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Band III (1992) Spalten 992-999 Autor: Karen Engelken

KAMBYSES, Name von zwei altpersischen Königen, die sich griechisch Kαμβύσης, persisch Kambužiya, akkadisch kam-bu-zi-ja, elamisch kán-bu-zí-ja, hieroglyphisch [kmbjṯt] schreiben (vgl. Hinz: RLA, 328; Kent, 303).

KAMBYSES II. (Regierungszeit August 530 - Juli 522 v. Chr.), Enkel seines gleichnamigen Großvaters, Sohn des berühmten Kyros II. und der Kassandane (nach Herodot die Tochter des Achämeniden Pharnaspes, vgl. Prášek: AO, 4, nach Ktesias die des Mederkönigs Astyages, vgl. Lehmann-Haupt, 1812); zeitlich nach Kyros II. und vor Dareios I. Hystaspes (522-486) der zweite achämenidische Großkönig. Da wenig Originaldokumente aus K.'s Zeit überliefert sind (Kontrakttäfelchen aus Babylonien, zwei in dem Serapeum von Memphis entdeckte Apis-Stelen = Serapeum 354 u. 357, die sog. Vaticanische Stele s.u. zu Udjahorresnet, Behistuinschrift, vgl. Prášek, Leipzig 1897), ist man primär auf die griechischen Schriftsteller Ktesias (lebte seit 405 v. Chr. am Hof des Artaxerxes Mnemon, berühmt durch seine Persica) und Herodot (geb. ca. 480 v. Chr., s. seine Historien, Buch II und III, vgl. Pötscher) angewiesen (vgl. Donner, 395 ff). Als leibliche Geschwister K.'s gelten 1. Bardiya-Smerdis, 2. Atossa, 3. deren jüngere Schwester, ihr Name ist nach Ktesias Roxane, ob 4. Artystone von derselben Mutter wie K. abstammte, ist ungewiß. Durch die Eroberung Babyloniens und die Begründung des persischen Weltreichs ging K.'s Vater in die Geschichte ein. Er wurde von dem Exilspropheten Deuterojesaja als messianisches Werkzeug Jahwes angesehen und als Retter verkündet (vgl. Jes 44,28; 45,1; 47). Die jüdischen Exilierten sowie andere von den Babyloniern unterworfene Völker versprachen sich Erleichterung von der babylonischen Unterdrückung und die Möglichkeit zur Heimkehr. Tatsächlich begleiteten diesen Machtwechsel nicht wie gewöhnlich Deportationen und Hinrichtungen, sondern Kyros ordnete "eine weitgehende Restitution der verschiedenen alten Kulte und eine Repatriierung von Göttern und Kultgeräten der Länder Babyloniens und Sumers an (Kyroszylinder, vgl. ANET S. 315 f; TGI2 S. 82 ff)" (Gunneweg, 124). K. selbst wird im Alten Testament nicht erwähnt, auch nicht im Danielbuch als "Darius der Meder" (Dan 6,1; 9,1; vgl. Montgomery, 63-65; Goettsberger, 48f; Porteous, 70f). - K. begleitet seinen Vater auf dem Babylonienfeldzug und wird nach dem Sieg 538 v. Chr. von diesem am 27. März zum König von Babylonien ernannt (zu den Problemen bei der Zepterverleihung vgl. Hinz: RLA, 328). Nach nicht einmal einem Jahr, im Januar 537 v. Chr., gibt K. das Amt aus nicht überlieferten Gründen an den Vater zurück (Lehmann-Haupt, 1813, meint, K. habe sich in den Augen des Kyros als untauglich erwiesen, immerhin ist er aber nach dem Willen des Vaters Thronfolger, vgl. Prášek: AO, 3). K. behält seinen babylonischen Palast, das babylonische Königsamt bleibt jedoch in Personalunion mit dem persischen Königtum verknüpft, so daß K. erst nach dem Tode des Vaters (Juli 530 v. Chr.) das Achämenidenreich sowie Babylonien regiert. Einer elamitischen Sitte