JOHANNES XVI., Gegenpapst, eigentlicher Name Johannes Philagathos,
* in Rossano/Kalabrien, + wahrscheinlich am 26.8. 1001 in Rom.
- Nach seiner Ernennung durch Otto II. zum Kanzler von Italien
(980) und zum Abt von Noantola (982) wurde der Grieche J. 987 auf
Betreiben der Kaiserin Theophanu Lehrer des siebenjährigen Otto III.
988 wurde ihm das Bistum von Piacenza anvertraut, das gleichzeitig
allein wegen ihm zum Erzbistum erhoben wurde. 991 erneut zum Kanzler
von Italien ernannt, wurde J. 994 als Sonderbotschafter nach Byzanz
entsandt, um dort die Vermählung Ottos III. mit einer byzantinischen
Prinzessin herbeizuführen. Währenddessen hatte in Rom Johannes Crescentius
den von Otto III. eingesetzten Gregor V. aus der Stadt verjagt, als
er seine Machtposition gegenüber dem Kaiser durch dessen Abzug aus
Italien nicht mehr gefährdet sah. Bei seiner Rückkehr wurde J. von
Johannes Crescentius mit aktiver byzantinischer Unterstützung als
J. XVI. inthronisiert. Das Episkopat der Westkirche exkommunizierte
daraufhin den Gegenpapst des Gregor V. Im Februar 998 zog Otto III.
in Rom ein. J. wurde ergriffen, geblendet, verstümmelt und einem römischen
Kloster übergeben. Dort soll er noch über drei Jahre gelebt haben.
Die Zustimmung J.s zu seiner Aufstellung als Gegenpapst des Gregor
V. kann entweder als gröbste Fehleinschätzung der politischen Situation
und der tatsächlichen Machtverhältnisse zwischen römischem Adel und
deutschem Kaisertum angesehen werden, oder als Zeugnis des klaren
und willentlichen Bestrebens des Griechen J., den byzantinischen Machteinfluß
in Rom gegenüber dem deutschen Kaisertum, das mit Gregor V. dem ersten
deutschen Papst des Mittelalters zur Macht verholfen hatte, zu erweitern.
Lit.: Sakkelion (Hrsg.), 9 griech. Briefe des Leo, Gesandten
des Basilius' II. Bulgaroktonos an Otto III., über J.s Schicksal,
in: Soter 15 (1892), 217 ff.; - P. E. Schramm, Kaiser Basilius
und Papst in der Zeit der Ottonen, in: HZ 129 (1924), 424-475; -
Ders., Neun Briefe des Byzantinischen Gesandten Leon, in: ByZ 25 (1925),
89-105; - F. X. Seppelt/K. Löffler, Papstgesch., München 1938,
92; - K. u. M. Uhlirz, Jahrbücher des dt. Reiches: Otto III.,
Berlin 1954; - T. de Luca, Giovanni Filigato, Almanacco Calabrese,
Rom 1955, 81-92; - H. Jedin (Hrsg.), Handb. der Kirchengesch.,
Bd. III, Freiburg i. Br. u. a. 1966, 241 f.; - H. Zimmermann,
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(Hrsg.), Handb. der europ. Gesch., Bd. 1, Stuttgart u. a. 1976, 703
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- M. Greschat (Hrsg.), Das Papsttum, Bd. 1, Stuttgart u. a. 1985,
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152 f.; - Haller II, 220; - Jaffé I, 495 f.; - Seppelt
II, 388 f.; - Catholicisme VI, 486; - DThC VII, 629; -
LThK 2V, 991 f.; - RE XVI, 265; - RGG 3III,
810; - Wetzer-Welte VI, 1580.