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Band III (1992) Spalten 815-818 Autor: Herbert Immenkötter

JULIUS III., Papst (1550-1555). Kardinal Giovanni Maria del Monte wurde am 7. Februar 1550 nach einem über zwei Monate dauernden Konklave zum Papst gewählt und nannte sich Julius III. - in dankbarer Erinnerung an Julius II., in dessen Pontifikat er selbst einst seine Karriere als päpstlicher Kammerherr begonnen und sein Onkel und großer Förderer Antonio del Monte die Kardinalswürde erhalten hatte. Der neue Papst war Römer, geboren am 10. Sept. 1487. Seine steile geistliche Karriere verdankte er seinem Onkel, der ihn zunächst kirchliche und weltliche Rechtswissenschaften in Perugia und Siena studieren ließ, ihn dann in der römischen Kurie einführte und ihn schließlich zu seinem Nachfolger als Erzbischof von Siponto machte. Da war Giovanni Maria del Monte eben 26 Jahre alt. In den folgenden Jahren bekleidete er einflußreiche Stellungen an der Kurie und im Kirchenstaat, bevor Papst Paul III. den Kurialjuristen und Verwaltungsfachmann am 22.12. 1536 ins Kardinalskollegium berief. Es waren seine juristischen und organisatorischen Fähigkeiten, die ihn auch für den Posten eines von drei päpstlichen Konzilslegaten für die erste Tagungsperiode des am 13.12. 1545 endlich in Trient zusammentretenden allgemeinen Konzils empfahlen. Als rangältester Kardinal leitete er das Konzilspräsidium zusammen mit dem hochgelehrten Marcello Cervini (der als Papst Marcellus II. sein Nachfolger werden sollte, dies allerdings nur für 21 Tage bis zu dessen frühem Tod am 1.5. 1555) und Reginald Pole, der als Gegner Heinrich VIII. aus England geflohen war. Im Auftrage des Papstes und in erster Linie diesem persönlich verpflichtet war der Konzilspräsident del Monte heimlicher Gegner des Kaisers und dessen Konzilsplänen. Karl V. hoffte noch immer, die deutschen Protestanten zur Teilnahme am allgemeinen Konzil bewegen zu können und hätte lieber gesehen, wenn bis zu deren Erscheinen ausschließlich Disziplin- und Reformfragen Gegenstand der Verhandlungen geblieben wären. Die gleichzeitige Diskussion von Glaubenslehre und Kirchenreform erschwerte nach seiner Überzeugung die Aussichten, die Kirchenspaltung im Reich rückgängig zu machen. Im übrigen war die Verhandlungsführung auf dem Konzil der kaiserlichen Partei nicht gewogen. Am wenigsten aber konnte sich der Kaiserhof mit der voreiligen Verlegung des Konzils aus Trient, damals Stadt des Reiches, in die zweitgrößte Stadt des Kirchenstaates, nach Bologna abfinden. Die dem Kaiser verbundene Konzilsminderheit widersetzte sich denn auch dem Beschluß und verblieb in Trient. Schließlich widerriet del Monte einer Rückkehr der Synode nach Trient. Es sei die Verlegung rechtmäßig erfolgt. Die Minderheit müsse dem mehrheitlich beschlossenen Auszug aus Trient zuerst Folge leisten, bevor man über eine Rückverlegung überhaupt verhandeln könne. In dieser Sache hatte sich nichts verändert, als die Kardinäle nach dem Tode Papst Paul III. am 29.11. 1549 zur Neuwahl zusammentraten. Das überlange Konklave war durch die Gegnerschaft von Habsburg und Frankreich bedingt, die nicht zuletzt auch über die Frage um eine Fortsetzung des Konzils uneins waren. Entgegen der zuvor unterzeichneten Wahlkapitulation, die eine Fortsetzung des in Rom seit langem üblichen Nepotismus unterbinden wollte, förderte der neugewählte Papst seine Verwandten recht großzügig (vgl. im einzelnen Pastor 6, 51-58 u.ö.). Ein noch größeres Ärgernis aber bot er seinen Zeitgenossen durch die bedenkenlose Bevorzugung und Förderung eines jungen Knaben, den er als Kardinallegat buchstäblich von der Straße aufgelesen und zu seinem Affenwärter gemacht hatte. Zum Papst gewählt holte Julius den inzwischen Siebzehnjährigen gegen alle Warnungen wohlmeinender Freunde an den päpstlichen Hof, machte den völlig Ungebildeten zum Kardinal, überhäufte ihn mit einträglichen Pfründen und übertrug ihm schließlich sogar das Staatssekretariat. Bald nach seinem Regierungsantritt verfügte Julius III. die Rückkehr des Konzils nach Trient. Diese zweite Tagungsperiode 1551/52 wurde von Frankreich boykottiert. Auch wiederholte Vermittlungsbemühungen des Papstes konnten die fortdauernden Spannungen zwischen Karl V. und König Heinrich II. von Frankreich nicht überbrücken. So waren die Teilnehmer des Konzils in der Mehrheit Italiener und Spanier, erstmals aber auch deutsche Bischöfe, unter ihnen die Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz, Trier und Köln. Im Oktober und November 1551 trafen sogar Vertreter der deutschen Protestanten in Trient ein: aus Württemberg und Straßburg, aus den Kur-staaten Sachsen und Brandenburg. Ihre Bedingung aber, die in der ersten Tagungsperiode verabschiedeten Kanones und Dekrete unter Zugrundelegung des protestantischen Schriftprinzips erneut zu verhandeln, alle Bischöfe vom Treueid gegen den Papst zu entbinden und den Papst grundsätzlich dem Konzil zu unterstellen, war nach dem Selbstverständnis der Konzilsväter unannehmbar. Als wenig später die Nachricht über die deutsche Fürstenverschwörung, angeführt von Moritz von Sachsen und unterstützt von Frankreich, die Heimkehr der Deutschen erzwang, beschloß das Konzil am 28. April 1552 die Suspension. Der Papst, der die Wiedereröffnung des Konzils ohnehin nur halbherzig betrieben hatte, war zufrieden. Immerhin hat sich Julius III. aber in der Folgezeit der innerkirchlichen Reform nicht verschlossen. Einige zukunftsträchtige Entscheidungen rechtfertigen das Urteil: mit dem Pontifikat Julius III. ging das leidige Renaissancepapsttum zu Ende, und der Weg für ein Reformpapsttum wurde eingeleitet. So beauftragte er gleich nach Suspension des Tridentinum eine Kardinalsdeputation, die auf dem Konzil erarbeiteten Reformvorschläge, die ja noch keine Gesetzeskraft erlangt hatten, für eine Reformbulle zusammenzustellen, welche freilich nicht mehr publiziert wurde. Auf diese Vorarbeiten konnte man aber zurückgreifen. - Für die deutschsprachigen Länder waren bedeutsam die Erhebung des Dillinger »Collegium ecclesiasticum Sancti Hieronymi« zur Universität 1551 und die Gründung des Collegium Germanicum in Rom im darauffolgenden Jahr. Beide Anstalten sollten durch die Heranbildung fähiger Kleriker hohe Bedeutung für die innerkirchliche Reform im Reich erlangen. Entscheidenden Anteil an dieser Entwicklung hatte der neugegründete Jesuitenorden, dem Julius III. stets seine besondere Gunst zugewandt hat. Nicht unmittelbar beteiligt war Julius III. am größten Erfolg seiner Regierungszeit, an der katholischen Restauration in England, wo 1553 Maria die Katholische, Tochter Heinrichs VIII. aus seiner ersten Ehe mit Katharina von Aragón, an die Macht kam. Als diese im darauffolgenden Jahr Philipp II. von Spanien heiratete, verzichtete Rom förmlich auf eine Rückgabe des unter Heinrich VIII. und Eduard VI. entfremdeten Kirchengutes und schuf so die Voraussetzung für den Wiederanschluß Englands an die katholische Kirche. Die Entwicklung sollte freilich nach dem Tode Marias und dem Regierungsantritt Elisabeth I. 1558 rückgängig gemacht werden. Julius III. hat dies nicht mehr erlebt. Er starb am 23.3. 1555.

