Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band III (1992) Spalten 1453-1455 Autor: Wolfgang Proske

KHAMA III. (genau: Kgama Boikanyo Sekgoma), König (engl.: Paramount Chief, setswana: kgosi od. morˆna) der Ngwato (auch Bangwato, bamaNgwato) in Botswana (früher: Betschuanaland), wichtigster Politiker Botswanas um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. * ca. 1835 in Moshu als ältester Sohn des Chiefs Sekgoma Kgari (1810-1883), † 1923 in Serowe. - K. war seit Ende 1858 Schüler der Hermannsburger Mission, zuerst bei Christoph Heinrich Backeberg (1821-1900) in Liteyane (bei Molepolole), dann ab Juli 1859 bei Christoph Heinrich Schulenburg (1830-1891) in Shoshong, der ihn am 6.5. 1860 taufte. K.s Vater Sekgoma, der kein persönliches Interesse am Christentum zeigte, das Wirken der Mission jedoch aus ökonomisch-politischen Gründen wohlwollend tolerierte, mußte zusehen, wie sein Sohn und Nachfolger die bald als heidnisch empfundenen Traditionen (z.B. Initiationsriten, Regenmachen, Brautpreis, Polygamie) unter bewußter Mißachtung alter Sozialstrukturen aufgab. Stattdessen identifizierte K. sich völlig mit der als überlegen erlebten christlich-abendländischen Kultur, woran auch die Ablösung der Hermannsburger durch die Londoner Missionsgesellschaft (LMS) 1862/64, vertreten zuerst durch John Mackenzie (1835-1899) und Roger Price (1834-1900), nichts änderte. Dies führte unter den Ngwato zu starken Spannungen, die schließlich in einen Bürgerkrieg, K.s gewaltsame Inthronisation 1872/75 und die Flucht der unterlegenen Partei des Vaters ins Exil mündeten. Unter K.s Führung wurden die gesellschaftlichen Verhältnisse der Ngwato grundlegend reformiert, was beitrug, daß die Ngwato innerhalb weniger Jahrzehnte zum vorherrschenden Tswana-Volk au-ßerhalb Südafrikas aufsteigen konnten. Seinen bald legendären Ruf (v.a. unter englischsprachigen, der LMS wohlgesinnten Europäern) soll K. zu Beginn seiner Herrschaft mit einem strikten Alkoholverbot in den von ihm beherrschten Gebieten begründet haben. K. baute Shoshong zu einem Handelszentrum aus, förderte nach Möglichkeit die Erziehung der Jugend durch Europäer und setzte die politische Einheit der Ngwato autoritär durch, was sie in die Lage versetzte, Übergriffe von außen besser abzuwehren. Als gefährlichste Widersacher der Ngwato hatten sich bereits seit längerem die immer öfter in Richtung Kalahari treckenden Buren des Transvaal erwiesen. Da sich außerdem ab 1883 Deutschland in Namibia (früher Südwestafrika) festsetzte, garantierte Großbritannien, beunruhigt von der möglich erscheinenden Vision einer deutsch-burischen Allianz, ab 27.2. 1884 die Westgrenze Botswanas. K. setzte auch der anschließenden Errichtung eines britischen Protektorats über Botswana bis zum 22. Breitengrad (bei innerer Autonomie) ab 1.3. 1885 keinen Widerstand entgegen. Großbritannien war jedoch weniger an Botswana als an einer Eindämmung der burischen Expansion interessiert und beabsichtigte deshalb ab 1895, die Verwaltung Botswanas der kommerziell orientierten Britischen Südafrikagesellschaft (BSAC) unter Cecil Rhodes (1853-1902) zu überlassen. Für die BSAC wäre Botswana zunächst nur als Durchzugsgebiet (Rhodes: »Suezkanal um Norden«) bei der Erschließung Zimbabwes (zuerst Ndebele- und Shonaland, später Rhodesien) von Interesse gewesen. K. protestierte energisch und segelte zusammen mit zwei weiteren Tswana-Chiefs nach England, wo er mit seinem Anliegen, nicht zuletzt wegen seines durch die LMS geförderten Rufes als aufgeklärter König, auf viel Sympathie stieß. Der britische Kolonialsekretär Joseph Chamberlain (1836-1914) ließ die Übergabe Botswanas an die BSAC verhindern; allerdings mußte Land zum Bau einer Eisenbahn in den Norden wie auch zur Ansiedlung von Europäern abgetreten werden; außerdem wurde eine Besteuerung für die Verwaltung des Protektorats eingeführt. Dennoch markierte das Abkommen vom 7.11. 1895 im Zeitalter des Imperialismus einen für Afrikaner höchst ungewöhnlichen politischen Erfolg. Später widersetzte K. sich der drohenden Überlassung Botswanas an die 1910 begründete Südafrikanische Union. Während K.s Außenpolitik somit im großen und ganzen erfolgreich verlief, gestaltete seine Innenpolitik sich oft weniger glücklich. Wegen anhaltendem Widerstand einiger zwangsweise von den Ngwato assimilierten Völker sah K. sich zweimal, 1887 und 1922, gezwungen, Soldaten gegen Aufständische auszusenden. Vor allem die Unterdrückung der Birwa 1922 führte zu internationalen Protesten. Streitigkeiten in der Familie führten zur Entfremdung von vielen seiner Verwandten. - K.s historische Leistung liegt v.a. in der Verteidigung der inneren Autonomie seines Reiches bei gleichzeitiger Gesellschaftsreform begründet. Die Annahme und Förderung des Christentums, eine modernisierte Gesetzgebung sowie die Subordination unter die britische Krone erwiesen sich unter den gegebenen politischen Voraussetzungen als dazu geeignete Strategien.

