Verlag Traugott Bautz |
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KEMPF, Wilhelm, Bischof von Limburg/Lahn, * 10.8. 1906 in Wiesbaden, † 9.10. 1982 in Wiesbaden. - K. wurde als erster Sohn des Rektors einer Mittelschule in Wiesbaden geboren, schloß sich früh dem Bund Neudeutschland an und lernte dadurch nach dem 1. Weltkrieg die Liturgische und die Bibelbewegung näher kennen. Nach der Reifeprüfung 1925 studierte er am Priesterseminar in Fulda, an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom (dort 1928 Dr. phil; 1931 Dr. theol. h. c. durch die Universität Tübingen) und an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen der Jesuiten in Frankfurt/Main Philosophie und katholische Theologie. Am 8.12. 1932 empfing er im Dom zu Limburg die Priesterweihe und erhielt seine erste Seelsorgestelle als Kaplan in Höhn-Schönberg (Westerwald) zugewiesen. Aus gesundheitlichen Gründen wurde er dann Hauskaplan im Kloster Tiefenthal und Rektor am St. Josephshaus in Dernbach, ehe er im Jahre 1936 das Amt eines Geheimsekretärs des Limburger Bischofs Dr. Antonius Hilfrich antrat. Wenige Monate vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurde K. als Kaplan an die St. Antonius-Pfarrei in der Innenstadt von Frankfurt/Main versetzt und amtierte von 1942 bis 1949 als Pfarrer in Frankfurt-Heilig Geist. Nachdem ihn das Limburger Domkapitel zum Bischof gewählt hatte, ernannte ihn Papst Pius XII. am 28.5. 1949 zum Bischof von Limburg. Am 25.7. 1949 erhielt er im Limburger Dom die Bischofsweihe: Hauptkonsekrator war Joseph Kardinal Frings von Köln, dem der Mainzer Bischof Albert Stohr und der amerikanische Bischof und spätere erste Apostolische Nuntius in der Bundesrepublik Deutschland, Aloysius Muench, assistierten. K.s Amtszeit läßt sich in drei Abschnitte unterteilen: in die Restaurierungs- und Aufbauphase bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil (Wiederaufbau zerstörter Kirchen, Integration der Heimatvertriebenen, Neuerrichtung von Pfarreien in den Großstädten Wiesbaden und Frankfurt), die Zeit des Konzils, zu dessen Subsekretären der Limburger Bischof gehörte, und des Aufbruchs in der katholischen Kirche (Dialog mit Priestern und Laien, synodale Gremien, Liturgische Erneuerung, »Aggiornamento«) und die Zeit des Umbruchs und der Krise der Kirche in einer sich stürmisch verändernden Welt seit dem Jahre 1966 (Neuorganisation des bischöflichen Ordinariats, Einrichtung von elf Bistumsbezirken, Bischofsbriefe an die Gemeinden zur Fastenzeit, Briefreihe an den Klerus, Diözesansynode 1977). K. war ein kommunikativer, »fortschrittlicher«, dabei tieffrommer Bischof und galt vielen Christen als ein Zeichen der Hoffnung, d. h. als ein Mann, der zuhören konnte und Verständnis für Andersdenkende aufbrachte. Konservative Kreise griffen daraufhin zum Mittel der Denunziation und Verdächtigung, um das Limburger Bistum vor vermeintlichem Schaden zu bewahren. Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Corrado Bafile, schlug am 26.8. 1973 dem Heiligen Stuhl einen Wechsel in der Leitung des Bistums vor und forderte auch die Auflösung der diözesanen Räte, damit der neue Bischof »die Diözese von den zu Unrecht in den letzten Jahren entstandenen Strukturen befreit vorfände, ebenso auch befreit von dem Einfluß des Pastoralrates, der in der anormalen Atmosphäre, in welcher sich die Diözese befindet, gewählt wurde.« Das ungeheuerliche Vorgehen des Nuntius fand über die Grenzen der Diözese hinaus in ganz Deutschland große Beachtung. Allerdings gelang es nicht, das Rad der Zeit zurückzudrehen und die neue dialogische Form kirchlicher Führung und kirchlichen Miteinanders durch ein solches Vorgehen im vorkonziliären Stil kirchlicher Geheimdiplomatie abzulösen. Papst Paul VI. sprach K. persönlich das Vertrauen aus und Kardinalstaatssekretär Jean Villot ermutigte den Bischof, »sich mit erneuter Hingabe dem Dienst Ihrer geliebten Diözese zu widmen«. Der persönliche Konflikt mit dem Nuntius wurde durch einen mit beiderseitigem Einverständnis in der Presse veröffentlichten Briefwechsel beigelegt. Mit Erreichen der Altersgrenze bat der seit seiner Studienzeit körperlich überbelastete und gesundheitlich nicht stabile K. den Papst um Entpflichtung von seinem Bischofsamt. Diesem Wunsch wurde mit Wirkung vom 11.8. 1981 stattgegeben. Gut ein Jahr später starb K., einer der profiliertesten Erscheinungen des deutschen Nachkriegsepiskopats, in seiner Geburtsstadt an einem Herzinfarkt und wurde am 16.10. 1982 im Limburger Dom beigesetzt.
Lit.: »Der Wahrheit Zeugnis geben«. Zum fünfundzwanzigsten Bischofsjubiläum von Dr. W.K., 1974; - Theodor Maas-Ewerd, Liturg. Bewegung einst und Bischof heute, in: Bibel und Liturgie 48, 1975, 102-106; - Unser gemeinsamer Weg. 150 Jahre Bistum Limburg, 1977; - B. Pyrlik, Bischof Wilhelm Kempf - 75 Jahre, in: Musica Sacra. Cäcilien-Verbandes-Organ 101 (1981) 357-359; - Franz A. Stein, Bischof Dr. Kempf und die Musik, in: Musica Sacra a.a.O., 434-435; - Walther Kampe, Ein Leben für die Kirche. Festrede zum 75. Geburtstag von Dr. W.K., 1949-1981 Bischof von Limburg, 1981; - Ders., Stets Seelsorger geblieben. Bischof W.K. ist im Alter von 76 Jahren gestorben, in: Paulinus. Trierer Bistumsblatt 108, 1982, Ausg. Nr. 42 vom 17.10. 1982, 12; - Klaus Schatz, Gesch. des Bistums Limburg, 1983; - Damals und heute, in: Festschrift 25 Jahre Referat Kirchenmusik im Bistum Limburg 1966-1991, Frankfurt a.M. 1991, 27-29.
Martin Persch
Literaturergänzung:
1997
Klaus Wittstadt, Die Erwartungen d. Bischöfe Wilhelm Kempf u. Walther Kampe an d. II. Vatikan. Konzil nach ihren Consilia et Vota und Animadversiones, in: "Den Armen eine frohe Botschaft". Frankfurt/M. 1997, S. 137-152.
Letzte Änderung: 06.11.2011