KALINOWSKI, Joseph (poln.: Józef), polnischer Karmelitenpater,
* 1.9. 1835 in Wilna (Litauen), † 15.11. 1907 in Wadowice bei
Krakau. - Aus dem von Rußland besetzten polnisch-litauischen Gebiet
stammend, trat K. in die zaristische Armee ein, wo er als Offizier
den Bau der Bahnstrecke von Kursk nach Odessa über Kiev leitete. Trotz
seiner Stellung im zaristischen Heer bleib K. polnischer Patriot.
Im Jahre 1863 beteiligte er sich an der Erhebung gegen Rußland. Er
wurde verhaftet, vor Gericht gestellt und zur Zwangsarbeit nach Sibirien
verbannt. Von dort kehrte er erst 1874 zurück, verließ jedoch die
Heimat und begab sich nach Paris. Dort wurde K. Erzieher des Fürsten
August Czartoryski, der später Salesianer Don Boscos wurde. K. selbst
folgte seiner Ordensberufung und trat 1877 in den Orden der Unbeschuhten
Karmeliten ein, wo er den Ordensnamen Raphael v. hl. Joseph erhielt.
Nach seiner Priesterweihe organisierte Pater Raphael OCD die polnische
Provinz der Unbeschuhten Karmeliten mit Klöstern im österreichischen
Gebiet Polens in Czerna, Krakau und Wadowice. Anläßlich seines zweiten
Pastoralbesuchs in Polen vollzog der aus Wadowice stammende Papst
Johannes Paul II. am 22.6. 1983 die Seligsprechung von Joseph Raphael
K. in Krakau.
Lit.: AAS 44 (1952), 750; - A. Mercati-A. Pelzer (Hrsg.),
Dizionario ecclesiastico, Turin 1953 ff., III, 423 (mit weiteren Lit.hinweisen);
- J. Galofaro, Al Carmelo attraverso la Siberia, Rom 1960; -
AAS 75 (1983), 984-992; - LThK 2V, 1261.