JULIUS III., Papst (1550-1555). Kardinal Giovanni Maria del Monte
wurde am 7. Februar 1550 nach einem über zwei Monate dauernden Konklave
zum Papst gewählt und nannte sich Julius III. - in dankbarer Erinnerung
an Julius II., in dessen Pontifikat er selbst einst seine Karriere
als päpstlicher Kammerherr begonnen und sein Onkel und großer Förderer
Antonio del Monte die Kardinalswürde erhalten hatte. Der neue Papst
war Römer, geboren am 10. Sept. 1487. Seine steile geistliche Karriere
verdankte er seinem Onkel, der ihn zunächst kirchliche und weltliche
Rechtswissenschaften in Perugia und Siena studieren ließ, ihn dann
in der römischen Kurie einführte und ihn schließlich zu seinem Nachfolger
als Erzbischof von Siponto machte. Da war Giovanni Maria del Monte
eben 26 Jahre alt. In den folgenden Jahren bekleidete er einflußreiche
Stellungen an der Kurie und im Kirchenstaat, bevor Papst Paul III.
den Kurialjuristen und Verwaltungsfachmann am 22.12. 1536 ins Kardinalskollegium
berief. Es waren seine juristischen und organisatorischen Fähigkeiten,
die ihn auch für den Posten eines von drei päpstlichen Konzilslegaten
für die erste Tagungsperiode des am 13.12. 1545 endlich in Trient
zusammentretenden allgemeinen Konzils empfahlen. Als rangältester
Kardinal leitete er das Konzilspräsidium zusammen mit dem hochgelehrten
Marcello Cervini (der als Papst Marcellus II. sein Nachfolger werden
sollte, dies allerdings nur für 21 Tage bis zu dessen frühem Tod am
1.5. 1555) und Reginald Pole, der als Gegner Heinrich VIII. aus England
geflohen war. Im Auftrage des Papstes und in erster Linie diesem persönlich
verpflichtet war der Konzilspräsident del Monte heimlicher Gegner
des Kaisers und dessen Konzilsplänen. Karl V. hoffte noch immer, die
deutschen Protestanten zur Teilnahme am allgemeinen Konzil bewegen
zu können und hätte lieber gesehen, wenn bis zu deren Erscheinen ausschließlich
Disziplin- und Reformfragen Gegenstand der Verhandlungen geblieben
wären. Die gleichzeitige Diskussion von Glaubenslehre und Kirchenreform
erschwerte nach seiner Überzeugung die Aussichten, die Kirchenspaltung
im Reich rückgängig zu machen. Im übrigen war die Verhandlungsführung
auf dem Konzil der kaiserlichen Partei nicht gewogen. Am wenigsten
aber konnte sich der Kaiserhof mit der voreiligen Verlegung des Konzils
aus Trient, damals Stadt des Reiches, in die zweitgrößte Stadt des
Kirchenstaates, nach Bologna abfinden. Die dem Kaiser verbundene Konzilsminderheit
widersetzte sich denn auch dem Beschluß und verblieb in Trient. Schließlich
widerriet del Monte einer Rückkehr der Synode nach Trient. Es sei
die Verlegung rechtmäßig erfolgt. Die Minderheit müsse dem mehrheitlich
beschlossenen Auszug aus Trient zuerst Folge leisten, bevor man über
eine Rückverlegung überhaupt verhandeln könne. In dieser Sache hatte
sich nichts verändert, als die Kardinäle nach dem Tode Papst Paul
III. am 29.11. 1549 zur Neuwahl zusammentraten. Das überlange Konklave
war durch die Gegnerschaft von Habsburg und Frankreich bedingt, die
nicht zuletzt auch über die Frage um eine Fortsetzung des Konzils
uneins waren. Entgegen der zuvor unterzeichneten Wahlkapitulation,
die eine Fortsetzung des in Rom seit langem üblichen Nepotismus unterbinden
wollte, förderte der neugewählte Papst seine Verwandten recht großzügig
(vgl. im einzelnen Pastor 6, 51-58 u.ö.). Ein noch größeres Ärgernis
aber bot er seinen Zeitgenossen durch die bedenkenlose Bevorzugung
und Förderung eines jungen Knaben, den er als Kardinallegat buchstäblich
von der Straße aufgelesen und zu seinem Affenwärter gemacht hatte.
Zum Papst gewählt holte Julius den inzwischen Siebzehnjährigen gegen
alle Warnungen wohlmeinender Freunde an den päpstlichen Hof, machte
den völlig Ungebildeten zum Kardinal, überhäufte ihn mit einträglichen
Pfründen und übertrug ihm schließlich sogar das Staatssekretariat.
Bald nach seinem Regierungsantritt verfügte Julius III. die Rückkehr
des Konzils nach Trient. Diese zweite Tagungsperiode 1551/52 wurde
von Frankreich boykottiert. Auch wiederholte Vermittlungsbemühungen
des Papstes konnten die fortdauernden Spannungen zwischen Karl V.
und König Heinrich II. von Frankreich nicht überbrücken. So waren
die Teilnehmer des Konzils in der Mehrheit Italiener und Spanier,
erstmals aber auch deutsche Bischöfe, unter ihnen die Erzbischöfe
und Kurfürsten von Mainz, Trier und Köln. Im Oktober und November
1551 trafen sogar Vertreter der deutschen Protestanten in Trient ein:
aus Württemberg und Straßburg, aus den Kur-staaten Sachsen und Brandenburg. Ihre Bedingung aber, die in der ersten Tagungsperiode
verabschiedeten Kanones und Dekrete unter Zugrundelegung des protestantischen
Schriftprinzips erneut zu verhandeln, alle Bischöfe vom Treueid gegen
den Papst zu entbinden und den Papst grundsätzlich dem Konzil zu unterstellen,
war nach dem Selbstverständnis der Konzilsväter unannehmbar. Als wenig
später die Nachricht über die deutsche Fürstenverschwörung, angeführt
von Moritz von Sachsen und unterstützt von Frankreich, die Heimkehr
der Deutschen erzwang, beschloß das Konzil am 28. April 1552 die Suspension.