entsprechend (diese war den Persern damals noch fremd, vgl. Hinz: RLA, 329) heiratet K. seine beiden älteren Schwestern, zuerst Atossa (Hutausā), später nimmt er sich die mittlere, Roxane (Rauhsna), hinzu (vgl. Prášek: AO, 6f). Es versteht sich von selbst, daß K.'s Harem noch eine ganze Reihe weiterer Frauen unterschiedlichen Ranges umfaßte, genannt werden die ägyptische Prinzessin Nitetis, "die Tochter des von Amasis 569 v. Chr. entthronten Apries" (Herodot III,1, vgl. Lehmann-Haupt, 1814) und Phaidyme, die Tochter des Achämeniden Otanes (vgl. Prášek: ebd., 6). Dennoch hinterläßt K. keine Kinder. - K.'s Lebenswerk bestand in der Ausführung des vom Vater bereits geplanten Unternehmens, der Angliederung Ägyptens an das persische Großreich. Schon wenige Jahre nach Regierungsantritt bereitet K. einen umfangreichen Feldzug mit zahlreichen fremdvölkischen Hilfstruppen vor. Der Darstellung des Ktesias und der Behistun-Inschrift zufolge läßt K. vor seinem Aufbruch nach Ägypten seinen jüngeren Bruder Bardiya, der die östlichen Satrapien verwaltet, sicherheitshalber heimlich töten. Nach anderen Quellen erhob sich dieser während K.'s Abwesenheit und riß die Macht an sich. Ob dieser Bardiya mit dem Kyrossohn identisch war oder aber als "falscher Bardiya/Smerdis" zu entlarven bzw. mit dem aufständischen Magier Gaumata zu identifizieren ist, kann aufgrund der kontroversen Quellenlage kaum sicher entschieden werden (vgl. die ausführlichen Darlegungen bei Dandamaev, Persien, 108 ff). Begleitet von seiner jüngeren Schwester und Frau Roxane und seinem Lanzenträger Dareios zieht K. 525 v. Chr. gegen Ägypten. Durch arabische Beduinen der Sinaihalbinsel unterstützt und mit Wasser versorgt, schaffen die persischen Truppen den langen Weg durch die Wüste. In der Schlacht vor Pelusium, im Mai 525, schlägt K. den Nachfolger des Amasis, Psammetich III., entscheidend. Psammetich flieht nach Memphis, aber zwei Monate später ergibt sich die Hauptstadt, womit das Schicksal des tausendjährigen ägyptischen Reiches entschieden ist: ganz Ägypten kapituliert. Der Pharao wird gefangengenommen, freiwillig ergeben sich die Libyer und die Griechen der Kyrenaika, griechische Söldner des ägyptischen Oberhauptes gehen zu K. über, der ägyptische Flottenkommandant, Udjahorresnet (vgl. Spalinger), übergibt kampflos die Flotte und wird später Anhänger des K. Nach seinem Sieg kehrt K. drei Jahre lang nicht in die Heimat zurück. Am 29. Mai 525 wird er zum König von Ober- und Unterägypten ausgerufen und gilt als Begründer der neuen 27. Dynastie der ägyptischen Pharaonen. Er läßt sich ganz nach ägyptischem Zeremoniell zum Monarchen erheben, heiratet zur juridischen Legitimation seiner Herrschaft die ägyptische Königstochter Nitetis (s.o.), fördert die Verschwägerung der Herrscherhäuser und betreibt insgesamt ägyptenfreundliche Politik (vgl. Dandamaev, 105; Atkinson). Dabei setzt er die politischen Prinzipien seines Vaters fort, unterworfenen Völkern möglichst viele Freiheiten zu belassen. Während K. versucht (u. a. mit Hilfe von jüdischen Söldnern aus Elephantine), Nubien zu erobern (vgl. Krauss, 303; Bianchi, 943; Dandamaev, 107; Helck, 259, gegen Hinz: