JUDAS MAKKABÄUS, jüdischer Freiheitskämpfer Mitte des 2. Jahrhunderts
vor Christus; Herkunft aus Modein (el-midje), ca. 28 km nordwestlich
von Jerusalem; gefallen 160 vor Christus in der Schlacht bei Eleasa
(Lage unbekannt), begraben in Modein. - J. war der 3. Sohn des
Priesters Mattathias aus dem Geschlecht der Hasmonäer. Sein Beiname
Makkabäus ist wohl aus dem Hebräischen abzuleiten und bedeutet »der
Hämmerer« bzw. »der Hammerartige«; er wurde ihm als Anspielung auf
seine militärischen Erfolge beigegeben. - J. übernahm nach dem
Tod seines Vaters im Jahre 167/166 vor Christus als charismatischer
Führer den Befehl über die gesetzestreuen jüdischen Freischärler,
die sich im Kampf gegen die Religionsverfolgung des seleukidischen
Herrschers Antiochus IV. Epiphanes und gegen die innerjüdische hellenistische
Reformpartei in die Berge zurückgezogen hatten. Weil sie den seleukidischen
Streitkräften zahlenmäßig weit unterlegen waren, vermied J. zunächst
die Konfrontation mit der gegnerischen Streitmacht in einer regulären
Schlacht und führte eine Art Guerillakrieg, in dem es ihm gelang,
kleinere Heereskontingente der fremden Machthaber aufzureiben. -
J. veranlaßte eine Neuorganisation seiner Streitkräfte, was deren
Schlagkraft erheblich stärkte, und zieht nach zwei gewonnenen Schlachten
in Jerusalem ein. Dort ließ er das entweihte Heiligtum reinigen und
neu weihen, restituierte im Dezember 165/164 den Opferdienst und setzte
ein 8-tägiges Fest ein, das als Chanukkafest (von hebr. Ḥanukkā
= Einweihung) noch heute gefeiert wird. Mit Ausnahme der Festung Akra
in Jerusalem, die weiterhin von einer seleukidischen Garnison gehalten
wurde, konnte er sich zum Herrn über ganz Judäa machen. In der Folgezeit
gelingt es ihm, bedrohte jüdische Minderheiten aus Galiläa und dem
Ostjordanland nach Judäa überzusiedeln, vor allem aber die Aufhebung
des Verbots der Praktizierung der jüdischen Religion und damit die
offizielle Wiedereinsetzung des Jahwekults zu erreichen. - Über
diese Freiheit der Religionsausübung hinaus erstrebten J. und die
anderen Makkabäer auch die politische Unabhängigkeit von der seleukidischen
Fremdherrschaft. Diese Ausweitung der ursprünglichen Zielsetzung des
Kampfes führte zu einer Spaltung innerhalb der jüdischen Befreiungsbewegung:
Nicht alle Gruppen wollten das makkabäische Streben auch nach der
politischen Macht mittragen und wandten sich von J. ab. Nach wechselvollen,
auch innerjüdischen Auseinandersetzungen und Kämpfen, in deren Verlauf
J. auch einen Bündnisvertrag mit Rom schloß, kam es im April 160 vor
Christus zur Entscheidungsschlacht bei Eleasa gegen den seleukidischen
Feldherrn Bacchides. Die römische Armee greift trotz Bündnisvertrag
nicht in das Geschehen ein, und die Schlacht, in der J. sein Leben
verliert, geht für die Makkabäer verloren. Judäa bleibt damit zunächst
(bis 142 vor Christus) fest in seleukidischer Hand. Des J. jüngster
Bruder Jonathan übernahm die Führung der makkabäischen Aufständischen,
die in das Gebiet der Nabatäer fliehen mußten, um dort neue Kräfte
zu sammeln. - Die Bedeutung des J. M. geht weit über die nur etwa 6 Jahre seines militärischen und politischen Wirkens hinaus:
Sein Beiname Makkabäus gab nicht nur der gesamten von ihm geführten
religiösen und nationalen jüdischen Befreiungsbewegung ihren Namen,
sondern auch 4 apokryphen Schriften der griechischen Bibel (1.-4.