Der Papst, der die Wiedereröffnung des Konzils ohnehin nur halbherzig
betrieben hatte, war zufrieden. Immerhin hat sich Julius III. aber
in der Folgezeit der innerkirchlichen Reform nicht verschlossen. Einige
zukunftsträchtige Entscheidungen rechtfertigen das Urteil: mit dem
Pontifikat Julius III. ging das leidige Renaissancepapsttum zu Ende,
und der Weg für ein Reformpapsttum wurde eingeleitet. So beauftragte
er gleich nach Suspension des Tridentinum eine Kardinalsdeputation,
die auf dem Konzil erarbeiteten Reformvorschläge, die ja noch keine
Gesetzeskraft erlangt hatten, für eine Reformbulle zusammenzustellen,
welche freilich nicht mehr publiziert wurde. Auf diese Vorarbeiten
konnte man aber zurückgreifen. - Für die deutschsprachigen Länder
waren bedeutsam die Erhebung des Dillinger »Collegium ecclesiasticum
Sancti Hieronymi« zur Universität 1551 und die Gründung des Collegium
Germanicum in Rom im darauffolgenden Jahr. Beide Anstalten sollten
durch die Heranbildung fähiger Kleriker hohe Bedeutung für die innerkirchliche
Reform im Reich erlangen. Entscheidenden Anteil an dieser Entwicklung
hatte der neugegründete Jesuitenorden, dem Julius III. stets seine
besondere Gunst zugewandt hat. Nicht unmittelbar beteiligt war Julius
III. am größten Erfolg seiner Regierungszeit, an der katholischen
Restauration in England, wo 1553 Maria die Katholische, Tochter Heinrichs
VIII. aus seiner ersten Ehe mit Katharina von Aragón, an die Macht
kam. Als diese im darauffolgenden Jahr Philipp II. von Spanien heiratete,
verzichtete Rom förmlich auf eine Rückgabe des unter Heinrich VIII.
und Eduard VI. entfremdeten Kirchengutes und schuf so die Voraussetzung
für den Wiederanschluß Englands an die katholische Kirche. Die Entwicklung
sollte freilich nach dem Tode Marias und dem Regierungsantritt Elisabeth
I. 1558 rückgängig gemacht werden. Julius III. hat dies nicht mehr
erlebt. Er starb am 23.3. 1555.
Lit.: Ludwig von Pastor, Geschichte der Päpste seit dem
Ausgang des Mittelalters, 22 Bde, Freiburg 10-121928, bes.
Bd 6; - Karl Erdmann, Die Wiedereröffnung des Trienter Konzils
durch Julius III., in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven
und Bibliotheken 20 (1928/29) 238-317; - Hubert Jedin, Kirchenreform
und Konzilsgedanke 1550-1559, in: Historisches Jahrbuch der Görresgesellschaft
54 (1934) 401-434; - ders., Kirche des Glaubens - Kirche der Geschichte,
Bd 2, Freiburg 1966, 237-263; - ders., Analekten zur Reformtätigkeit
der Päpste Julius' III. und Pauls IV. 3. Vorschläge und Entwürfe zur
Kardinalsreform, in: Römische Quartalschrift 42 (1934) 305-332 und
43 (1935) 87-128; - Franz Xaver Seppelt, Das Papsttum im Kampf
mit Staatsabsolutismus und Aufklärung. Von Paul III. bis zur Französischen
Revolution, neu bearbeitet von Georg Schwaiger (= Geschichte der Päpste
von den Anfängen bis zur Mitte des 20. Jahrhanderts 5) München 21959;
- Gerhard Müller, Die Kandidatur Giovanni Salviatis im Konklave
1549-50, in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und
Bibliotheken 42/43 (1963) 435-452; - Heinrich Lutz, Christianitas
afflicta. Europa, das Reich und die päpstliche Politik im Niedergang
der Hegemonie Kaiser Karls V. (1552-1556), Göttingen 1964; - Hubert
Jedin, Geschichte des Konzils von Trient, Bd III: Bologneser Tagung
(1547/48) - Zweite Trienter Tagungsperiode (1551/52), Freiburg 1970;
- Olivier de la Brosse, Joseph Lecler und Charles Lefebvre, Lateran
V und Trient, 2 Bde, Mainz 1978; - F.J. Baumgartner, Henry II
and the papal conclave of 1549, in: 16th century journal 16 (1985)
301-314; - Klaus Ganzer, Julius III., Papst (1550-1555), in: TRE
17 (1988) 445-447
Herbert Immenkötter
Literaturergänzung:
Thomas F. Mayer ; Peter E. Starenko, An unknown diary of Lulius III's conclave by Bartolomeo Stella, a servant of Cardinal Pole, in: AHC 24.1992, S. 345-375.