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Band III (1992) Spalten 1279-1280 Autor: Heiko Wulfert

KEBLE, John (1792-1866). John Keble wurde am 25. April 1792 in Fairford (Gloucestershire) geboren. Nach seinem Studium in Oxford wirkte er von 1823 bis zu seinem Tod als Gemeindepfarrer. Erste Bekanntheit erlangte er durch seine Gedichtsammlung »The Christian Year« (1827). Von 1831 bis 1841 verband er die Pflichten seines Pfarramtes mit der Tätigkeit eines Professors in Oxford. Kebles Predigt »On national Apostasy«, die er am 14.7. 1833 in Oxford hielt, gilt als das auslösende Signal für die Entstehung der hochkirchlichen Bewegung in der anglikanischen Kirche (=Oxford-Bewegung). Keble wandte sich gegen das staatskirchlich-liberale Denken, das das Wesen der englischen Kirche zunächst von ihrer Bindung an den Staat her betrachtete, und setzte ihm eine Ekklesiologie entgegen, die die Kirche als einen Ort der kontinuierlichen Präsenz der Inkarnation ansieht und daher der Eucharistie eine hohe Bedeutung zumißt. Unterstützung fand Keble bei John Henry Newman, der allerdings seinen Gedanken, sein Anliegen durch die Gründung von »Associations of the Friends of the Church« zu befördern, verwarf. Im September 1834 formulierte Keble ein die neue Bewegung bestimmendes Programm: der einzige Weg zur Seligkeit ist der Genuß des Leibes und Blutes Christi in der Eucharistie - ein Gedanke, der sich an Ignatius anschließt. Der nur den Bischöfen und Priestern anvertraute apostolische Auftrag garantiert die geordnete Spendung der Eucharistie. Die Freunde der Bewegung sollten sich verpflichten, sich für diese Grundsätze einzusetzen. Keble selbst verfasste einige von den neunzig »Tracts for the time«, die Newman seit 1833 zur Verbreitung des hochkirchlichen Gedankengutes herausgab, und wirkte in den folgenden Jahren als Editor im Dienst der Bewegung (Ausgabe von Richard Hookers »Ecclesiastical Polity« 1836, Mitarbeit in der Edition der »Library of the Fathers« seit 1838 unter anderem durch eine Übersetzung der Werke des Bischofs Irenaeus von Lyon). Nach Newmans Konversion zum Katholizismus trat Edward Pusey neben Keble, der selbst eher ein Mann des stillen Wirkens und des starken moralischen Vorbildes war, an die Spitze der Oxford-Bewegung. Im Jahr 1857 betonte Keble noch einmal die hohe Bedeutung der Eucharistie für die Ekklesiologie der hochkirchlichen Bewegung in seiner Schrift »Eucharistical Adoration«. John Keble starb am 25.4. 1866 in Bournemouth. Seine geistlichen Dichtungen gehören bis heute zum festen Liedgut der anglikanischen Kirche.

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Lit.: G. Battiscombe, John Keble: A Study in Limitations, o. O., o. J; - O. Chadwick, The Mind of the Oxford Movement, London 21963; - G. Gaßmann, Die Lehrentwicklung im Anglikanismus, in: Handbuch der Dogmen- und Theologiegeschichte Bd2, S. 353-409; - Max Keller-Hüschemenger, Die Lehre der Kirche in der Oxford-Bewegung. Struktur und Funktion, Gütersloh 1972.

Heiko Wulfert

Werkeergänzung:

2001

A letter from England. J.K. to Benjamin Holmes, 10 July 1833. Ed. by Kenneth R. Dimmick, in: AEH 70.2001, S. 438-450.

Literaturergänzung:

1986

Hilary Fraser, Beauty and belief. Aesthetics and religion in Victorian literature. Cambridge 1986, S. 7-66; -

2001

Maria Poggi Johnson, Probability the guide of life. The influence of Butler's "Analogy" on K. and Newman, in: AEH 70.2001, S. 302-323; -

2008

Robert H. Ellison, The tractarians' political rhetoric, in: AEH 77.2008, S. 221-256.

Letzte Änderung: 06.11.2011