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Verlag Traugott Bautz
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JOYCE, James Augustine (Aloysius), irischer Schriftsteller, * 2.2. 1882 in Rathgar (Dublin) als zweites von elf Kindern des John Stanislaus Joyce und der Mary (May) Murray, † 13.1. 1941 in Zürich. - Schul- und Studienzeit des jungen J. waren u. a. geprägt von den Lehren und Ideen seiner jesuitischen Lehrer. 1888 wurde er Schüler des Jesuiten-Colleges Clongowes Wood in Salins, Co.Kildare, das auch als »Eton Irlands« bekannt war, 1893 Zögling des jesuitischen Belvedere College in Dublin, nachdem er im Jahr zuvor kurz die Ordensschule der Christian Brothers in Dublin besucht hatte. Schon während seiner Schulzeit galt J. als überdurchschnittlich begabt und war bei Lehrern und Mitschülern gleichermaßen beliebt. 1898 immatrikulierte er sich am Royal University College, einer ursprünglich rein katholischen Institution. 1902 erwarb er dort den Grad eines »Bachelor of Arts«. J.s diverse Berufspläne, u. a. wollte er zunächst in Dublin, dann in Paris Medizin studieren, führten zu keinem Ziel. 1904 verließ er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Nora Barnacle Dublin, um dem beschränkten geistigen Klima seiner Heimat zu entfliehen, das ihn bei der Erfüllung seiner künstlerischen Sendung zu stark beengte. Von 1904 bis zu seinem Tod 1941 in Zürich lebte die Familie (Sohn Giorgio * 1905, Tochter Lucia * 1907) abwechselnd in Triest, Paris und Zürich. - J.s geistige Entwicklung war beeinflußt von zwei ganz unterschiedlichen Seiten. Zum einen wuchs er in der von Nationalismus und Antiklerikalismus geprägten Tradition der väterlichen Familie auf. Sein Vater war ein großer Verehrer des Führers der Home Rule Bewegung, Parnell, der 1891 gestürzt wurde. Der junge J. machte die katholische Kirche für den Sturz seines Idols verantwortlich, was er als Neunjähriger eindrucksvoll in dem Gedicht »Et Tu, Healy« beschreibt. Seine desolate familiäre Situation verarbeitet J. in vielen Szenen seiner stark autobiographisch gefärbten Werke, stellt sie als typisch irisch dar: ein in allen Belangen stets versagender Vater, eine fromme und treu ergebene Mutter, die vergeblich gegen den sozialen Abstieg der Familie ankämpft, gleichzeitig aber Opfer und Komplizin dieses Mannes ist. - Die Ideen und Lehren der jesuitischen Lehrer und Erzieher wurden zum zweiten bestimmenden Faktor in J.s Entwicklung. Die zunächst ungeteilte Bewunderung für seine Lehrmeister und ihre Gelehrsamkeit weicht der Desillusionierung und der Suche nach neuen Identifikationsmöglichkeiten - ausgelöst durch die Wahrnehmung einer den Bewunderten innewohnenden doppelten Moral: Religion mit Demut und Gehorsam versus beobachtbare Praxis jesuitischen Lebens, die diplomatisch-pragmatischen Verhaltensweisen standen conträr zu ihrer idealistischen Lehre. Enttäuscht von Priestern und den praktischen Auswirkungen der Religion macht J. sich auf die Suche nach dem Kern der Wahrheit und Schönheit. Religion sieht er nur noch als Ersatz für die Kunst an, die Priester als Usurpatoren des Platzes der Künstler. - J.s Werk zeichnet sich aus durch den experimentellen Gebrauch der Sprache und durch die Begründung neuer literarischer Methoden. Inhaltlich bewegt er sich von autobiographisch gefärbten Beschreibungen der irischen Lebensart bis zur Verarbeitung klassischer Stoffe (z. B. Odysseus). Insgesamt stellen seine Werke eine bleibende literarische Herausforderung dar.
Werke: James Joyce, Werke. Frankfurter Ausgabe in 7 Bd.n, hrsg. v. Reichert, Klaus unter Mitarb. v. Fritz Senn, 1969-1076; Ders., Werkausgabe, 6 Bde., 1986; Ders., Finnegans Wake. Übertragungen, hrsg. v. Klaus Reichert/Fritz Senn, 1989.