Werke: Khama's own Account of Himself, hg.v. Quett Neil Parsons, in: Botswana Notes & Records 4, 1972, 137ff.

Lit.: John Mackenzie, Ten Years North of the Orange River. A Story of Everyday Life and Work among the South African Tribes from 1859-1869, Edinburgh 1871 (repr. 19722); - Ders., Day-Dawn in Dark Places. A Story of Wanderings and Work in Bechuanaland, London 1883 (repr. 19692); - L.K. Bruce, The Story of an African Chief, K., London 1893; - E. Lloyd, Three Great African Chiefs: K., Sebele, and Bathoeng, London 1895; - James Davidson Hepburn, Twenty Years in Khama's Country, and Pioneering among the Batauana of Lake Ngami, London 1895; - John Charles Harris, K., the Great African Chief, London 1923; - Julian Mockford, K.: King of the Bamangwato, London 1931; - Una Long (Hg.), Journals of EIizabeth Lees Price, Written in Bechuanaland, Southern Africa, 1854-83, London 1956; - Isaac Schapera (Hg.), Praise Poems of Tswana Chiefs, London 1965; - Thomas Tlou, »Melao Yaga K.« (K.s Gesetzeswerk): Transformation in the Nineteenth Century Ngwato State, (M.A., Wisconsin), 1968; - Ders., K. III - Great Reformer and Innovator, in: Botswana Notes & Records 2, 1970, 98ff; - Anthony J. Dachs, K. of Botswana, London 1971; - Neil Quett Parsons, The Image of K. the Great 1868-1970, in: Botswana Notes & Records 3, 1971, 41ff; - Jackson Mutero Chirenje, A History of Northern Botswana 1850-1910, London 1977; - Ders., Chief K. and his Times: the Story of a Southern African Ruler, London 1978; - Bessie Head, A Bewitched Crossroad, Craighall (RSA) 1984; - Thomas Tlou/Alec Campbell, History of Botswana, Gaborone (Botswana) 1984; - Wolfgang Proske, Botswana und die Anfänge der Hermannsburger Mission, Frankfurt 1989; - Eric Rosenthal, Southern African Dictionary of National Biography, London 1966, 197; - Richard P. Stevens, Historical Dictionary of the Republic of Botswana, Metuchen (USA) 1975, 78ff.

Wolfgang Proske

Letzte Änderung: 29.12.2009