KETTER, Peter, Exeget, * 16.3. 1885 in Zilshausen, † 19.11. 1950
in Trier. - K. besuchte das Gymnasium und Konvikt in Prüm (Reifeprüfung
1907) sowie das Bischöfliche Priesterseminar in Trier und empfing
dort am 12.8. 1911 im Dom die Priesterweihe. Anschließend war er als
Kaplan in Koblenz-St. Josef tätig. Ab dem 13.8. 1913 erhielt er Studienurlaub,
den er am Päpstlichen Bibelinstitut in Rom (Abbruch der Studien wegen
des Krieges im Mai 1915 kurz vor den Examina) sowie an der Theologischen
Fakultät der Universität Freiburg i. Br. zur Vertiefung seiner theologischen
und vor allem neutestamentlich-exegetischen Kenntnisse nutzte. Am
27.6. 1916 wurde er in Freiburg i. Br. aufgrund der Dissertation »Die
Versuchung Jesu nach dem Berichte der Apostel« zum Dr. theol. promoviert.
Am 12.9. 1916 wurde er zum Geheimsekretär des Trierer Bischofs Michael
Felix Korum bestellt und versah bis zu dessen Tod am 4.12. 1921 dieses
Amt. Auch Korums Nachfolger Franz Rudolf Bornewasser diente er noch
zwei Jahre als Geheimsekretär, obwohl er am 2.2. 1922 seine Berufung
als Dozent und am 1.4. 1924 seine Ernennung zum Professor für neutestamentliche
Exegese, Biblische Einleitung und Biblische Zeitgeschichte am Bischöflichen
Priesterseminar erhalten hatte. Bischof Bornewasser vertraute ihm
am 15.11. 1943 das ehrenvolle Amt eines Canonicus Theologus im Kapitel
der Hohen Domkirche unter gleichzeitiger Berufung zum Domkapitular
an. In diesem Amt oblag K. die Pflicht der öffentlichen Bibelerklärung
in der Kathedrale. Neben seiner Professur verwaltete er noch eine
Reihe von Ehrenämtern: Prosynodal- und Synodalrichter seit 1930, Beirat
des Katholischen Frauenbundes (9.7. 1926-11.10. 1930), Diözesan-Vorsitzender
des Albertus-Magnus-Vereins 1930-1936 und des Deutschen Vereins vom
heiligen Land seit 1924, Diözesanleiter der Katholischen Bibelbewegung
seit 1934 und Diözesan-Beirat des Hedwigbundes seit 1935. - K.
hat ganze Generationen von Priesteramtskandidaten in die neutestamentliche
Exegese eingeführt. Er gilt als Konservativer (Franz Mußner) mit einem
ausgeprägten Interesse für die neutestamentliche Zeitgeschichte. Eine längere Reise ins
Heilige Land fand ihren literarischen Niederschlag in seinem Buch
»Im Lande der Offenbarung. Reiseschilderungen aus dem Orient« (1927,
21931). Neben seiner Lehrtätigkeit entfaltete K. eine umfassende
literarische Tätigkeit auf seinem Fachgebiet. Als Hauptwerke sind
zu nennen die von ihm neu bearbeitete »Kepplerbibel« (1936) mit bis
1948 über 1 Million verbreiteter Exemplare, seine »Familienbibel«
(1937, 41949), die Psalmenübersetzung (1937, 41949)
und Kommentare in der Reihe »Herders Bibelkommentar« (1 u. 2 Sam,
1 u. 2 Kön, 1 u. 2 Kor, Hebr, Jak, 1 u. 2 Petr, Jud, Offb, 1935 ff.).
Sein Werk »Christus und die Frauen« (1933, 41948), dessen 3.
Auflage von der Gestapo 1941 vernichtet und verboten wurde - möglicherweise
eine späte Reaktion auf die Polemik K.s gegen Ludendorffs Verein »Deutschvolk«
(deutschreligiöse Bewegung) -, erschien auch in englischer, französischer,
holländischer, italienischer, polnischer und spanischer Übersetzung
und hat K.s Name über die Grenzen der Fachwissenschaft hinaus international
in der katholischen Welt bekannt gemacht. K. fand seine letzte Ruhestätte
am 23.11. 1950 im Kreuzgang des Trierer Domes.