Lit.: Ludwig von Pastor, Geschichte der Päpste seit dem Ausgang des Mittelalters, 22 Bde, Freiburg 10-121928, bes. Bd 6; - Karl Erdmann, Die Wiedereröffnung des Trienter Konzils durch Julius III., in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 20 (1928/29) 238-317; - Hubert Jedin, Kirchenreform und Konzilsgedanke 1550-1559, in: Historisches Jahrbuch der Görresgesellschaft 54 (1934) 401-434; - ders., Kirche des Glaubens - Kirche der Geschichte, Bd 2, Freiburg 1966, 237-263; - ders., Analekten zur Reformtätigkeit der Päpste Julius' III. und Pauls IV. 3. Vorschläge und Entwürfe zur Kardinalsreform, in: Römische Quartalschrift 42 (1934) 305-332 und 43 (1935) 87-128; - Franz Xaver Seppelt, Das Papsttum im Kampf mit Staatsabsolutismus und Aufklärung. Von Paul III. bis zur Französischen Revolution, neu bearbeitet von Georg Schwaiger (= Geschichte der Päpste von den Anfängen bis zur Mitte des 20. Jahrhanderts 5) München 21959; - Gerhard Müller, Die Kandidatur Giovanni Salviatis im Konklave 1549-50, in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 42/43 (1963) 435-452; - Heinrich Lutz, Christianitas afflicta. Europa, das Reich und die päpstliche Politik im Niedergang der Hegemonie Kaiser Karls V. (1552-1556), Göttingen 1964; - Hubert Jedin, Geschichte des Konzils von Trient, Bd III: Bologneser Tagung (1547/48) - Zweite Trienter Tagungsperiode (1551/52), Freiburg 1970; - Olivier de la Brosse, Joseph Lecler und Charles Lefebvre, Lateran V und Trient, 2 Bde, Mainz 1978; - F.J. Baumgartner, Henry II and the papal conclave of 1549, in: 16th century journal 16 (1985) 301-314; - Klaus Ganzer, Julius III., Papst (1550-1555), in: TRE 17 (1988) 445-447

Herbert Immenkötter

Literaturergänzung:

Thomas F. Mayer ; Peter E. Starenko, An unknown diary of Lulius III's conclave by Bartolomeo Stella, a servant of Cardinal Pole, in: AHC 24.1992, S. 345-375.

Letzte Änderung: 07.09.2008