KELLER, Samuel D. (1856-1924), Pfarrer und Evangelist, geb. in Petersburg
als Sohn eines Schweizer Lehrers. Als Pfarrer bei den deutschen Bauern
in der russischen Steppe und auf der Krimm erlebte er seit 1881 tiefgehende
Erweckungen. Er flüchtete 1890 als politisch Verdächtiger nach Deutschland,
wurde Generalsekretär der deutschen Sittlichkeitsvereine, 1892 Pfarrer
in Düsseldorf und dann 1898 freier Evangelist. Er verstand es, das
erweckliche, zur Entscheidung rufende Evangelium den Gebildeten, auch
den Kirchenfremden, in eigner Sprachgestalt zu sagen. In 25 Jahren
redete er in über 6000 öffentl. Vorträgen vor mehr als 6 Mill. Menschen.
In seinen seelsorgerl. Sprechstunden waren über 24.000 Besucher. Er
schrieb über 70.000 Briefe. Neben Elias Schrenk war er der bekannteste
deutsche Evangelist. Er gehörte nicht zum Gnadauer Verband, sondern
mit Lepsius zusammen, zum »Eisenacher Verband für kirchl.Evangelisation
und für Pflege kirchl. Gemeinschaft und ev.Lebens«, der 1904 gegründet
war. Leider gelang es diesem Bund nicht, eine Annäherung zwischen
kirchlicher Theologie und Gemeinschaftsbewegung herbeizuführen. Mit
den hohen Kollekten seiner gut besuchten Versammlungen finanzierte
K. Missionsstationen.
Werke: Außer Romanen (z.T.unter dem Pseudonym Ernst Schrill):
Mein Abendsegen, 1930
8; In der Furche (Predigten) 1927
5;
Auferstehung des Fleisches 1913; Aus meinem Leben I. II, 1917/22;
Meine Minuten, 1918; Sonnige Seelsorge, 1918. - Herausg. des Monatsblattes
»Auf dein Wort«.
Lit.: L.Weichert: S.K., Eine Ährenlese, 1925 - E.Bunke,
S.K. Gottes Werk und Werkzeug (Zeugen des gegenw. Gottes 5) 1949 -
H. Brandenburg: K.S., RGG3III, Sp. 1237 f. - H.Bruns: Ergriffen
von Jesus Christus. 1963, S. 103 ff. - P.Scharpff: Geschichte
der Evangelisation, 1964, S. 263 f.
Burkard Krug
Werkeergänzung:
Samuel D. Keller (Ps. Ernst Schill): Menschwerdung. Sozialer Roman aus der Gegenwart. Verlag Otto Rippel in Hagen i. Westphalen. ohne Jahr.
Letzte Änderung: 06.11.2011