KEIP, Johann Bernhard * 29. Okt. 1869 in Mühlhausen/Thür., † 18.
April 1941 in Stettin, Superintendent der Methodistenkirche. Er war
das jüngste von zwölf Kindern der Eheleute Julius Keip und Johanna,
geb. Nordmann. In Neuruppin wurde B.K. 1887 mit der Methodistenkirche
bekannt und folgte nach einiger Zeit dem Ruf ins Predigtamt. Seit
1891 studierte er zunächst im Predigerseminar der Methodistenkirche
(Frankfurt/M.) und später an den Universitäten Berlin und Breslau
Theologie. Am 8.Okt. 1897 verehelichte er sich mit Martha geb. Maaß.
B.K. wirkte nacheinander in den Gemeinden Berlin-Junkerstraße, Berlin-Schöneberg,
Belgard-Köslin-Stolp, Stettin, Berlin-Rügenerstraße und Cottbus. Er
wirkte als Superintendent des Berliner und Dresdener Distrikts. In
dieser Funktion konnte er mit seiner hervorragenden Leitungs- und
Verwaltungsbegabung wichtige Aufgaben in ökumenischer und kirchenrechtlicher
Hinsicht für die methodistische Gesamtkirche erfüllen. - B.K.
nahm bereits 1908 in Verbindung mit Friedrich Siegmund-Schultze an
der ökumenischen Friedensfahrt deutscher Pastoren nach England teil.
Daraus ergab sich seine frühe Mitarbeit im Weltbund für Freund-schaftsarbeit
der Kirchen, einer Keimzelle der ökumenischen Bewegung. 1925 war er
einer der methodistischen Teilnehmer an der ökumenischen Weltkirchenkonferenz
in Stockholm. Ein Jahr später nahm er an der Gründungsversammlung
der Vereinigung Evangelischer Freikirchen teil, der ersten verbindlichen
zwischenkirchlichen Gemeinschaft in Deutschland, an der damals
vier Freikirchen beteiligt waren. In der Weimarer Zeit kämpfte
er für die rechtliche Anerkennung der Freikirchen auf vielfache Weise.
Ein Höhepunkt seines Einsatzes war, als er für die Methodistenkirche
nach neunjährigen Verhandlungen 1930 auch in Preußen den Status
einer Körperschaft des öffentlichen Rechts selbst gegen
den Widerstand des späteren Bischofs Otto Dibelius erreichen konnte.
1934 gelang es schließlich auch, für die methodistische Gesamtkirche
die Anerkennung als Reichskörperschaft durchzusetzen. - Während
der Zeit der Barmer Synode (1934) suchte B.K. als Berliner Superintendent
der Methodistenkirche den Kontakt zur Bekennenden Kirche, der aufgrund
eines Schreibens von Karl Barth, der in Unkenntnis die Methodisten
als »nicht-reformatorischen Ursprungs« beschrieb, jedoch langfristig
nicht zustande kam. Die in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen
diskutierte Frage eines Zusammenschlusses aller Freikirchen lehnte
K. weitsichtig ab, aber er war bereit, mit den Organen der Deutschen
Evangelischen Kirche unter der Voraussetzung der gegenseitigen Respektierung
partnerschaftlich zusammenzuarbeiten. In Verbindung mit dem methodistischen
Bischof John Louis Nuelsen (Zürich) hatte er bis 1936 nachhaltigen
Einfluß auf die Entscheidungen der Methodistenkirche.
Werke: Urteile über den Methodismus, o.J.(1938), 1948
2;
Aus der Geschichte der Gemeinden der Bischöflichen Methodistenkirche
in Berlin und der Mark, 1938; Die Gemeinschaftsbewegung in Deutschland,
in: Der Christliche Apologete (USA), 67. Jg., 1905, 22. u.29.11. S.
11f; Sekte und Kirche, Bemerkungen zu Otto Dibelius, Das Jahrhundert
der Kirche, in Wächterstimmen, 53. Jg., 1927, S. 34-45; Ein brüderliches
Wort, zu Sekte und Kirche, in: Wächterstimmen, 53. Jg., 1928, S. 101-110.
- HRG.: Der Mitarbeiter, Mitteilungen der Distrikte der Bischöflichen
Methodistenkirche in Norddeutschland, 1. Jg. 1907.
Lit.: Bernhard Vogelsang, Nachruf B.K., in: Verhandlungen
der Nordostdeutschen Konferenz der Bischöflichen Methodistenkirche
1941, S. 38f.; - Wilhelm Niemöller, Einheit und Gemeinschaft,
mit einem Vorwort von Bischof Carl Ernst Sommer, 1975; - Herbert
Strahm, Die Bischöfliche Methodistenkirche im Dritten Reich, Stuttgart
1989.
Karl Heinz Voigt
Letzte Änderung: 06.11.2011