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Band III (1992) Spalten 762-763 Autor: Hans Reinhard Seeliger

JUDAS CYRIACUS (Quiriacus), legendarischer Märtyrerbischof von Jerusalem, zentrale Figur der von antijüdischen Elementen durch-zogenen Kreuzauffindungslegende C (= Cyriacuslegende). Nach dieser wurde er, ein später Verwandter des Stephanus der Apg, gezwungen, bei der Auffindung des wahren Kreuzes und der Nägel mitzuwirken und kam durch die damit verbundenen Wunder zum Glauben. Auf Geheiß Kaiserin Helenas weihte ihn völlig anachronistisch der römische Bischof Eusebius (+310) vor Ort zum Bischof von Jerusalem. Das Martyrium erlitt er angeblich unter Julian Apostata (361-63). - Sämtliche Nachrichten der Legende und Passio sind unhistorisch. Lediglich Eusebius erwähnt zur Zeit Bar Kokbas (132-135) als letzten judenchristlichen Bischof Jerusalems einen Judas (H.E. IV 5,3), der nach Schlatter möglicherweise Aufzeichnungen über Grab und Hinrichtungsstätte Jesu hinterließ. Daß er den Beinamen Kyriakos trug, hält Schlatter gleichfalls für historisch, ist aber nicht strikt zu beweisen. Die Funktion des J. C. in der Legende ist typologisch die eines neuen Judas, der den Verrat des Judas (Mt 26,47-50 par) ausgleicht. - Die Legende ist nach Straubinger syrischen Ursprungs (anders Pigoulewski) und in der 1. Hälfte des 5. Jh. entstanden. Nach 500 verbreitete sie sich im Westen und wurde die im Mittelalter populärste Fassung der Kreu-z-auffindungslegenden. Die Translatio weiß von einer Übertragung der Gebeine nach Ancona unter Galla Placidia (421-450). Dort nachweislich ein Kult seit dem 14. Jh. Eine früh kritisierte Lokaltradition nimmt J. C. als ersten Bischof für Ancona in Anspruch.

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Quellen: BHO 54f (233-236); BHG 142 (465), App. I, 82 (399 + 405); BHL 619f (4169) u. Suppl. 454f, 1021f (7022-25) u. Suppl. 739f; Jacobus a Voragine, Legenda aurea 64 (Ed. Graesse 303 - 311).

Lit.: Johannes Straubinger, Die Kreuzauffindungslegende: FChLDG 11,3, 1912; - Francesco Lanzoni, Le diocesi d'Italia dalle origini al principio del secolo VII (an. 604) [1]: StT 35, Faenza 1927, 384; - N. Pigoulewski, Le martyre de Saint Cyriaque de Jérusalem, in: ROC 26, 1927/28, 305-356; - Mario Natalucci, Antichità cristiane di Ancona, 1934, 20-28; - Baudouin de Gaiffier, »Sub Iuliano Apostata« dans le Martyrologue Romain, in: AnBoll 74, 1956, 39; - Adolf Schlatter, Synagoge und Kirche bis zum Barkochba-Aufstand, 1966, 144-153; - A. Linder, Ecclesia and Synagoga in the Medieval Myth of Constantine the Great: Revue belge de Philologie et d'Histoire 54, 1976, 1019 - 60; - Francois Halkin in: AnBoll 103, 1985, 205f; Jan Willem Drijvers, Helena Augusta: waarheid en legende (Diss. Groningen) 1989, 153- 186; 198-200; - Stefan Heid, Der Ursprung der Helenalegende im Pilgerbetrieb Jerusalems: JAC 32, 1989, 41-71; - LThK1 5, 670; - LThK2 5, 1152; Bibliotheca Sanctorum 3, 1962, 1296f; - Wolfgang Braunfels (Hrsg.), Lexikon der christlichen Ikonographie 6, Rom - Freiburg u.a. 1974, 15.

Hans Reinhard Seeliger

Letzte Änderung: 09.04.2011