JUSTINA (gestorben wahrscheinlich 388), Tochter eines hohen Reichsbeamten
aus dem Senatorenstand; sehr jung in erster Ehe mit dem Usurpartor
Magnentius, in zweiter (seit 370) mit Kaiser Valentinian I. verheiratet,
Stiefmutter Kaiser Gratians, Mutter Kaiser Valentinians II. (375-392)
und der Galla, die Kaiser Theodosius I. heiratete (387). - J.
galt als Schönheit (Valentinian I. habe sich ihretwegen scheiden lassen).
Sie lebte längere Zeit in Sirmium, hielt sich aber bis zum Tode Gratians
(383) politisch zurück. Danach hat sie in Mailand ihren Einfluß vor
allem kirchenpolitisch geltend gemacht, indem sie die Arianer (eine
im Sinne der katholischen Kirche haeretische Gruppierung) massiv unterstützte
und gegen den heftigen Widerstand des Bischofs Ambrosius die Gleichberechtigung
der verschiedenen christlichen Bekenntnisse durchzusetzten versuchte,
obwohl im Westen des Römischen Reiches das Nicaenum allgemein anerkannt
war. Sie blieb erfolglos (Mailänder Kirchenstreit 385/6). 387 floh
sie mit ihrem Sohn vor dem Usurpator Maximus nach Thessaloniki, wo
sie Theodosius bewog, Maximus den Krieg zu erklären und Valentinian
II. in seine Herrschaft zurückzuführen.
Lit.: A. H. M. Jones u.a.: The Prosopographie of the Later
Roman Empire I., Cambridge 1971; - Hans v. Camphausen: Ambrosius
von Mailand als Kirchenpolitiker, Berlin/Leipzig 1929; - Homes
Dudden: The Life and Times of St. Ambrose, Oxford 1935; - Michael
Meslin: Les ariens d'occident (335-430), Paris 1967; - Gunther
Gottlieb: Der Mailänder Kirchenstreit von 385/6 (Mus. Helv. 42 [1985],
37-55); - RE X 2, Sp. 1337 f.; - Der kleine Pauly III, Sp
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