Makkabäerbuch). Die ersten beiden Makkabäerbücher, denen wir im wesentlich
unsere Kenntnisse über J. verdanken, haben in die erste Gesamtausgabe:
von Martin Luthers (s.d.) Deutscher Bibel (1534) Eingang gefunden.
Erst sein Bruder Simon erreichte im Jahre 142 vor Christus das von
J. M. gesteckte Ziel: die Gewinnung auch der staatlichen Unabhängigkeit
»Israels« von der seleukidischen Fremdherrschaft; er wurde damit zum
Begründer der Dynastie der Hasmonäer, die bis zum Jahre 63 vor Christus
Bestand hatte, als die Römer Judäa ihrem Reiche einverleibten. -
Für das Judentum sind J. und die Makkabäer bleibendes historisches
Vorbild für den kämpferischen Widerstand gegen fremde Unterdrückung.
Lit.: 1. Makk 3,1-9,22; - 2. Makk 8-15; - Flavius
Josephus, Antiquitates 12, 265 ff.; - Hugo Weiß, Judas Makkabaeus.
Ein Lebensbild aus den letzten großen Tagen des israelitischen Volkes,
1897; - Emil Schürer, Geschichte des jüd. Volkes im Zeitalter
Jesu Christus, I, 1901
3, 165-222; - Gustav Hölscher, Bemerkungen
zur Topographie Palästinas. I. Die Feldzüge des Makkabäers Judas (1.
Makk 5), in: ZDPV 29, 1906, 133-151; - F.-M. Abel, Topographie
des campagnes Machabéenes, in: RevBibl. 32, 1923, 495-521; 33, 1924,
201-217, 371-387; 34, 1925, 194-216; 35, 1926, 206-222, 510-533; -
Elias J. Bickermann, Die Makkabäer, 1935; - engl.: Ders., From
Ezra to the last of the Maccabees, 1962, 93-186; - Ders., Der
Gott der Makkabäer, 1937; - Kurt Galling, Judäa, Galiläa und der
Osten im Jahre 164/163 v. Chr., in Palästina-Jb. 36, 1940, 43-77;
- Otto Plöger, Die Feldzüge der Seleukiden gegen den Makkabäer
Judas, in: ZDPV 74, 1958, 158-188; - Ders., Aus der Spätzeit des
AT.s, 1971, 134-164; - Viktor Tcherikover, Hellenistic Civilization
and the Jews, 1959 (Nachdr. 1970); - Siegfried Wibbing, Zur Topographie
einzelner Schlachten des Judas Makkabäus, in: ZDPV 78, 1962, 159-170;
- Menahem Stern, The Hasmonean Revolt and Its Place in the History
of Jewish Society and Religion. in: Journ. of World History 11, 1968,
92-106; - Ders., Die Zeit des Zweiten Tempels, in: Geschichte
des jüd. Volkes, hg. v. H. H. Ben-Sasson, I, 1978, 231-373; -
Martin Hengel, Judentum und Hellenismus, 1969 (1973
2); -
Wolf Wirgin, Judah Maccabee's Embassy to Rome and the Jewish-Roman
Treaty, in: PEQ 101, 1969, 15-20; - Abraham Schalit (Hg.) World
History of the Jewish People. I/6. The Hellenistic Age, 1972; -
Johann Maier, Grundzüge der Geschichte des Judentums im Altertum,
1981; - PRE IX, 2461-2464; - BHH II, 902; - EncJud X,
379-383; - KP II, 1497 f.
Michael Wolter
Literaturergänzung:
2009
Felix Heidenberger, Die Makkabäer. Roman aus d. Geschichte Israels. Aachen 2009.
Letzte Änderung: 09.04.2011