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Verlag Traugott Bautz
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KARL V., Kaiser, * 24.2. 1500 in Gent, † 21.9. 1558 in Yuste. Als erster Sohn des Herzogs von Burgund, Philipp I. des Schönen, seinerseits Sohn des 1519 verstorbenen Kaiser Maximilian I., und Johanna der Wahnsinnigen, dem dritten Kind Ferdinands von Aragon und Isabellas von Kastilien, war K. geradezu prädestiniert die Erbschaft über ein Reich anzutreten, in dem die Sonne nie untergehen sollte. Es umschloß Burgund, die Niederlanden, Österreich, Kastilien mit den dazugehörigen amerikanischen Besitzungen, Aragon mit Neapel und Sizilien, Sardinien sowie die Königreiche Navarra und Granada. - Nach dem Tod seines Vaters, Philipp des Schönen (25.9. 1506), wuchs K. elternlos mit seinen Schwestern Eleonore und Isabella am Hof seiner Tante Margarete, Regentin über die Niederlanden, in Mecheln auf. Den größten Einfluß auf den jungen K. übte dabei sein Lehrer, der spätere Papst Hadrian VI. (1522-23), Adrian v. Utrecht aus. Adrian wußte sich dem praktischen Frömmigkeitsideal der »Brüder vom gemeinsamen Leben« (Devotio moderna) verpflichtet und verabscheute jeglichen sturen, religiösen Dogmatismus. Eine Haltung, die auch bei K. während der sich über zwei Dezennien hinschleppenden Verhandlungen mit den Protestanten deutlich zutage trat. Seine politischen Lehrer waren weiter: Wilhelm v. Croy, der eine profranzösische Linie vertrat, und in den späteren Jahren (ca. seit 1519) der Großkanzler und Humanist Mercurino Gattinara aus Piemont. Letzterer verfocht in ghibellinischer Tradition Dantes Ideal einer Universalmonarchie mit Italien als Zentrum, was mit anderen Worten einem antifranzösischen Kurs entsprach. Am 5.1. 1515, wenige Tage nach dem Tod Ludwigs XII., wurde K. von den frankophilen burgundischen Ständen für großjährig und regierungsfähig erklärt und als Herzog von Burgund anerkannt. Mit dem Tod Ferdinands des Katholischen wurde die Nachfolge K.s in Kastilien und Aragon aktuell. Er reiste deshalb 1517 nach Spanien, um dort vom achtzigjährigen Vizekönig Kardinal Ximenez de Cisneros als König bestätigt zu werden. Cisneros starb jedoch kurz vorher. Nach zähen Verhandlungen huldigten ihm die Stände Kastiliens endlich am 5.2. 1518 in Valladolid und die Stände von Aragon am 16.4. 1519 in Barcelona. Am 12.1. 1519 starb K.s Großvater, Kaiser Maximilian I. Aus dem Wahlkampf um die Kaisernachfolge, der unter Franz I., Heinrich VIII., Kurfürst Friedrich dem Weisen v. Sachsen und K. ausgetragen wurde, ging K. dank der finanziellen Unterstützung der fuggerschen Großbank (543'585 von 851'918 Gulden) als Sieger hervor. K. wurde am 28.6. 1519 zum römischen Kaiser gewählt und am 23.10. 1520 in Aachen gekrönt. Der seit dem Italienfeldzug Karls VIII. (1494) erneut entfachte Konkurrenzkampf um die europäische Hegemonie zwischen den Häusern Valois und Habsburg, erhielt durch die Wahl K.s und die damit verbundene Niederlage Franz I. neuen Auftrieb. Denn für Frankreich hätte die Erringung der Kaiserwürde die rechtliche Sicherung der italienischen Ansprüche, die Bereinigung der burgundischen Frage und schlußendlich die europäische Hegemonie bedeutet. Nach der Wahl zum Kaiser suchte K. sein Reich anhand eines hegemonial-dynastischen Einigungsprogrammes und auf dem Hintergrund einer von Gattinara geprägten sakralen Kaiseridee zu einen. Zu diesem Zweck bediente sich K. einer ausgeklügelten Familien- und Heiratspolitik: Tante Margarete amtete seit 1507 als Statthalterin der