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Band III (1992) Spalten 963-964 Autor: Siegfried Kreuzer

KALEB. - Der Name K. bedeutet Hund, was hier wahrscheinlich nicht abschätzig gemeint ist, sondern eher Anhänglichkeit und Treue bezeichnet. K., der Sohn Jefunnes, kommt im Altes Testament erstmals in der Kundschaftergeschichte vor (Num 13 f.). Er ist einer der zwölf Spione, die Mose von Süden aus nach Kanaan schickt. Bei deren Rückkehr sind es nur Josua, der Diener des Mose, und K., die darauf vertrauen, daß das verheißene Land trotz der Größe und Macht der Kanaanäer und ihrer Städte mit Gottes Hilfe eingenommen werden kann. Als Strafe für das fehlende Vertrauen auf Jahwe, den Gott Israel, wird die 40jährige Wüstenwanderung verhängt, so daß erst die nächste Generation ins Land kommen wird. Nur (Josua und) K. ist es gegönnt, selber ins verheißene Land zu kommen, »weil ein anderer Geist in ihm ist und er mir (Jahwe) treu nachgefolgt ist« (Num 14,24 vgl. Dtn 1,36; Jos 14,9). Entsprechend begegnet K. wieder in den Erzählungen von der Eroberung und Verteilung des Landes. K. erhält das Gebiet von Hebron im judäischen Bergland, durch das er einst gezogen war, und er vertreibt (mit seiner Sippe) die Anakiter (Jos 14,6-15; 15,13-19). Die Einzelheiten in diesen Erzählungen und die Genealogien (Jos 15; 1. Chr 2.4) zeigen, daß die Erzählungen von K. Stammesgeschichten der K.-Sippe(n) sind und daß diese in Hebron und seiner Umgebung beheimatet waren. Daß das Gebiet der Kalebiter sich in den Süden erstreckte, bzw. daß sie aus dem Süden kamen, zeigt auch die geographische Bezeichnung »Negev der Kalebiter« (1. Sam 30,14). Die K.-Sippe, die ihre Zusammengehörigkeit durch den Ahnherrn K. definierte, war somit wohl ursprünglich eine (halb-) nomadische Gruppe im Negev, die von Süden ins Kulturland kam und um und in Hebron seßhaft wurde. In weiterer Folge wurde sie in das sich im Lauf des 11. Jahrhunderts vor Christi herausbildende Groß-Juda integriert. Das zeigt sich an den genealogischen Verknüpfungen mit Juda, deren Uneinheitlichkeit wahrscheinlich verschiedene Stadien der Integration widerspiegelt (Jos 15; 1. Chr 2), während die Angaben über die Nachkommen K.s innerkalebitische Verhältnisse widerspiegeln (Jos 15,17-19; 1. Chr 2,18 ff.). Schließlich verweist die Bezeichnung von K.s Vater Jefunne als Kenasiter (Jos 14,6) und der Name von K.s Bruder Kenas (Jos 15,17) auf eine ursprüngliche Nähe der Kalebiter zu den Edomitern (vgl. Gen 36,11). Vielleicht kannten die Kalebiter, so wie es für die Edomiter wahrscheinlich ist, die Jahweverehrung. Dies könnte der historische Hintergrund für die Betonung von K.s Treue zu Jahwe sein und hätte sehr wohl auch die Aufnahme der Kalebiter in Juda bzw. Israel erleichtert. Jedenfalls legitimiert die Kundschaftergeschichte ausdrücklich K.s Landbesitz und Zugehörigkeit zu Israel (Jos 14,6-14; vgl. Sir 46,9-12).

Werke: Num 13; 14; 26,65; 32,12; 34,19; Dtn 1,36; Jos 14,15; 21,12; Ri 1; 3,9; 1 Sam 30,14; 1. Chr 2; 4,15; 6,41; Sir 46,9-12;

Lit.: Carl Steuernagel, Deuteronomium und Josua, HK.AT I/3, 1900; - Heinrich Holzinger, Das Buch Josua, KHC VI, 1901; Ders., Numeri, KHC IV, 1903; - Martin Noth, Überlieferungsgesch. des Pentateuch, 1948; - Ders., Josua, HAT I/7, 19713; - Ders., Das 4. Buch Mose. Numeri, ATD 7, 19773; Kurt Galling, Die Bücher Chronik, Esra, Nehemia, ATD 12, 1954; D. Winton Thomas, KELEBH 'dog': its origin and some usages of it in the Old Testament, VT 10, 1960, 410-427; - George W. Coats, Rebellion in the Wilderness. The Murmering Motif in the Wilderness Traditions of the Old Testament, 1968; - Ders., Conquest Traditions in the Wilderness Theme, JBL 95, 1976, 177-190; Volkmar Fritz, Israel in der Wüste, Marb. Theol. Stud. 7, 1970; - Roland de Vaux, Histoire ancienne d'Israel I, 1971; - J. Alberto Soggin, Joshua, OTL, 1972; - Walter Beltz, Die K.-traditionen im AT, BWANT 78, 1974; - J. H. Pace, The Caleb Traditions and the Role of the Calebites in the History of Israel, Diss. Emory, 1976; - Antonius H. J. Gunneweg, Gesch. Israels bis Bar Kochba, 19793; - Siegfried Herrmann, Gesch. Israels in at. Zeit, 19802; - Herbert Donner, Gesch. Israels und seiner Nachbarn in Grundzügen I, 1984; - Joachim Becker, 1 Chronik, NEB 18, 1986; - Lars Eric Axelsson, The Lord rose up from Seir. Studies in the History and Traditions of the Negev and Southern Juda, CB.OT 25, 1987; - Manfred Oeming, Das wahre Israel. Die »genealogische Vorhalle« 1 Chronik 1-9, BWANT, 1989.

Siegfried Kreuzer

Letzte Änderung: 29.12.2009