Verlag Traugott Bautz |
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JOSEPH von Arimathäa, Heiliger, Festfeier am 17. März seit 1585 (Mart Rom). Arimathaia ist die griechische neutestamentliche Bezeichnung für das hebr. Armathajim im nördl. Juda, dem heutigen Rentis, 10 km nordöstlich von Lydda. Wahrscheinlich ist es mit Ramathajim, dem Geburtsort Samuels, identisch (1 Sam 1,1). Joseph wird als begüterter Ratsherr gekennzeichnet, der als Anhänger Christi erst nach dessen Tod auftritt, von Pilatus den Leichnam Jesu erbittet, diesen zusammen mit Nikodemus vom Kreuz abnimmt, ihn in Leintücher einwickelt und in seinem eigenen neuen Felsengrab nahe bei Golgotha bestattet. Er wird in allen 4 Evangelien erwähnt (Mt 27, 57-60, Mk 15, 42-46, Lk 23, 50-53 und Joh 19, 38-42). Lukas sagt charakterisierend: »ein guter und gerechter Mann, der bei ihrem Todesbeschluß nicht mitgestimmt hatte« (vgl. Vers 50/51). Auf Bildern von Kreuzabnahme und Grablegung wird er meist inschriftlich als der bezeichnet, der die Nägel herauszieht, der Christus an den Schultern faßt, ihn in den Sarkophag legt und ihm sein für sich selbst bestimmtes Grab zur Verfügung stellt. Der sich schon früh bildende Kranz von Legenden schlug sich in verschiedenen apokryphen Schriften nieder: eingekerkert, sei er wunderbar von Jesus befreit worden (Nikodemusevangelium oder Pilatusakte um 400), er und Nikodemus hätten den toten rechten Schächer in die Grabtücher Jesu gehüllt und ihn so zum Leben erweckt (Gamalielevangelium, nach dem 5. Jhrh.), er sei von Herodes gegeißelt und von Gabriel aus dem Kerker geführt worden (Martyrium Pilati). Eine spätere georgische apokryphe Schrift berichtet, daß er die Kirche in Lydda gegründet habe. Noch spätere Legenden erzählen, sein Leichnam sei unter Karl d.Gr. von Jerusalem in die Benediktinerabtei Moyenmoutier (Dep. Vosges, Nordost-Frankreich) übertragen worden oder er habe in Gallien und Britannien missioniert. Literarische Ausstrahlungen bewirkte der Bericht des englischen Geschichtsschreibers Matthaeus Parisiensis OSB (+ um 1257), wonach Joseph das Blut Jesu am Kreuz in einer Schale aufgefangen habe, die dann 1247 nach Britannien gekommen sei. Sie sei dieselbe gewesen, deren sich Jesus beim Abendmahl bediente (hl. Gral und Gralsage des Mittelalters). Auch wurde ein angeblicher Arm des Joseph von Arim. in der Peterskirche gezeigt. Künstlerische Darstellungen, bekannt seit dem 15. Jhrh., zeigen ihn in reicher bürgerlicher Kleidung mit großer Kappe oder Spitzhut, 3 Nägel haltend, Dornenkrone und Schale oder ein ziboriumartiges Gefäß in Händen. Verehrt wird er als Patron der Leichenbesorger und Totengräber.
Karl Mühlek
Literaturergänzung:
1997
Nestan Tchkhikvadzé, Une traduction géorgienne d'un original perdu. L'histoire de l'apocryphe de l'Église de Lydda (Cant 77), in: Apocrypha 8.1997, S. 179-191; -
2007
Dick Harrison, Verräter, Hure, Gralshüter. Judas Iskariot, Maria Magdalena, Pontius Pilatus, Josef von Arimathäa - Geschichte u. Legenden. Düsseldorf 2007; -
2008
Jack P. Cunningham, "A young man's brow and an old man's beard". The rise and fall of J. of A. in English Reformation thought, in: Theology 112.2009, S. 251-259.
Letzte Änderung: 09.04.2011