Niederlande; Tante Katharina war die erste Frau Heinrichs VIII.; der Bruder Ferdinand heiratete 1521 Anna, die Tochter Ladislaus' von Ungarn und Böhmen; die Schwester Katharina war dem Neffen Friedrichs des Weisen, Kurprinz von Sachsen, versprochen usw. All den aussichtsreichen und zukunftsträchtigen Bemühungen K.s, eine christlich-europäische Universalmonarchie nach mittelalterlichem Vorbild zu errichten, liefen die Forderungen nach mehr Autonomie der Comuneros in Spanien und der Reichsfürsten, die sich anbahnende Spaltung der Kirche wie die Aggressionen Frankreichs und der Türken diametral zuwider. Die Intensität dieser zentrifugal-emanzipatorischen Kräfte verdichtete sich bis Mitte des 16. Jahrhunderts derart, daß K.s mittelalterlich-sakrales, dynastisch abgestütztes Kaisertum daran zerbrechen mußte. K. stellte alle seine Kräfte in den Dienst einer Idee, die nicht mehr die Idee seiner Zeit war. Während K. die spanischen Aufstände, insbesondere seit dem Sieg bei Villalar (23.4. 1521), wieder in den Griff bekam, bahnte sich in Deutschland mit der Luthersache etwas an, dessen Tragweite er völlig unterschätzte. Zwar sprach K. auf dem Reichstag in Worms (Januar - Mai 1521) über den ketzerischen Augustinermönch die Reichsacht aus, doch investierte er seine Kräfte nicht auf eine radikale Durchsetzung des Edikts von Worms, sondern richtete sein Augenmerk als erstes auf den politischen Kardinalgegner Frankreich, der ihn fortwährend provozierte und hänselte. Dadurch, daß K. von 1521-1529 nicht mehr deutschen Boden betrat, entglitt ihm, ja förderte er die Sache der Reformation, und somit die geistige Aufsplitterung seines Reiches, welcher die politische bald folgen sollte. Bereits im Frühjahr 1521 kam es zu kleinen Scharmützeln zwischen französischen und habsburgischen Streitkräften in Burgund und in Oberitalien. Ermutigt durch das Einschwenken Papst Leo X. auf die kaiserliche Seite, unternahm K. einen massiven Gegenschlag gegen die Truppen Franz I. in Oberitalien, der im Sieg bei La Bicocca (24.7. 1522) gipfelte. In den folgenden Jahren drohte Franz I. wieder die Oberhand zu gewinnen, bis er schließlich am 25. Geburtstag des Kaisers (24.2. 1525) vor Pavia durch die Generäle Frundsberg und Pescara vernichtend geschlagen und von K. gefangengesetzt wurde. Doch zum Frieden kam es dennoch nicht: Franz I. widerrief nach seiner Freilassung den Diktatfrieden von Madrid (14.1. 1526), der für K. eine derartige Machtsteigerung in Europa bedeutete, daß auch Papst Clemens VII. und der Herzog von Mailand, Venedig und Florenz für Franz I. Partei ergriffen und sich mit ihm in der Liga von Cognac verbündeten (22.5. 1526). Ebenso ereignisreich und entscheidend wie das Jahr 1521 war das Jahr 1526. In diesem Jahr heiratete K. seine stets geliebte Frau Isabella (gest. 1539), die Infantin von Portugal, welche ihm den Thronfolger Philipp II. (21.5. 1527) gebar. Ebenfalls 1526 rückte die türkische Front, nach dem Sieg bei Mohacs (29.8. 1526) und der tödlichen Verwundung des kaiserlichen Schwagers König Ludwig II., dem Besitz Habsburgs näher. Im selben Jahr war K., um sich den Rücken freizuhalten, auf dem Reichstag zu Speyer zu entscheidenden und folgenreichen religionspolitischen Konzessionen gegenüber den Protestanten bereit und stellte erstmals die Einberufung eines Konzils zur Beilegung der immer brennender werdenden Religionsfrage in Aussicht. Nachdem K., nicht zuletzt im Hinblick auf die noch ausstehende Kaiserkrönung durch den Papst, auf eine politisch-militärische Ausschlachtung des »Sacco di Roma« (6.5. 