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Band III (1992) Spalten 766-768 Autor: Michael Wolter

JUDAS MAKKABÄUS, jüdischer Freiheitskämpfer Mitte des 2. Jahrhunderts vor Christus; Herkunft aus Modein (el-midje), ca. 28 km nordwestlich von Jerusalem; gefallen 160 vor Christus in der Schlacht bei Eleasa (Lage unbekannt), begraben in Modein. - J. war der 3. Sohn des Priesters Mattathias aus dem Geschlecht der Hasmonäer. Sein Beiname Makkabäus ist wohl aus dem Hebräischen abzuleiten und bedeutet »der Hämmerer« bzw. »der Hammerartige«; er wurde ihm als Anspielung auf seine militärischen Erfolge beigegeben. - J. übernahm nach dem Tod seines Vaters im Jahre 167/166 vor Christus als charismatischer Führer den Befehl über die gesetzestreuen jüdischen Freischärler, die sich im Kampf gegen die Religionsverfolgung des seleukidischen Herrschers Antiochus IV. Epiphanes und gegen die innerjüdische hellenistische Reformpartei in die Berge zurückgezogen hatten. Weil sie den seleukidischen Streitkräften zahlenmäßig weit unterlegen waren, vermied J. zunächst die Konfrontation mit der gegnerischen Streitmacht in einer regulären Schlacht und führte eine Art Guerillakrieg, in dem es ihm gelang, kleinere Heereskontingente der fremden Machthaber aufzureiben. - J. veranlaßte eine Neuorganisation seiner Streitkräfte, was deren Schlagkraft erheblich stärkte, und zieht nach zwei gewonnenen Schlachten in Jerusalem ein. Dort ließ er das entweihte Heiligtum reinigen und neu weihen, restituierte im Dezember 165/164 den Opferdienst und setzte ein 8-tägiges Fest ein, das als Chanukkafest (von hebr. Ḥanukkā = Einweihung) noch heute gefeiert wird. Mit Ausnahme der Festung Akra in Jerusalem, die weiterhin von einer seleukidischen Garnison gehalten wurde, konnte er sich zum Herrn über ganz Judäa machen. In der Folgezeit gelingt es ihm, bedrohte jüdische Minderheiten aus Galiläa und dem Ostjordanland nach Judäa überzusiedeln, vor allem aber die Aufhebung des Verbots der Praktizierung der jüdischen Religion und damit die offizielle Wiedereinsetzung des Jahwekults zu erreichen. - Über diese Freiheit der Religionsausübung hinaus erstrebten J. und die anderen Makkabäer auch die politische Unabhängigkeit von der seleukidischen Fremdherrschaft. Diese Ausweitung der ursprünglichen Zielsetzung des Kampfes führte zu einer Spaltung innerhalb der jüdischen Befreiungsbewegung: Nicht alle Gruppen wollten das makkabäische Streben auch nach der politischen Macht mittragen und wandten sich von J. ab. Nach wechselvollen, auch innerjüdischen Auseinandersetzungen und Kämpfen, in deren Verlauf J. auch einen Bündnisvertrag mit Rom schloß, kam es im April 160 vor Christus zur Entscheidungsschlacht bei Eleasa gegen den seleukidischen Feldherrn Bacchides. Die römische Armee greift trotz Bündnisvertrag nicht in das Geschehen ein, und die Schlacht, in der J. sein Leben verliert, geht für die Makkabäer verloren. Judäa bleibt damit zunächst (bis 142 vor Christus) fest in seleukidischer Hand. Des J. jüngster Bruder Jonathan übernahm die Führung der makkabäischen Aufständischen, die in das Gebiet der Nabatäer fliehen mußten, um dort neue Kräfte zu sammeln. - Die Bedeutung des J. M. geht weit über die nur etwa 6 Jahre seines militärischen und politischen Wirkens hinaus: Sein Beiname Makkabäus gab nicht nur der gesamten von ihm geführten religiösen und nationalen jüdischen Befreiungsbewegung ihren Namen, sondern auch 4 apokryphen Schriften der griechischen Bibel (1.-4. Makkabäerbuch). Die ersten beiden Makkabäerbücher, denen wir im wesentlich unsere Kenntnisse über J. verdanken, haben in die erste Gesamtausgabe: von Martin Luthers (s.d.) Deutscher Bibel (1534) Eingang gefunden. Erst sein Bruder Simon erreichte im Jahre 142 vor Christus das von J. M. gesteckte Ziel: die Gewinnung auch der staatlichen Unabhängigkeit »Israels« von der seleukidischen Fremdherrschaft; er wurde damit zum Begründer der Dynastie der Hasmonäer, die bis zum Jahre 63 vor Christus Bestand hatte, als die Römer Judäa ihrem Reiche einverleibten. - Für das Judentum sind J. und die Makkabäer bleibendes historisches Vorbild für den kämpferischen Widerstand gegen fremde Unterdrückung.

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Lit.: 1. Makk 3,1-9,22; - 2. Makk 8-15; - Flavius Josephus, Antiquitates 12, 265 ff.; - Hugo Weiß, Judas Makkabaeus. Ein Lebensbild aus den letzten großen Tagen des israelitischen Volkes, 1897; - Emil Schürer, Geschichte des jüd. Volkes im Zeitalter Jesu Christus, I, 19013, 165-222; - Gustav Hölscher, Bemerkungen zur Topographie Palästinas. I. Die Feldzüge des Makkabäers Judas (1. Makk 5), in: ZDPV 29, 1906, 133-151; - F.-M. Abel, Topographie des campagnes Machabéenes, in: RevBibl. 32, 1923, 495-521; 33, 1924, 201-217, 371-387; 34, 1925, 194-216; 35, 1926, 206-222, 510-533; - Elias J. Bickermann, Die Makkabäer, 1935; - engl.: Ders., From Ezra to the last of the Maccabees, 1962, 93-186; - Ders., Der Gott der Makkabäer, 1937; - Kurt Galling, Judäa, Galiläa und der Osten im Jahre 164/163 v. Chr., in Palästina-Jb. 36, 1940, 43-77; - Otto Plöger, Die Feldzüge der Seleukiden gegen den Makkabäer Judas, in: ZDPV 74, 1958, 158-188; - Ders., Aus der Spätzeit des AT.s, 1971, 134-164; - Viktor Tcherikover, Hellenistic Civilization and the Jews, 1959 (Nachdr. 1970); - Siegfried Wibbing, Zur Topographie einzelner Schlachten des Judas Makkabäus, in: ZDPV 78, 1962, 159-170; - Menahem Stern, The Hasmonean Revolt and Its Place in the History of Jewish Society and Religion. in: Journ. of World History 11, 1968, 92-106; - Ders., Die Zeit des Zweiten Tempels, in: Geschichte des jüd. Volkes, hg. v. H. H. Ben-Sasson, I, 1978, 231-373; - Martin Hengel, Judentum und Hellenismus, 1969 (19732); - Wolf Wirgin, Judah Maccabee's Embassy to Rome and the Jewish-Roman Treaty, in: PEQ 101, 1969, 15-20; - Abraham Schalit (Hg.) World History of the Jewish People. I/6. The Hellenistic Age, 1972; - Johann Maier, Grundzüge der Geschichte des Judentums im Altertum, 1981; - PRE IX, 2461-2464; - BHH II, 902; - EncJud X, 379-383; - KP II, 1497 f.

Michael Wolter

Literaturergänzung:

2009

Felix Heidenberger, Die Makkabäer. Roman aus d. Geschichte Israels. Aachen 2009.

Letzte Änderung: 09.04.2011