KHAMA III. (genau: Kgama Boikanyo Sekgoma), König (engl.: Paramount
Chief, setswana: kgosi od. morˆna) der Ngwato (auch Bangwato, bamaNgwato)
in Botswana (früher: Betschuanaland), wichtigster Politiker Botswanas
um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. * ca. 1835 in Moshu als
ältester Sohn des Chiefs Sekgoma Kgari (1810-1883), † 1923 in
Serowe. - K. war seit Ende 1858 Schüler der Hermannsburger Mission,
zuerst bei Christoph Heinrich Backeberg (1821-1900) in Liteyane (bei
Molepolole), dann ab Juli 1859 bei Christoph Heinrich Schulenburg
(1830-1891) in Shoshong, der ihn am 6.5. 1860 taufte. K.s Vater Sekgoma,
der kein persönliches Interesse am Christentum zeigte, das Wirken
der Mission jedoch aus ökonomisch-politischen Gründen wohlwollend
tolerierte, mußte zusehen, wie sein Sohn und Nachfolger die bald als
heidnisch empfundenen Traditionen (z.B. Initiationsriten, Regenmachen,
Brautpreis, Polygamie) unter bewußter Mißachtung alter Sozialstrukturen
aufgab. Stattdessen identifizierte K. sich völlig mit der als überlegen
erlebten christlich-abendländischen Kultur, woran auch die Ablösung
der Hermannsburger durch die Londoner Missionsgesellschaft (LMS) 1862/64,
vertreten zuerst durch John Mackenzie (1835-1899) und Roger Price
(1834-1900), nichts änderte. Dies führte unter den Ngwato zu starken
Spannungen, die schließlich in einen Bürgerkrieg, K.s gewaltsame Inthronisation
1872/75 und die Flucht der unterlegenen Partei des Vaters ins Exil
mündeten. Unter K.s Führung wurden die gesellschaftlichen Verhältnisse
der Ngwato grundlegend reformiert, was beitrug, daß die Ngwato innerhalb
weniger Jahrzehnte zum vorherrschenden Tswana-Volk au-ßerhalb Südafrikas
aufsteigen konnten. Seinen bald legendären Ruf (v.a. unter englischsprachigen,
der LMS wohlgesinnten Europäern) soll K. zu Beginn seiner Herrschaft
mit einem strikten Alkoholverbot in den von ihm beherrschten Gebieten
begründet haben. K. baute Shoshong zu einem Handelszentrum aus, förderte
nach Möglichkeit die Erziehung der Jugend durch Europäer und setzte
die politische Einheit der Ngwato autoritär durch, was sie in die
Lage versetzte, Übergriffe von außen besser abzuwehren. Als gefährlichste
Widersacher der Ngwato hatten sich bereits seit längerem die immer
öfter in Richtung Kalahari treckenden Buren des Transvaal erwiesen.
Da sich außerdem ab 1883 Deutschland in Namibia (früher Südwestafrika)
festsetzte, garantierte Großbritannien, beunruhigt von der möglich
erscheinenden Vision einer deutsch-burischen Allianz, ab 27.2. 1884
die Westgrenze Botswanas. K. setzte auch der anschließenden Errichtung
eines britischen Protektorats über Botswana bis zum 22. Breitengrad
(bei innerer Autonomie) ab 1.3. 1885 keinen Widerstand entgegen. Großbritannien
war jedoch weniger an Botswana als an einer Eindämmung der burischen
Expansion interessiert und beabsichtigte deshalb ab 1895, die Verwaltung
Botswanas der kommerziell orientierten Britischen Südafrikagesellschaft
(BSAC) unter Cecil Rhodes (1853-1902) zu überlassen. Für die BSAC wäre Botswana zunächst nur als
Durchzugsgebiet (Rhodes: »Suezkanal um Norden«) bei der Erschließung
Zimbabwes (zuerst Ndebele- und Shonaland, später Rhodesien) von Interesse
gewesen. K. protestierte energisch und segelte zusammen mit zwei weiteren
Tswana-Chiefs nach England, wo er mit seinem Anliegen, nicht zuletzt
wegen seines durch die LMS geförderten Rufes als aufgeklärter König,
auf viel Sympathie stieß. Der britische Kolonialsekretär Joseph Chamberlain
(1836-1914) ließ die Übergabe Botswanas an die BSAC verhindern; allerdings
mußte Land zum Bau einer Eisenbahn in den Norden wie auch zur Ansiedlung
von Europäern abgetreten werden; außerdem wurde eine Besteuerung für
die Verwaltung des Protektorats eingeführt. Dennoch markierte das
Abkommen vom 7.11. 1895 im Zeitalter des Imperialismus einen für Afrikaner
höchst ungewöhnlichen politischen Erfolg. Später widersetzte K. sich
der drohenden Überlassung Botswanas an die 1910 begründete Südafrikanische
Union. Während K.s Außenpolitik somit im großen und ganzen erfolgreich
verlief, gestaltete seine Innenpolitik sich oft weniger glücklich.
Wegen anhaltendem Widerstand einiger zwangsweise von den Ngwato assimilierten
Völker sah K. sich zweimal, 1887 und 1922, gezwungen, Soldaten gegen
Aufständische auszusenden. Vor allem die Unterdrückung der Birwa 1922
führte zu internationalen Protesten. Streitigkeiten in der Familie
führten zur Entfremdung von vielen seiner Verwandten. - K.s historische
Leistung liegt v.a. in der Verteidigung der inneren Autonomie seines
Reiches bei gleichzeitiger Gesellschaftsreform begründet. Die Annahme
und Förderung des Christentums, eine modernisierte Gesetzgebung sowie
die Subordination unter die britische Krone erwiesen sich unter den
gegebenen politischen Voraussetzungen als dazu geeignete Strategien.
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1883 (repr. 19692); - L.K. Bruce, The Story of an African
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