RLA, 329; der Feldzug scheitert), probt Psammetich den Aufstand. Nachrichten darüber veranlassen K., im Herbst 523 nach Ägypten zurückzukehren, die Revolte niederzuschlagen und den Pharao hinrichten zu lassen. Die restlichen Monate, die sich K. in Ägypten aufhält, sind bestimmt von einer "schonungslosen Unterdrückung [...], die vor allem die reichen Tempel gegen ihn aufbrachten" (Hinz: RLA, 329). Im April 522 erhält K. Meldung über die Usurpation des Magiers Gaumata in Persien. Mit der Absicht, diesen zu vertreiben, bricht er unverzüglich auf, nachdem er Ägypten zur Satrapie erklärt und diese Aryanders (vgl. De Meulenaere, 454) übergeben hat. Er stirbt aber im Juli 522 v. Chr. unterwegs auf der Reise nach Syrien, in der Nähe des heutigen Ḥamā , südlich von Aleppo, an Blutvergiftung (vgl. Prášek: AO, 27; Hinz: RLA, 329) oder Selbstmord (? vgl. Miller/Hayes, 450; Weißbach: VAB 3, S. 17, Anm. zu § 11). Damit ist die ältere Linie der Achämeniden beendet. Dareios, der der jüngeren achämenidischen Linie entstammt, wird K.'s Nachfolger. - Das K.-Bild wird in den Quellen der antiken Schriftsteller sehr stark von Polemik bestimmt und bedarf der Relativierung (vgl. Lehmann-Haupt, 1818 ff; Bianchi, 944; bes. Hofmann/Vorbichler). Was die Vorwürfe angeht, die gegen K. erhoben werden (Leichenschändung und -verbrennung, Wahnsinn, Mord an Teilnehmern einer Apis-Stier-Feier, Tötung des heiligen Apis-Stieres, Brudermord, Schwestermord, Alkoholmißbrauch, ungerechte Todesurteile gegen seine Diener, Verspottung des Götterbildes in Memphis und manches andere mehr), so sind sich die Quellen nur darin einig, daß K. des Brudermordes sowie der Verheimlichung dieser Tat schuldig ist. Während die Nachrichten über Brudermord und Vertuschung in Persien verbreitet wurden, dürften die anderen Anklagen nach der Theorie von Hofmann/Vorbichler, 104, von babylonischer Seite herrühren. Dabei handelt es sich um schablonenhafte Traditionen, die von Griechen übernommen und dem ägyptischen Milieu angepaßt wurden (vgl. ebd.). Traditionellerweise nimmt man an, die negative Einschätzung K.'s ginge von der ägyptischen Priesterschaft aus, deren Rechte und finanziellen Einkünfte K. stark beschnitten hat (vgl. Helck, 258; anders Hofmann/Vorbichler). Prášek: AO, 4, ist der Ansicht, daß mit den vorliegenden Tendenzromanen die Aufstände der Ägypter gegen die Perser hätten gerechtfertigt werden sollen. Daß dann die positive Würdigung der Bemühungen K.'s um den Tempel der Neith durch den ägyptischen Priester Udjahorresnet (zur Übersetzung der Inschrift Vaticanische Stele vgl. Otto, Inschriften, 169-173) ausschließlich zum eigenen Vorteil verfaßt wurde, muß nicht unbedingt stimmen (Prášek: AO, 16: "Diese Zeugenschaft eines in hoher Stellung lebenden Zeitgenossen [...] straft die tendenziösen Angaben des von Herodot verwerteten griechisch-ägyptischen Romans Lügen"). In jedem Fall drücken sich in den Untaten, die K. zugeschrieben werden, Ressentiments gegen die persische Despotie aus, von welcher Seite sie ursprünglich auch herrühren mögen (vgl. Otto, Ägypten, 241).

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Karen Engelken

Letzte Änderung: 29.12.2009