|
Verlag Traugott Bautz
|
![]() |
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
KEY, Ellen, schwedische Pädagogin und Schriftstellerin. * 11.12. 1849 als zweitältestes von sieben Kindern auf dem Landgut Sundsholm (in der Provinz SmÅland); † 25.4. 1926 in Strand am Vättersee (Wittersee). Die Familie war schottisch-keltischer Herkunft. K.s Eltern waren der schwedische Politiker Emil Key und Gräfin Sophie (geb. Posse). In ihrer Kindheit und Jugend eignete sich K. durch Privatunterricht sowie einen ausgeprägten Hang zu selbständigen Studien eine umfassende künstlerische und literarische Bildung an. Durch den Verlust des väterlichen Vermögens auf eigenen Erwerb angewiesen, war sie von 1878 his 1898 als Lehrerin in Stockholm tätig. In den Jahren von 1883 bis 1903 lehrte K. gleichzeitig als Dozentin am Stockholmer Arbeiterinstitut, wo sie Vorlesungen über »Schwedische Literatur im Dienste der nationalen Volksaufklärung« hielt. Ihre persönliche Überzeugungskraft und Ausstrahlung ließen sie zu einer begehrten Rednerin vor Arbeiter-, Studenten- und Frauenvereinen werden. Um die Jahrhundertwende galt K. als eine der bedeutendsten Volksaufklärerinnen; sie wurde eine der meistgelesendsten und geschätztesten Schriftstellerinnen. In der Zeit von 1874 bis 1926 verfaßte sie insgesamt 44 Werke und 149 Zeitschriftenartikel, deren Inhalt vor allem um Fragen der Kindererziehung und Frauenbewegung kreist. Ihr im Jahr 1900 erschienenes Buch »Das Jahrhundert des Kindes« wurde ein Welterfolg. Im Gegensatz zu radikalen Strömungen der Frauenbewegung im Europa der Jahrhundertwende, gehörte K. zu jenem gemäßigten Flügel, dem daran gelegen war, die Idee der »seelischen Mütterlichkeit« aufzuwerten. Dies sollte zum Bindeglied zwischen zwei Leitbildern der Frauenbewegung werden: dem Berufsideal der unverheirateten Frau einerseits und der Überzeugung, daß der Mutterberuf »der höchste Beruf der Frau« sei, andererseits. Im Hinblick auf die Beziehung von Mann und Frau galt für K. allein die Liebe als Kriterium von Sittlichkeit. Ihr pädagogischer Entwurf stellte die eigene Würde und Individualität des Kindes in den Mittelpunkt, dem die Erwachsenen mit Ehrfurcht begegnen sollten. K. selbst beschreibt ihr Konzept mit den Worten: »Ruhig und langsam die Natur sich selbst helfen lassen und nur sehen, daß die umgebenden Verhältnisse die Arbeit der Natur unterstützen, das ist Erziehung«. (Das Jahrhundert des Kindes) Wenn auch ihr Grundaxiom anthropologisch eine Überspitzung war, kommt K. das Verdienst zu, wichtige Anstöße für die pädagogische Reformbewegung der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts gegeben zu haben. Etliche ihrer schul- und bildungspolitischen Änderungsvorschläge wurden in der Folgezeit verwirklicht.
