inselbücherei 148).
Lit.: Konrad Burdach, Der Dichter des AaB und seine Zeit, 1926/1932 (Vom MA zur Ref. 2/3); - Erich Gierach, J. v. Saaz, Verfasserlex. der Dt. Lit. des MA.s 2, 1936, 623-628 (Lit.); - Arthur Hübner, Das Deutsche im AaB. Sitzungsberr. der Berliner Akad. der Wiss., Phil.-Hist. Kl. 1935, XVIII, 323-398; - Ders., Dt. MA und ital. Renaissance. Zschr. für Deutschkunde 51, 1937, 225-239; - Willy Krogmann, Textausgabe, 1954, Einleitung 5-98, 249-264 (Lit.); - Franz H. Bäuml, Rhetorical devices and structure in the AaB, Berkeley/Los Angeles 1960; - Gerhard Hahn, Die Einheit des AaB, 1963; - Emil Skála, Schriftsprache und Mundart im AaB. Abhandlungen der Sächs. Gesellschaft der Wiss. in Leipzig 57, 1964/65, H. 2, 63-72; - Ernst Schwarz (Hrsg.), J. v. T. und seine Zeit, 1968 (Wege der Forschung 143); - Giorgio Sichel, Der AvB, storia alla critica, Firenze 1971; - Antonín Hrubý, Der Ackermann und seine Vorlage, 1971 (MTU 35); - Wolfgang Mieder, Streitgespräch und Sprichwort-Antithetik. Beitrag zu AaB und Sprichwortforschung, Daphnis 2, 1973, 1-32; - Hellmut Rosenfeld, Das Röm. Bild des Todes im Ackermann, in: Francis B. Brévart. Festgruß Hellmut Rosenfeld zum 70. Geb. 24.8. 1977, 1977 (GAG 234), 11-16; - Samuel Jaffe, Des Witwers Verlangen nach Rat, Daphnis 7, 1978, 1-53; - Rosemarie Natt, Der AaB des J. v. T., 1978 (GAG 235); - Hellmut Rosenfeld, J. v. Šitboř , der Tkadleč ek und die beiden Ackermannfassungen von 1370 und 1401. Die Welt der Slaven 26, 1981, 102-124; - Ders., Der alttschechische Tkadleč ek in neuer Sicht: Ackermann-Vorlage, Waldenserallegorie oder höf. Dichtung?, ebd. 26, 1981, 357-378; - Nigel F. Palmer, "Antiquitus depingebatur": the Roman pictures of death in the AaB und Tkadleč ek and the writings of the English classicizing friars, Dt. Vierteljahrsschr. für Lit.wiss. und Geistesgesch. 57, 1983, 171-239; - Gerhard Hahn, J. v. T., Verfasserlex. der Dt. Lit. des MA.s 4, 19832, 763-774 (Lit.); - Günther Jungbluth + . J. v. Saaz' AaB. Kommentar, hg. von Rainer Zach, 1983; - Samuel Jaffe, Prehumanistic humanisme in the AaB. Storia della storigrafia Nr. 9, Milano 1986, 16-45; - Hellmut Rosenfeld, Der AaB - scholast. Disputation von 1370 oder human. Wortkunstwerk von 1401?, in: H. Rosenfeld, Ausgewählte Aufss., 1987 (GAG 473), 239-245.
Hellmut Rosenfeld
Literaturergänzung:
2009
Agáta Dinzl-Rybarová, Der "Ackermann aus Böhmen" u.d. alttschechische "Tkadlecek". Göppingen 2006.
Letzte Änderung: 03.11.2009