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Band III (1992) Spalten 600-603 Autor: Ekkart Sauser

JOHANNES von Toledo, SOCist., Kardinal, englischer Herkunft, † 13.7. 1275 in Lyon. - Johannes von Toledo war fast 60 Jahre an der pästlichen Kurie tätig und führte dort allgemein den Namen »Cardinalis Albus«, der »weiße Kardinal«, weil er stets das weiße Ordensgewand der Zisterzienser getragen hat; den für einen Engländer auffälligen Beinamen »von Toledo« dürfte sich J. aufgrund eines Studienaufenthaltes an der Universität Toledo erworben haben. - Aus der »Chronica« des der sizilischen Finanzkammer Kaiser Friedrichs II. zugeteilten Notars Riccadus von S. Germano läßt sich zumindest indirekt entnehmen, daß J. sich unter jenem römischen Prälaten befand, die nach einer Seeschlacht am 3. Mai 1241 in die politische Gefangenschaft Friedrichs II. gerieten. J. wird mehrfach als Begleiter des Kardinals Jakob von Praeneste genannt, den der Kaiser als einen seiner gefährlichsten Gegner betrachtete. Vermutlich gemeinsam mit diesem wurde J. im Mai 1243 aus der Haft entlassen. Der am 25. Juni 1243 gewählte Papst Innozenz IV. (s.d.) ernannte ihn als Zeichen seiner besonderen Wertschätzung am 28. Mai 1244 zum Kardinalpriester vom Titel des hl. Laurentius in Lucina und damit zu seinem Nachfolger an dieser Titelkirche. Im Zusammenhang mit dieser Ernennung weisen die Chronisten eigens sowohl auf seine englische Abkunft hin, als auch auf seine Zugehörigkeit zum Zisterzienserorden. Am 24. Dezember 1261 ernannte ihn Papst Urban IV. (s.d.) zum Kardinalbischof von Porto, als solcher starb er am 13. Juli 1275 unter dem Pontifikat Gregors X. (s.d.). - Die Tätigkeit an der Kurie und insbesondere seine lange Zugehörigkeit zum Kardinalskollegium ließen J. zu einer der einflußreichsten Persönlichkeiten seiner Zeit werden. Die Chronisten vermitteln uns das Bild eines engagierten Förderers des Zisterzienserordens. Durch zahlreiche Interventionen wußte J. die Stellung seines Ordens zu sichern und auszubauen. Aufgrund der Eximierung von der Verpflichtung, die Ordensgelübde des Gehorsams und der Armut in der gewohnten Strenge zu halten, war es ihm möglich, seine bedeutenden Einkünfte für die Stiftung von Klöstern wie auch für politische Zwecke zu verwenden. Er wurde daher zu einem tatkräftigen Protektor der Zisterzienser. J. setzte sich bei der Kurie für die Wahl seines Landsmannes Richard v. Cornwallis zum deutschen König ein. - Der Kardinal stand jedoch in dem Ruf großer theologischer Gelehrsamkeit. Als einer der theologischen Sachverständigen der Kurie griff er in den berühmten Medikantenstreit an der Pariser Universität ein. So verurteilte Alexander IV. u.a. auf Betreiben J. am 5. Oktober 1256 die aufsehenerregende Schrift Wilhelm von S. Amours »De periculis novissimorum temporum«. - J. war jedoch nicht nur als Theologe bekannt; seine Studien an der Universität von Toledo hatten ihm Kenntnisse in Medizin und in den Naturwissenschaften vermittelt. Eine Zuordnung der verschiedenen auf uns gekommenen medizinischen Schriften, die einem Johannes Toletanus zugeschrieben werden, ist jedoch nicht eindeutig möglich. So kann der »liber de sanitate a magistro Johanne de Toledo compositus« durchaus von dem älteren, ehemals jüdischen Johannes Hispalensis saec. XII verfaßt worden sein. Die dort erwähnte, aber ansonsten nicht bezeugte Augenkrankheit Papst Innozenz IV., die J. durch ein eigenes entwickeltes Medikament geheilt habe, kann ein späterer Zusatz sein. Es ist möglich, daß gerade die Kenntnisse in Chemie es waren, die dem Kardinal den Weg zum Papstthron versperrten. Im Mittelalter haftete der Heilkunst zu sehr noch der Geruch des Magischen an. Auch als Astrologe, Prophet und Nekromant erwarb sich J. einen großen Namen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist seine politische Dichtung, in der er im Jahre 1256 das Kommen eines großen, siegreichen Weltherrschers verheißen hat, der die Nachkommenschaft Friedrichs II. ausrotten und auch die Anhänger Mohammeds zu Christus zu führen berufen sei. Allerdings stammt unter den ihm zugeschriebenen Prophezeiungen der von Riccardus von S. Germano überlieferte astrologische sogenannte Toldobrief nicht von ihm. Im Unterschied zu den damals verbreiteten pessimistischen Stimmen, die den drohenden Untergang der Welt beschworen und den Beginn der letzten Zeiten erwarteten, richtet Johannes einen hoffnungsfrohen Blick auf den kommenden mächtigen Herrscher der Welt, der siegreich den Erdenkreis bezwingen wird und alle Menschen hin zu Christus führen wird. Gerade im Blick auf die düsteren Prognosen trat J. für die Fortdauer der Kaisermacht ein.

Lit.: H. Grauert, Meister Johann von Toledo, München 1901 (= Sitzungsbericht der philos.-philol. und histor. Classe der kgl. bayer. Akademie der Wissenschaften 1901, Heft 2) (dort Abdruck der gesicherten Prophezeiung von 1256); - M.-Br. Brard, Jean Tolet, in: Catholicisme. Hier - Aujourd'hui - Demein, t. 6, Paris 1967, 632 f.; - J. Vincke, Johannes von Toledo, in: LThK V. 1902; D. Willi, Päpste, Kardinäle und Bischöfe aus dem Cistercienser-Orden, Bregenz 1912, 20.

Ekkart Sauser

Letzte Änderung: 29.12.2009