1527) verzichtet hatte, sich mit Clemens VII. versöhnt hatte und der vife Genueser Admiral Doria ins Lager des Kaisers übergetreten war, schlug K. die restlichen Truppen der Liga bei Landriano (Juni 1529) und öffnete damit den Weg zu neuen und dauerhafteren Friedensgesprächen. Im Frieden von Barcelona (29.6. 1529) garantierte K. dem Papst die Sicherung der mediceischen Dynastie in Florenz, worauf dieser sich bereit erklärte, die habsburgische Hegemonie in Italien und Europa anzuerkennen. Franz I. rang sich seinerseits im Frieden von Cambrai (3.8. 1529) dazu durch, die Niederlanden und Italien K. zu überlassen, der in Mailand die Herrschaft der Sforza wiederhergestellt hatte. Nun stand der Kaiserkrönung nichts mehr im Wege, welche am 24.2. 1530 in Bologna vollzogen worden war. Es war dies die letzte Kaiserkrönung durch einen Papst. Nach der Beilegung des Konflikts mit Frankreich und der Aussöhnung mit dem Papst, konzentrierte K. seine Kräfte auf die Beseitigung der inneren und äußeren Feinde der abendländischen Christenheit in Form der Protestanten und der Türken. K. hoffte, nachdem Papst Clemens VII. aus Angst vor einem Wiederaufleben konziliarer Kräfte die Idee eines Universalkonzils verworfen hatte, auf dem Reichstag in Augsburg (Juni 1530) auf der Grundlage der Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses mit den Protestanten einen Ausgleich zu finden, ansonsten er sich gezwungen sah, das Wormser Edikt mit Waffengewalt durchzusetzen. K., der ganz im Geist seines Lehrers Adrian v. Utrecht einer humanistischen »via media« das Wort redete, stieß aber sowohl seitens Melanchthons wie auch seitens Kardinal Campeggios auf Widerstand und war genötigt, die endgültige Lösung der Religionsfrage mit Hoffnung auf ein Universalkonzil abermals zu vertagen. Auf dem Augsburger Reichstag wurde zudem über die Wahl Ferdinands zum römischen König verhandelt, was die Opposition der protestantischen Stände zur Folge hatte, welche sich nach der Krönung Ferdinands (11.1. 1531) im Bund von Schmalkalden zusammenschlossen. Auf dem Hintergrund der nicht gebannten Türkengefahr, der Verstimmung Englands hinsichtlich der Ehescheidungsfrage Heinrichs VIII. und der latenten Widerstände seitens des Papstes gegen ein Konzil, konnte es sich K., entgegen seiner ursprünglichen Absicht, nicht erlauben, gegen die Protestanten militärisch vorzugehen. Er schloß mit ihnen deshalb im Nürnberger Anstand (23.7. 1532) einen bis zum geplanten Konzil befristeten Religionsfrieden. Dies bot dem Protestantismus Gelgenheit zu weiterer Ausbreitung und Konsolidierung. K. wandte sich nun der Türkengefahr zu. Während er die Verteidigung der kontinentalen Türkenfront gegen Suleiman II. seinem Bruder Ferdinand überließ, konzentrierte er sich auf die Situation im Mittelmeer. Sein Interesse galt insbesondere der seit 1534 mit Frankreich verbündeten Korsarenflotte des in Diensten Suleimans II. stehenden Chaireddin Barbarossa, der im gleichen Jahr Tunis erobert hatte. Nach umsichtigem und überlegtem Planen gelang K. im Juni/Juli 1535 die militärische Rückeroberung des Flottenstützpunktes La Goleta wie die Befreiung von Tunis, was dem Kaiser auf dem Kontinent große Ehren als »Türkensieger« einbrachte. Im Laufe des Jahres 1534 gelang dem evangelischen Landgrafen Philipp von Hessen mit französischer Hilfe die Wiedereinsetzung des inzwischen protestantisch gewordenen, ehedem vertriebenen, Herzogs Ulrich von Württemberg in seine Stammlande. Ebenfalls 1534 wurde der reform- und konzilsfeindliche Alessandro Farnese zum neuen Papst Paul III. gewählt (13.10. 