Lit.: Armin Arnold, J. o. J.; - Hermann Broch, J. und die Ggw. Rede zum 50. Geb. in: »Gesammelte Werke«, Bd. 6, 1955; - Ezra Pound, Zeitgenossen, 1959; - ders., James Joyce, Die Geschichte ihrer Beziehung in Briefen und Dok., 1972; - Richard Ellmann, J., 1959. Biographie mit ausführl. Bibliographie; - Jean Paris, J. in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, 1960; - Jean Jaques Mayoux, J., 1967; - Harry Levin, J. Eine krit. Einführung, 1975; - Jane Lidderdale/Mary Nicholson, Liebe Miss Weaver. Ein Leben für J., 1976; - Arthur Power, Gespräche mit J., 1978; - Thomas Jackson Rice, J.: a Guide to Research, 1982, Umfassende Bibliographie bis ca. 1980; - Fritz Senn, Nichts gegen J. Gesammelte Aufsätze 1958-1983; - Giséle Freund, Drei Tage mit J., 1983; - Das Dubliner Tagebuch des Stanislaus Joyce, hrsg. v. George H. Healey, 1984; - Studenten lesen J. Interpretationen zum Frühwerk, 1984; - Arno Schmidt, Arbeitsexemplar von Finnegans Wake by J., 1984; - Protokolle für Lit. und Kunst, hrsg. v. Otto Breicha, 1979 ff., hier: 1985/1: James Joyce betreffend. Materialien zur Vermesserung seines Universums; - Davies Stan Gebler, J., 1987; - Walter Kappacher, Aus dem Nachlaß von J. Ein Interview, 1987; - Friedhelm Rathjen, »... schlechte Augen«: J. bei Arno Schmidt vor »Zettels Traum«, 1988; - Ders./James Joyce, Die Gesch. ihrer Beziehung in Briefen und Dokumenten, 1972; - Ders., Dublin-Bargfeld. Von J. zu Arno Schmidt, 1987; - Dunja Barnes, Paris, J., Paris, 1988; - Thomas Faerber/Markus Luchsinger, J. in Zürich, 1988; - Frank Budgen, J. und die Entstehung des Ulysses, o. J.
Ursula Hoffacker
Literaturergänzung:
1982
Edward J. Cronin, Eliade, Joyce, and the "nightmare of history", in: JAAR 50.1982, S. 435-448; -
2003
Jean Kimball, J. and the early Freudians. Gainesville 2003; -
2005
Jürgen Schneider, James Joyce in Wiesbaden. Wiesbaden 2005; - Paul D. Morris: Representation and the twentieth-century novel. Studies in Gorky, J. and Pynchon. Würzburg 2005 (=Saarbrücker Beitr. zur vergleichenden Literatur- u. Kulturwiss.; 32); - Eckhard Lobsien, D. Phantasie d. Ulysses. Heidelberg 2005; - Catrin Siedenbiedel, Metafiktionalität in Finnegans Wake. Das Weibl. als Prinzip selbstreflexiven Erzählens bei J.J. Würzburg 2005; -
2006
Katharina Hagena, Was d. wilden Wellen sagen. D. Seeweg durch d. Ulysses. Hamburg 2006; - Dieter Fuchs, J. and Menippos. Würzburg 2006; - Hiromi Yoshida, J. and Jung. The "four stages of eroticism" in a portrait of the artist as a young man. New York 2006; Daniel M. Shea, J.J. and the mythology of modernism. Stuttgart 2006; - AnnKatrin Jonsson, Relations. Ethics and the modernist subject in J.J.'s Ulysses, Virgina Woolf's The Waves, and Djuna Barne's Nightwood. Oxford 2006; - E. Joseph Sharkey, Idling the engine. Linguistic skepticism an and around Cortázar, Kafka and Joyce. Washington, DC 2006; -
2007
Hans-Christian Oeser ; Jürgen Schneider, J.J. Frankfurt a.M. 2007; - Gian Balsamo, Mourning to death. Love, altruism, and Stephen Dedalus's poetry of grief, in: Littheol 21.2007, S. 417-436; - Graham Smith, "Light that dances in the mind". Photographs and memory in the writings of E.M. Forster and his contemporaries. Oxford 2007; - J.J. Eine Einf. in Leben u. Werk. Gelesen von Thomas Loibl u. C. Bernd Sucher. Berlin 2007. 1 CD; - Matthias Adrion, Die Verfilmung d. Unlesbaren. Problemfelder d. Literaturadaption am Beisp. von J.J. "Ulysses". Saarbrücken 2007; -
2008
Friedhelm Rathjen, Flußgefließe. Aufsätze zu J.J. Scheeßel 2008; - Hanskarl Kölsch, Ein Leitfaden zu d. Vortragsreihe "J.J., Ulysses". Norderstedt 2008; - Gerald Doherty, Pathologies of desire. The vicissitudes of the self in J.J.'s "A portrait of the artist". New York 2008; - Mario Gomes, Gedankenlesemaschinen. Modelle f.e. Poetologie d. Inneren Monologs. Freiburg/Br. 2008; - Dustin Anderson, Their synaptic selves. Memory and language in Joyce and Beckett. Saarbrücken 2008; -
2009
Thomas F. Halloran, J.J. - developing Irish identity. A study of the development of postcolonial Irish identity in the novels of J.J. Stuttgart 2009; - Katharina Hagena, Was d. wilden Wellen sagen. Der Seeweg durch d. Ulysses. Frankfurt/M. 2009; - Maren Jäger, Die J.-Rezeption in d. dtsprach. Erzählliteratur nach 1945. Tübingen 2009; - Jörg W. Rademacher, J.J. Ein Leben in sieben Stationen. Trier 2009.
Letzte Änderung: 22.12.2009