KAIRIS, Theophilos (Taufname Thomas), griech. Häretiker und Aufklärer,
* 19.10. 1784 auf der Kykladeninsel Andros als Sohn einer vornehmen
Familie, † 9.1. 1853 im Gefängnis der Insel Syros. - Nach
seiner Mönchsweihe 1801 studierte K. in Pisa und Paris Naturwissenschaften
und besonders Philosophie. Ab 1811 leitete er griech. Oberschulen
in Kleinasien und beteiligte sich aktiv (1819-1826) am griech. Befreiungskrieg.
Ab 1826 widmete sich K. einer von ihm gegründeten Waisenanstalt auf
seiner Heimatinsel und baute diese zum geistigen Zentrum auf. Er vertrat
in seiner Lehre einen »Theosebie« genannten Deismus mit eigenem Kultsystem
wie auch Kalender. Trotz schwerer Repressalien seitens der Kirche
und des Staates weigerte er sich, ein orth. Glaubensbekenntnis abzulegen
bzw. seinen Ansichten abzuschwören. Er starb 10 Tage vor seiner gerichtlichen
Rehabilitierung. - Die Bedeutung von K. liegt weniger in der Originalität
seiner Lehre, worin sich inhaltsarmer Mystizismus mit Aufklärung vermischen,
als in der Anziehungskraft und sozialen Wirkung seiner integren Person.
Auch wenn seine Tätigkeit s.Z. in Griechenland als Umsturz anmutete,
war K. kein Revolutionär, sondern aufgeklärter eigenwilliger Lehrer.
Werke: (Alle neugriech.) Das Verhalten des Cottesfürchtigen
Menschen, o.J. - o.O.; Rede anläßlich des Schuljahresendes, Hermupolis
1839; Gnostik, oder knappe Darstellung der Menschlichen Erkenntnis,
Athen 1849; Zusammenfassung der theosebischen Lehre und Moral, London
1852; Gebete und Sakralgesänge der Gottesfürchtigen, London 1852;
Kosmosophie oder das katholische Solidarische, Brüssel 1856; Die Astronomie
des K., Thessaloniki 1989.
Lit.: Demetrios Paschales, Theophilos Kairis (neugr.),
Athen 1928; - Maximiani Portas, Essai critique sur Théophile Kairis,
Thése Lyon, 1931; - Giannes Karas (Hrsg.), Theophilos Kairis (Symposiumsakten),
Athen 1988.
Georgios Makris
Letzte Änderung: 06.11.2011