Werke: (eine vollständige Bibliographie der Veröffentlichungen in der schwedischen Originalfassung findet sich bei: Mia Leche-Löfgren, Ellen Key, Stockholm 1930, S. 214-220) E.K., Frauenpsychologie und weibliche Logik, 1896; Die Wenigen und die Vielen (übers. Marie Franzos), Berlin 1901; Das Jahrhundert des Kindes, Berlin 1902; 15. Aufl. 1911; 34-36. Aufl. 1926; nach der Erstausgabe von 1902: Neuauflage Königstein/Ts. 1978; Menschen. Zwei Charakterstudien, Berlin 1903; Mißbrauchte Frauenkraft, Berlin 2. Aufl. 1904; Lebenslinien, 3 Bände, Berlin 1905-1907: I. Über Liebe und Ehe; 2. Der Lebensglaube. Betrachtungen über Gott, Welt und Seele; 3. Persönlichkeit und Schönheit in ihren gesellschaftlichen und geselligen Wirkungen; - Liebe und Ethik, Berlin 1905; Drei Frauenschicksale, Leipzig 1907; Mutter und Kind, Berlin 1908; Die Frauenbewegung, Frankfurt a.M. 1909; Seelen und Werke. Essays, Berlin 1911; Die junge Generation, München 3. Aufl. 1913. War, Peace and the Future, New York-London 1916; Florence Nightingale und Bertha von Suttner. 2 Frauen im Kriege wider den Krieg, Zürich 1919.
Lit. (allgemein): Gerhard Joppich, Das Kind im Jahrhundert des Kindes (=Göttinger Universitätsreden, Nr. 18, Göttingen 1956); - Th. Dietrich, Rousseau und das Jahrhundert des Kindes, in: Lebendige Schule 17 (1962); - Willy Moog, Geschichte der Pädagogik (neu hrsg. von Franz-Josef Holtkemper), 3. Bd., Ratingen-Hannover 1967; - Gisela Wilkending, Volksbildung und Pädagogik »vom Kinde aus«. Eine Untersuchung zur Geschichte der Literaturpädagogik in den Anfängen der Kunsterziehungsbewegung, Weinheim-Basel 1980; - Wolfgang Scheibe, Die Reformpädagogische Bewegung 1900-1932. Eine einführende Darstellung, Weinheim-Basel, 2. Aufl. 1984. - Lit. (speziell): Vitalis Norström, Ellen Keys tredje rike. En studie öfver radikalism, Stockholm 1902; - Luise Nyström-Hamilton, E.K. Ein Lebensbild, Leipzig 1904; - Elisabeth Nem‚ny, E.K., Berlin 1904; - Erik Hed‚n, E.K.s sista böcker och strider, in: Ord och Bild, 1906; - G. Monod, E.K. et ses id‚es sur l'amour et le marriage, in: Revue Bleue 1907.- Olof Ros‚n, Wie E.K. die Liebe verkündigt, Dresden-Leipzig 1910; - John Landquist, E.K., Halle 1912; - Ludwig Weichert, E.K. und ihre Ethik. Eine Wertung ihrer Bedeutung für die deutsche Frauenwelt, Berlin 1914; - Prof. Sellmann, Ist die Verwirklichung der Zukunftsschule von E.K. erwünscht?, in: Zeitschrift für Kinderforschung 21, 1916; - Mia Leche-Löfgren, E.K. Hennes Liv Och Verk, Stockholm 1930; - Willem Anne 'THart, E.K. (Diss. Leiden 1948); - Rattner, Josef, Ellen Key und »Das Jahrhundert des Kindes«, in: Jb. f. verst. Tiefenpsychol. und Kulturanalyse 1 (1981), S. 225-240.
Gabriele Lautenschläger
Literaturergänzungen
Julius Hart, Liebe u. Ethik (Ethische Rundschau), in: Der Tag (Illustrierter Teil), 24.2.1906; - Sabine Andresen und Meike Baader: Wege aus dem Jahrhundert des Kindes. Tradition und Utopie bei Ellen Key. Neuwied, Kriftel 1998; - Meike Sophia Baader, Juliane Jacobi, Sabine Andresen (Hrsg.): Ellen Keys reformpädagogische Vision. Das Jahrhundert des Kindes und seine Wirkung. Weinheim 2000; - Ellen Key: http://ellen-key.paed.com; - Hansen, Margrit: Sustainable Development als Paradigma moderner Pädologie bei Ellen Key. Überlegungen zur nachhaltigen Entwicklung von Menschheit und Menschlichkeit durch neue Generationenverträge beider Geschlechter an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Frankfurt/M., Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2003.
Letzte Änderung: 29.12.2009