Werke: Teilbibliographie in: Verzeichnis der wissenschaftlichen
Veröffentlichungen der Professoren und Dozenten des Bischöflichen
Priesterseminars in Trier (Stand vom 1. Mai 1949), Trier 1949, 13-
17; Darüber hinaus: Zur Frage der Gebildetenseelsorge, in: Pastor
bonus (Pb) 31, 1918/19, 166-170; Aus dem Leben der Frau im Lande der
Bibel, in: Stunden der Einkehr. Beilage zur Trierischen Landeszeitung
1, 1925, Nr. 19 vom 17.5. 1925, 2-3; Nr. 20 vom 24.5. 1925, 1-2; Neue
Literatur über das Leben Jesu, in: Pb 36, 1925, 138-142; Bearb. der
4. Aufl. von: Peter Josef Maria Pörtzgen, Das Herz des Gottmenschen
im Weltenplane. Eine Begründung der Herz-Jesu-Verehrung für Freund
und Feind, Trier 1926; Die kath. dt. Anstalten im Heiligen Lande,
in: Pb 37, 1926, 147-150; Predigt u. Hl. Schrift, in: Pb 38, 1927,
131-131; Eine Bestätigung zu Genesis 19, 24-28 aus der Gegenwart,
in: Pb 39, 1928, 135-136; Die Magdalenenfrage, in: Pb 40, 1929, 101-118,
203-214, 264-285; Mitarbeit am LThK
1III, 1931, und X, 1938;
»Erlösung in Jesu Christo?«, in: Pb 43, 1932, 283-291; Zur Aussprache
des Lateins in Schule und Kirche, in: Pb 44, 1933, 341-345; Fragen
an einen Christen, in: Pb 43, 1932, 115-121; Neue Hilfsmittel für
die Bibellesung und Bibelerklärung, in: Pb 46, 1935, 312-320, 337-341;
Jesus und seine Mutter. Ein bibl. Marienleben, Düsseldorf 1939; Der
röm. Staat in der Apokalypse, in: Festschr. Franz Rudolf Bornewasser,
Trier 1941, 70-93; Bischof Michael Felix Korum. Zu seinem 25. Todestag
am 4. Dezember 1946, in: Paulinus. Trierer Bistumsblatt 72, 1946,
Ausg. Nr. 34/35 vom 1.12. 1946, 7- 8; In memoriam Bischof Michael
Felix Korum. Zum 25. Todestag, in: Paulinus-Kalender 20, 1946, 32-34;
272 Rezensionen im Pastor bonus 30, 1917/18 - 53, 1942; 44 Rezensionen
in der Trierer Theol. Zeitschr. (in Nachfolge von Pb) 57, 1948 - 60,
1961; Exegese-Skripten (Vorlesungsmitschriften?) über Eph, Phil, Offb,
Bergpredigt, Spezielle Einleitung zu den Evangelien, Neutestamentl.
Zeitgeschichte (1929, 1933, 1936 und 1937) im Bistumsarchiv Trier
und in der Bibliothek des Bischöfl. Priesterseminars Trier.
Lit.: Eigene Archivstudien; - Kürschners Deutscher
Gelehrten- Kalender 7, 1950, 988; - Carl Kammer, Domkapitular
Professor Dr. Peter Ketter †, in: Paulinus. Trierer Bistumsblatt
76, 1950, Ausg. Nr. 48 vom 26.11. 1950, 10; - E. V., In der Krypta,
in: Rhein. Merkur 5, 1950, Ausg. Nr. 49 vom 2.12. 1950, 10; -
Hubert Junker, Prof. Dr. Peter Ketter †, in: Trierer Theol. Zeitschrift
60, 1951, 1-2; - Weitere Zeitungsausschnitte (Köln. Volkszeitung
und Saarl. Volkszeitung) im Bistumsarchiv Trier; - Der Weltklerus
der Diözese Trier seit 1800, 1941, 176 u. 408; - LThK 2VI,
130.
Martin Persch
Letzte Änderung: 06.11.2011