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Band III (1992) Spalten 214-215 Autor: Michael Tilly

JOHANNES XVI., Gegenpapst, eigentlicher Name Johannes Philagathos, * in Rossano/Kalabrien, + wahrscheinlich am 26.8. 1001 in Rom. - Nach seiner Ernennung durch Otto II. zum Kanzler von Italien (980) und zum Abt von Noantola (982) wurde der Grieche J. 987 auf Betreiben der Kaiserin Theophanu Lehrer des siebenjährigen Otto III. 988 wurde ihm das Bistum von Piacenza anvertraut, das gleichzeitig allein wegen ihm zum Erzbistum erhoben wurde. 991 erneut zum Kanzler von Italien ernannt, wurde J. 994 als Sonderbotschafter nach Byzanz entsandt, um dort die Vermählung Ottos III. mit einer byzantinischen Prinzessin herbeizuführen. Währenddessen hatte in Rom Johannes Crescentius den von Otto III. eingesetzten Gregor V. aus der Stadt verjagt, als er seine Machtposition gegenüber dem Kaiser durch dessen Abzug aus Italien nicht mehr gefährdet sah. Bei seiner Rückkehr wurde J. von Johannes Crescentius mit aktiver byzantinischer Unterstützung als J. XVI. inthronisiert. Das Episkopat der Westkirche exkommunizierte daraufhin den Gegenpapst des Gregor V. Im Februar 998 zog Otto III. in Rom ein. J. wurde ergriffen, geblendet, verstümmelt und einem römischen Kloster übergeben. Dort soll er noch über drei Jahre gelebt haben. Die Zustimmung J.s zu seiner Aufstellung als Gegenpapst des Gregor V. kann entweder als gröbste Fehleinschätzung der politischen Situation und der tatsächlichen Machtverhältnisse zwischen römischem Adel und deutschem Kaisertum angesehen werden, oder als Zeugnis des klaren und willentlichen Bestrebens des Griechen J., den byzantinischen Machteinfluß in Rom gegenüber dem deutschen Kaisertum, das mit Gregor V. dem ersten deutschen Papst des Mittelalters zur Macht verholfen hatte, zu erweitern.

Lit.: Sakkelion (Hrsg.), 9 griech. Briefe des Leo, Gesandten des Basilius' II. Bulgaroktonos an Otto III., über J.s Schicksal, in: Soter 15 (1892), 217 ff.; - P. E. Schramm, Kaiser Basilius und Papst in der Zeit der Ottonen, in: HZ 129 (1924), 424-475; - Ders., Neun Briefe des Byzantinischen Gesandten Leon, in: ByZ 25 (1925), 89-105; - F. X. Seppelt/K. Löffler, Papstgesch., München 1938, 92; - K. u. M. Uhlirz, Jahrbücher des dt. Reiches: Otto III., Berlin 1954; - T. de Luca, Giovanni Filigato, Almanacco Calabrese, Rom 1955, 81-92; - H. Jedin (Hrsg.), Handb. der Kirchengesch., Bd. III, Freiburg i. Br. u. a. 1966, 241 f.; - H. Zimmermann, Papstabsetzungen des MA.s, Graz u.a. 1969, 105-113; - T. Schieder (Hrsg.), Handb. der europ. Gesch., Bd. 1, Stuttgart u. a. 1976, 703 f., 1045; - B. Moser (Hrsg.), Das Papsttum, München 1983, 389; - M. Greschat (Hrsg.), Das Papsttum, Bd. 1, Stuttgart u. a. 1985, 135; - J. N. D. Kelly, Reclams Lex. der Päpste, Stuttgart 1988, 152 f.; - Haller II, 220; - Jaffé I, 495 f.; - Seppelt II, 388 f.; - Catholicisme VI, 486; - DThC VII, 629; - LThK 2V, 991 f.; - RE XVI, 265; - RGG 3III, 810; - Wetzer-Welte VI, 1580.

Michael Tilly

Letzte Änderung: 29.12.2009