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Band III (1992) Spalten 1364-1366 Autor: Siegfried Kreuzer

KENYON, Dame Kathleen Mary, Archäologin, vor allem berühmt im Bereich der Palästinaarchäologie; geb. 5.1. 1906 in London, gest. 24.8. 1978 in Erbistock, England; - K. studierte Archäologie an der Universität in Oxford, wo sie dann die erste weibliche Präsidentin der University Archaeological Society wurde. Ihre Ausbildung und erste Tätigkeit bezog sich vor allem auf eisenzeitliche und römerzeitliche Archäologie in Großbritannien, wo sie ab 1930 mit Tessa und Mortimer Wheeler arbeitete. Zur Palästinaarchäologie kam sie vor allem durch John W. Crowfoot, mit dem sie, ebenfalls ab 1930, in Samaria arbeitete. Bei diesen Grabungen lernte und vervollkommnete sie die stratigraphische Methode, die in dieser konkreten Form auch als die Wheeler-Kenyon-Methode bezeichnet wurde. Nach einem ersten Paper zur Methode 1939 und einem während des 2. Weltkrieges erschienenen Berichtband wurde K.s Arbeit in Samaria durch den 1957 erschienenen Band "Samaria-Sebaste III: the Objects" bekannt und führte zu einiger Diskussion. Da K.s spätere Grabungen (zu ihren Lebzeiten) nur in Überblicksdarstellungen und nicht im Detail publiziert wurden, blieb dieser Band der einzige, in dem K. gründliche Rechenschaft über ihre Methode gab. - Nach dem 2. Weltkrieg leitete K. große Ausgrabungen in Jericho (ṭell es sulṭan) 1952-58 und in Jerusalem, 1961-67. In Jericho wurden die früheren Grabungen von Ernst Sellin und von John Garstang zu weitreichenden neuen Erkenntnissen weitergeführt. Die Geschichte Jerichos konnte bis in mehrere Epochen der Jungsteinzeit zurückverfolgt werden. Jericho erwies sich damit als die älteste bekannte Stadt der Welt. Zu lebhafter Diskussion, teilweise auch unsachlicher Polemik, führte K.s Neudatierung der von Garstang mit Josuas Eroberung (Jos 6) verbundenen Stadtmauer; die nach K. ca. 300 Jahre älter war (Mittlere Bronzezeit II, ca. 1500 v.Chr.). Die in Jericho erarbeitete Chronologie bildete eine Vergleichsbasis für zahlreiche weitere Ausgrabungen in Palästina. Die Ausgrabungen am Ophel in Jerusalem, südlich des Tempelberges, brachten wichtige Ergebnisse für die Gegebenheiten der Davidstadt (10.Jh.) und der ä1teren Jebusiterstadt. - K.s Tätigkeit erstreckte sich nicht nur auf die Ausgrabungen, sondern auch auf die Forschungsorganisation. Sie leitete ab 1951 die "British School of Archaeology in Jerusalem". Nach den Veränderungen durch den Sechs-Tage-Krieg arbeitete sie für die Gründung des neuen "British Institute at Amman for Archaeology and History", die bis 1978 im wesentlichen erfolgt war. In der Heimat war sie secretary and acting director des "lnstitute of Archaeology" an der London University, von wo aus sie auch mit diversen anderen archäologischen Projekten engagiert war. - Von ihren Werken sind vor allem zu nennen: "Beginning in Archaeology" (1952), in dem sie ihre Methode darlegte und durch das sie Aufsehen erregte und Schüler gewann. In "Digging up Jericho" (1957) ist, bei aller Sachlichkeit, die Begeisterung der Grabungstätigkeit am unmittelbarsten zu spüren. "Jerusalem - Excavating 3000 Years of History" (1967) und "Digging up Jerusalem" (1974) berichten K.s Ergebnisse und Interpretationen der Arbeit in Jerusalem. Weltweite Verbreitung in mehreren Auflagen und Sprachen fand "Archaeology in the Holy Land" (1960; 19784) Der eigentliche Grabungsbericht zu Jericho wurde erst posthum von T.A. Holland 1983 abgeschlossen, jener von Jerusalem erst 1985 von A.D. Tushingham u.a. begonnen. - K.s Arbeit prägte in Zustimmung und Diskussion eine bedeutende Epoche der Palästinaarchäologie, zugleich zeigte sich, besonders im Publikationsbereich, daß Ausgrabungen dieser Größenordnung nur mehr in Teamverantwortung geleistet werden können. Neben vielen anderen Ehrungen erhielt sie 1977 den Ehrendoktor der Evang.-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen.

Werke: Jericho, Enc.Arch.Exc. II, 1976, 550-564; Jerusalem, Enc.Arch.Exc. II, 1976, 591-597; The Date of the Destruction of Iron Age Beersheba, PEQ 109, 1977, 63-64; The Bible and Recent Archeology, 1978 (2., von P.R.S. Moorey bearb. Aufl. 1987); Jericho (bearb. von R.A. Coughenour), The int. standard Bible enc. II, 19823; alles übrige in: N.J.H. Lord and A.C. Western, A Bibliography of Kathleen M. Kenyon up to 1975, in: P.Roger S. Moorey - Peter J. Parr (Hgg.), Archeology in the Levant - Essays for Kathleen M. Kenyon, 1978; teilweise posthum weitergeführte Grabungsberichte: Jericho I, 1960; II 1964; K. - Thomas A. Holland; Jericho III A u. B, 1981; IV, 1982; V, 1983; [K.] - A. Douglas Tushingham, Excavations in Jerusalem 1961-1967, I, 1985.

Lit.: Nachrufe: BASOR 232, 1978, 3-4 (W.G. Dever); - ZDPV 94, 1978, 178 (Arnulf Kuschke); - PEQ 111, 1979, 3-9 (P.Roger S. Moorey); - AfO 26, 1978/79, 238f (A.C. Western); - ADAJ 21, 1976 (später ersch.); - Proc.British Academy 71, 1985, 555-582 (A.Douglas Tushingham); - Zur Arbeit und Methodik: Thomas A. Holland, Kathleen Kenyons excavation records and their publication, Levant 12, 1980, IV-V; - Gary C. Huckabay, An analysis of the methodology of Kathleen M. Kenyon in relation to biblical archaeology in Palestine with a focus on Jericho, Diss. SW Baptist theol.sem., 1984; - Rupert L. Chapman, Excavation techniques and recording systems, a theoretical study, PEQ 118, 1986, 5-26; - P. Roger S. Moorey, Preface to the New Edition, in: K. - P.R.S.Moorey, the Bible and Recent Archaeology, 1987, 7-12.

Siegfried Kreuzer

Literaturergänzung:

2008

Dame Kathleen Kenyon. Digging up the Holy Land, by Miriam C. Davis. Left Coast Press, London 2008. 280 pages.

Letzte Änderung: 29.12.2009