1534). Ein knappes Vierteljahr später starb Herzog Francesco Sforza von Mailand (11.1. 1535), wodurch die Mailänder Frage wieder akut wurde. Franz I. nahm im April 1536 Piemont ein und plante einen Schulterschluß mit den Türken, was Papst Paul III. veranlaßte, sich mit K., Ferdinand und Venedig in der Türkenliga zu vereinigen (8.2. 1538). Dadurch in die Enge getrieben, fand sich der eher labile Franz I. dazu bereit, einen zehnjährigen Waffenstillstand zu unterzeichnen, der den status quo in Italien sanktionierte. K. hoffte, den neuen Papst von seiner Konzilspolitik überzeugen zu können, doch die konfessionellen Fronten verhärteten sich immer mehr. Weder auf den Religionsgesprächen in Hagenau und Worms, noch auf dem Regensburger Reichstag (Jan. 1541) gelang eine Annäherung unter den Konfessionen. Der theologisch-politische Widerstand von katholischer Seite sowie Zögern und theologische Überzeugung auf protestantischer Seite ließen K.s Reunionspläne scheitern. Einzig Joachim II. von Brandenburg und den in strafbarer Bigamie lebenden Landgrafen Philipp von Hessen vermochte K. zu neutralisieren. Beiden untersagte er ein Bündnis mit Frankreich und die Aufnahme des aufmüpfigen Herzogs v. Cleve in den Schmalkaldischen Bund. Kurz nach dem Regensburger Reichstagsabschied reiste K. im Juli 1541 nach Italien, um zu einem Schlag gegen die neuerdings mit den Türken liierten Barbaresken in Algier auszuholen. Heftige Herbststürme vereitelten jedoch K.s Strafexpedition und ließen ihn seine Hoffnungen auf Waffenruhm und eine maritime Konsolidierung des spanisch-italienischen Herrschaftsbereiches begraben. Franz I. wußte diese Schlappe K.s nicht sogleich auszunutzen und wartete mit einem Angriff auf die Niederlande bis zum Sommer 1542 ab. Der Herzog von Cleve war an einem Anschluß an den Schmalkaldischen Bund interessiert und mobilisierte ebenfalls gegen K., welcher den Papst gegen Frankreich zu gewinnen versuchte. Paul III. jedoch gab sich neutral und verlangte für eine Bundesgenossenschaft das Herzogtum Mailand für seinen Enkel Ottavio Farnese. Enttäuscht zog K. gegen den inzwischen von Franz I. im Stich gelassenen Herzog v.Cleve, schlug seine Truppen und diktierte ihm im Vertrag von Venlo den Frieden (7.9. 1543). Nach einem Bündnis mit England sicherte sich K. auf dem Reichstag zu Speyer (Febr. 1542) Truppenhilfe gegen die wachsende französisch-türkische Bedrohung, wofür er die reichsrechtliche Gleichstellung der Augsburger Konfession bis zum Konzil garantieren mußte. K. stieß darauf von Osten her entlang der Marne gegen Franz I. vor, wobei Heinrich VIII. von Norden her Boulogne belagerte. Bereits am 20.9. 1544 erklärte sich Franz I. zum Frieden von Crépy bereit, der ihm einerseits Aussichten auf Mailand eröffnete, andererseits, nach geheimer Absprache, Unterstützung gegen die Protestanten abverlangte. Die Weigerung der Protestanten an einem vom Papst präsidierten Konzil teilzunehmen und das Versprechen Papst Pauls III. zu Hilfeleistungen in einem Protestantenkrieg, veranlaßten K. nun militärisch gegen die Häupter des Schmalkaldischen Bundes vorzugehen. K. wußte sich über die Zusage der Kurwürde den protestantischen Herzog Moritz v. Sachsen sowie die Bayern zu verpflichten. Um schwankende Protestanten nicht vor den Kopf zu stoßen, legitimierte K. seinen Angriff auf die Schmalkaldener mit der Ächtung Kursachsens und Hessens wegen ihres um Jahre zurückliegenden Überfalls auf das katholische Braunschweig. Nach neunmonatigen kriegerischen Konfrontationen errang K. mit massiver Unterstützung durch Moritz v. Sachsen den endgültigen Sieg bei Mühlberg an der Elbe (24.4. 