JOSEPH von Leonessa, * 8. Januar 1556 in Leonessa (Sabina) in der umbrischen Adelsfamilie Desideri, + 4. Februar 1612 im Amatrice. Bei der Taufe erhielt er den Namen Eufranio. Seine frühe Ausbildung und Erziehung lag in den Händen seines Onkels Battista in Viterbo. Nach seiner Rückkehr nach Leonessa faßte er, achtzehnjährig, den Entschluß, in den Kapuzinerorden einzutreten. Dies stieß zwar auf den Widerstand seiner Familie, die für ihn durch Heirat eine politische Karriere geplant hatte. Doch sein Entschluß stand fest. Im Orden nahm er den Namen Joseph an. Im Jahre 1581 wurde J. zum Predigerdienst bestimmt, und 1587 schickten ihn die Oberen als Missionar nach Konstantinopel. Dort wirkte er in den türkischen Gefängnissen und betreute die Gefangenen. Nachdem er den Versuch unternommen hatte, Sultan Murad III. zum christlichen Glauben zu bekehren, wurde der Kapuziner festgenommen, gefoltert, indem man ihn mit Haken durch Hand und Fuß aufhängte, und drei Tage später aus der Türkei ausgewiesen. Das ausgesprochene Todesurteil wurde nicht vollstreckt. Er kehrte nach Italien zurück, wo er ab 1589 in Venedig, vor allem aber beim Landvolk in Umbrien und in den Abruzzen als Verkündiger der Frohbotschaft und als Sozialapostel unermüdlich tätig war. Persönlich führte er ein ungewöhnliches Leben der Abtötung und war ausgezeichnet durch die Propheten- und Wundergabe. An Krebs erkrankt, mußte er mehrmals operiert werden, wobei er nur ein Kruzifix in den Händen hielt. Mit bewundernswerter Geduld und in Würde nahm er sein Leiden an. Sein Grab befindet sich in Leonessa. Im Jahre 1737 seliggesprochen, sprach ihn Papst Benedikt XIV. im Jahre 1746 heilig.
Gedruckte Werke: Predigt zur Osteroktav, in: Analecta Ordinis Minorum Capuccinorum 13 (1897), 122-128, 154-158; Predigt zum Fest Mariä Geburt, in: ebd. 281-286, ferner in: Eco di S. Francesco 25 (1897), 426-434; Predigt über den hl. Joseph, in: ebd. 111-126; vier Briefe, in: Analecta Ordinis Minorum Capuccinorum 13 (1897), 55-63, und Miscellanea Franciscana 9 (1902), 10-12; zwei Gedichte und ein Gebet, vgl. Collectanea Franciscana 18 (1948), 270-272.
Lit.: Edoardo d'Allençon, Puncta in causa beatificationis et canonizationis S. Iosephi a Leonessa - Auctores qui de S. Iosepho a Leonessa scripserunt, in: Analecta Ordinis Minorum Capuccinorum 30 (1914), 277-280, 329-333; - Ilario da Teano, S. Giuseppe da Leonessa, Turin 1935; - Francesco da Vicenza, La Carcerelle e i primi Capuccini in Assisi, in: Collectanea Franciscana 5 (1935), 254f.; - Bonaventura da Mehr, Inventario dei Mss. di S. Giuseppe da Leonessa, in: Collectanea Franciscana 18 (1948), 259-272; - Lexicon Capuccinum Promptuarium Historico-Bibliographicum (1525-1950), Rom 1951, 865ff.; - A. Butler, The Lives of the Saints, durchgesehene Ausg. von H. Thurnston und D. Attwater, I, New York 1956, 253f.; - Maurizio da Cartosio, S. Giuseppe da Leonessa, predicatore e apostolo sociale (Dissertation, Gregoriana, Rom 1958) mit ausführlicher Bibliographie: Quellen, Werke, Literatur; - C. da Langasco, in: Bibliotheca Sanctorum, 12 Bde, Rom 1961-1970, VI, 1305-1307; - ECatt VI, 814f.; - LThK 2V, 1128; - Encyclopedic Dictionary of Religion, Philadelphia-Washington, D.C. 1979, 1934.