1547), welcher die Gefangennahme Kurfürst Johann Friedrichs v. Sachsen und Philipps von Hessen mit sich brachte. Mit dem Sieg über die Schmalkaldener und dem ebenfalls 1547 zustande gekommenen Friedensabkommen mit den Türken war K. auf dem Höhepunkt seiner Machtentfaltung im Reich und in Europa angelangt. Doch bereits der folgende »geharnischte« Reichstag in Augsburg 1547/48 wies K. wieder in seine Schranken. K. versuchte nämlich das Reichsregiment durch einen vom Kaiser geleiteten Reichsbund abzulösen und die Entwicklung des Reiches auf eine absolutistische Monarchie hinzulenken, was auf heftige Opposition der Reichsfürsten stieß. Auch hinsichtlich der immer noch hängigen Religionsfrage kam K. nicht zum Ziel und mußte sich wiederum mit einer Interims-Lösung abfinden, da das am 13.12. 1545 nach Trient einberufene Konzil am 11.3. 1547 vom Papst nach Bologna, also auf kirchenstaatliches Territorium, überführt wurde, weshalb es sich für die Protestanten noch unattraktiver als bisher ausnahm. Das Konzil war zu einer rein katholischen Angelegenheit geworden und blieb es auch. Die Jahre 1547/48 stellen gleichsam die Peripherie im Verlauf von K.s europäischer Hegemonialpolitik dar. Die Jahre 1548-1556 waren von einem wachsenden Widerstand gegen den Kaiser im Reich und in Europa geprägt und leiteten den Niedergang seiner Herrschaft ein. Dabei beschleunigte die eher unglückliche Nachfolgeregelung im Hause Habsburg, welche die Rechte der Reichsfürsten arg zurückstutzte, den Zerfallsprozeß deutlich. Denn dadurch, daß auf Ferdinand zunächst Philipp I. und dann Ferdinands Sohn Maximilian die Kaiserwürde erlangen sollten, begannen die Kurfürsten, insbesondere Moritz v. Sachsen, um die Erhaltung ihrer Stellungen und Rechte zu bangen. Die Tatsache, daß K. die beiden Fürsten Philipp v. Hessen und Johann Friedrich v. Sachsen immer noch gefangen hielt, steigerte ihren Unmut zusätzlich. Es erstaunt deshalb nicht, daß die protestantische Fürstenopposition unter der Leitung von Kurfürst Moritz v. Sachsen Kontakte zu Frankreich aufnahm und sich mit Heinrich II. im Vertrag von Chambord (15.1. 1552) gegen K. verbündete. Der erneut mit den Türken im Bund stehende Heinrich II. versprach militärische Hilfe gegen K., verlangte dafür aber die westlich des Rheins gelegenen Städte Metz, Toul und Verdun. Im Frühjahr 1552 stieß Moritz v. Sachsen rasch gegen Süddeutschland vor, schwenkte im Juni gegen den heerlosen K. in Innsbruck ab und erzwang in den Passauer Verhandlungen von Ferdinand einen vorläufigen Religionsfrieden sowie die Stärkung des Reichsregiments und die Freilassung Philipps v. Hessen. Nach einem erfolglosen Rückeroberungsversuch von Metz (Sept. 1552), zog sich K. resigniert nach Brüssel zurück. Abgesehen davon, daß K.s Macht militärisch gebrochen war, sah er sich außerstande, seinem Sohn ein geeintes Erbreich zu hinterlassen. Darüber hinaus war es ihm nicht gelungen, seiner kaiserlichen Aufgabe als Schützer und Erhalter einer geeinten Christenheit gerecht zu werden. Im Gegenteil: Er sah sich dazu gezwungen, das vor drei Jahrzehnten erlassene Edikt von Worms zu widerrufen. Nebst der alten Feindseligkeiten zu Frankreich und den Türken lebten neue zu Rom und dem 1555 neu gewählten spanienfeindlichen Papst Paul IV. wieder auf. Alle diese Faktoren, besonders aber der persönliche Eindruck, im von Gott gestifteten Kaiseramt versagt zu haben, was kausal mit der Unzeitgemäßheit der mittelalterlichen Kaiseridee verknüpft war, veranlaßten K. sukzessive zurückzutreten. So überließ er seinem Bruder Ferdinand den Vorsitz auf dem Augsburger Reichstag von 1555, der in der Religionsfrage eine reichsrechtliche Dauerlösung verabschiedete. Am 25.10. 1555 übergab er die Niederlande und am 16.1. 1556 die spanischen Königreiche seinem Sohn Philipp II. Wenig später, im Herbst 1556, betraute er Ferdinand mit der »Administratio imperii«, worauf am 14.3. 1558 die formale Übertragung des Kaisertitels durch die Kurfürsten in Frankfurt am Main folgte. Seinen Lebensabend beschloß der seit 1528 zunehmend an Gicht leidende K. in seinem Landhaus in Yuste, unweit des Hieronymitenklosters, als politischer Beobachter und Berater. Am 21.9. 1558 schloß er für immer die Augen.
Werke: Nur wenige Neudrucke: Aufzeichnungen des Kaisers K. des Fünften, hrsg. v. Kervyn von Lettenhove, übers. v. L. A. Warnkönig, Leipzig, 1862; Die Instruktion K.s V. für Philipp II. vom 25.10. 1555, dt. Text hrsg. v. Bruno Stübel, in: Archiv für Kunde österr. Geschichtsquellen, Bd. 39, 2. Hälfte, 1848; Neue dt. Gerichtsordnung, die peinliche, Kaiser K.s V. von 1532 »Carolina«, hrsg. v. Gustav Radbruch, Stuttgart 1962; Akten und Briefe: Papiers d'Etat du Cardinal de Granvelle d'après les manuscrits de la bibliothèque de Besançon, hrsg. v. Ch. Weiss, 9 Bde., Paris 1841-1852; Correspondenz des Kaisers K. V., hrsg. v. Karl Lanz, 3 Bde., Leipzig 1844-1846; Ders. (Hrsg.), Staatspapiere zur Gesch. Kaisers K. V., Stuttgart 1845; Ders. (Hrsg.), Actenstücke und Briefe zur Gesch. Kaisers K. V., 1853; Négociations diplomatiques entre la France et l'Austriche, durant les trente premières années du XVIe siècle, hrsg. v. A. G. Le Glay, 2 Bde., 1845; Cartas al Emperador Carlos V., escritas en los anños 1530-1532 por su confesor Garcia de Loaysa, hrsg. v. G. Heine, 1848; Correspondence of the Emperor Charles V. and his ambassadors at the courts of England and France, hrsg. v. W. Bradford, London 1850; Correspondance de Charles - Quint et d'Adrien VI., hrsg. v. M. Gachard, Bruxelles 1859; Dokumente zur Gesch. K.s V., Philipps II. und ihrer Zeit aus span. Archiven, hrsg. v. J. J. von Döllinger, Regensburg 1862; G. de Leva, Storia documentata di Carlo V. in correlazione all' Italia, 5 Bde., 1863-1894; Huit lettres de Charles - Quint à Mendoza, hrsg. v. R. Foulché-Delbose, in: Revue hispanique, 31, 1894; Die Korrespondenz Ferdinands I., hrsg. v. W. Bauer, A. Lacroix, H. Wolfram, Ch. Thomas, 3 Bde., 1912-1977; Die Reichsregisterbücher Kaiser K.s V., hrsg. v. Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien, 2 Bde., Wien und Leipzig, 1913-1930; Historia vite et gestarum per dominum magnum cancellarium (Mercurino Arborio di Gattinara), hrsg. v. C. Bornate, in: Miscellanea di storia italiana, 3, Ser. 17, 1915; Kaiser und Reich unter K. V., Urkunden und Akten im Staatsarchiv Koblenz, hrsg. v. Otto Graf v. Looz-Corswarem, 1964; S. de Madariaga, Charles Quint, 1969; Corpus documental de Carlos V., hrsg. v. M. Férnandez Alvarez, 2 Bde., Salamanca, 1973 ff.; Kaiser K. V. und die Zunftverfassung: ausgewählte Aktenstücke zu den Verfassungsänderungen in den oberdeutschen Reichsstädten, hrsg. v. E. Nanjoks, 1985; Bibliogr. allg.: Schottenloher, nn. 28340-734, 51055-100b, 60795-947; Karl Brandi, Kaiser K. V., Bd. 2, Quellen und Erörterungen, 1941.
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Urs Leu
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Letzte Änderung: 02.02.2010