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Band III (1992) Spalten 1462-1464 Autor: Hans-Josef Olszewsky

KIEL, Friedrich, Komponist, * 7.10. 1821 in Puderbach (Wittgensteiner Land, bei Bad Laasphe), † 13.9. 1885 in Berlin. - Die Eltern K.s kamen aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater Jost K. war Lehrer, seine Mutter die Tochter eines Hirten. Der Knabe zeigte schon früh eine starke musikalische Begabung und begann im Alter von etwa sechs Jahren ohne Anleitung auf dem Klavier Melodien, die ihm bekannt waren, aus dem Gedächtnis zu spielen. Als er elf Jahre alt war, beschloß sein Vater, ihm wenigstens elementare Musikkentnisse zukommen zu lassen. Der Musiklehrer des Lehrerseminars in Soest konnte den Vater davon überzeugen, seinem Sohn eine musikalische Laufbahn zu ermöglichen. Nachdem die Familie im Jahre 1827 nach Schwarzenau übersiedelt war, vermittelte der dortige Superintendent die Bekanntschaft mit dem musikliebenden Fürsten Albrecht I. von Sayn-Wittgenstein-Berleburg, der dann auch für die weitere musikalische Ausbildung des jungen K. sorgte. Der Bruder des Fürsten, Prinz Karl, erteilte ihm Violinunterricht. Bereits ein Dreivierteljahr später konnte er als Geiger im Hoforchester mitwirken. Im Jahre 1840 wurde er Konzertmeister der Hofkapelle und Musiklehrer in Berleburg. Kurze Zeit darauf erhielt K. ein dreijähriges Stipendium des Königs Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. Er ging daraufhin nach Berlin und studierte von 1842-1845 bei Siegfried Dehn. Anschließend wirkte er in dieser Stadt als Musiklehrer, Komponist und Pianist. Unter seinen Schülerinnen war eine Tochter Robert Schumanns, Elise. Auf Veranlassung Franz Liszts erschienen im Jahre 1852 seine ersten Kompositionen im Druck. Im Jahre 1865 wurde er Mitglied der Akademie der Künste, ein Jahr später Lehrer am Sternschen Konservatorium. Den Professorentitel erhielt er 1868 und im Jahre 1870 wurde er Lehrer für Komposition an der neugegründeten Hochschule für Musik. Seit 1882 war er außerdem Leiter einer Meisterklasse an der Akademie der Künste. An den Folgen eines Verkehrsunfalls ist K. gestorben. Unter seinen Schülern verdienen besonders W. v. Baußnern, A. Bungert, G. Holländer, H. Kaun, S. und T. Ochs, Ignaz Paderewski, Leopold Schmidt und E. E. Taubert Erwähnung. - K. blieb zeit seines Lebens unverheiratet und lebte meist zurückgezogen und bescheiden am Rande der Öffentlichkeit, ohne weitergehende Kontakte und Beziehungen zu anderen Musikern seiner Zeit. Entsprechend ist auch sein Musikschaffen eher isoliert und ohne direkte Verbindung zu anderen Komponisten zu sehen. Er läßt sich daher keiner »Schule« zuordnen. Seine Musiksprache ist, besonders in seinen religiösen Werken, polyphon strukturiert und im weitesten Sinne an J. S. Bach orientiert. Sein umfangreiches Werk hat zwei Schwerpunkte. Neben zahlreichen Werken der Kammermusik hat er sich vor allem der religiösen Musik gewidmet. Als bedeutendstes Werk ist ein Oratorium »Christus« anzusehen, das neben den Christus-Oratorien von Franz Liszt und Felix Draeseke sehr wohl bestehen kann. Bald nach seinem Tod ist sein Werk in Vergessenheit geraten.

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Werke: 1. Kompositionen (Auswahl): Requiem f-moll (op. 20), 1861; Stabat mater (op. 25), 1865; 130. Psalm (op. 29), 1865; Zwei Motetten (op. 32), 1866; Missa solemnis (op. 40), 1866; Tedeum (op. 46), 1867; Christus (op. 60), 1873; Zwei Gesänge von Novalis (op. 63), 1875; Sechs geistl. Gesänge (op. 64), 1875; Requiem As-Dur (op. 80), 1881; Idylle (op. 81), 1882; Sechs Motetten (op. 82), 1883; Der Sern von Bethlehem (op. 83), 1884. - 2. Schrift: Aus dem musik. Leben kleiner dt. Fürstenhöfe früherer Zeit, in: Vor den Coulissen II, 1882, 101-104. - 3. Bibliogr.: Vollst. Werkverzeichnis in: MGG VII, 881 (Reinhold Sietz).

Lit.: R. Succo, Das Oratorium Christus von F. K., in: AmZ LXXV, 1874, 257 ff.; - A. Bungert, F. K., in: NZfM LXXI, 1875, 127 ff.; - E. Breslaur, F. K., in: Der Klavierlehrer VIII, 1885, 222 ff.; - E. Frommel, Gedächtnisrede auf F. K., 1866; - O. Gumprecht, F. K., in: Westermanns illustr. dt. Monatshefte LX, 1886, 24 ff.; - H. v. Bülow, Ausgew. Schrr., 1896, 261-276; - R. Hohenemser, Welche Einflüsse hatte die Wiederbelebung der älteren Tonkunst auf die dt. Komponisten?, 1900, 87-90, 109 f.; - Wilhelm Altmann, F. K., in: Mk I/1, 1901, 146-152; - Ders., F. K., in: Cobbett's Cyclopedic Survey of Chamber Music II, 1930, 49-52; - H. Riemann, Gesch. der Musik seit Beethoven, 1901, 562 f.; - F. O. Dreßler, Moltke in seiner Häuslichkeit, 1904, 65-69; - H. Wetzel, Die Klaviermusik F. K.s, in: Mk VIII/4, 1908, 228-247; - K. Thießen, F. K., ein vergessener Meister der Kammermusik, in: Rhein. Musik- und Theaterztg. X, 1909, 508 f.; - Arnold Schering, Gesch. des Oratoriums, 1911, 465 f.; - Karl Grunsky, Das Christus-Ideal in der Tonkunst, 1920, 131, 133, 138; - H. Kretzschmar, Führer durch den Konzertsaal II/1, 19215, 126-130, 253 f., 256 f., 309-314; - Siegfried Ochs, Geschehenes, Gesehenes, 1922, 93, 98-102; - Hans Joachim Moser, Gesch. der dt. Musik III, 19272, 300 f.; - E. Reinecke, F. K. Sein Leben und sein Werk, Diss. Köln, 1936; - Peter Pfeil, F. K. Leben und Wirken des Wittgensteiner Komponisten, in: Fritz Krämer (Hrsg.), Wittgenstein II, 1965, 286-289, 503; - G. Puchelt, Verlorene Klänge, 1969, 60 ff.; - Reinhold Sietz, F. K., in: D. Kämper, Rhein. Musiker, 6. Folge, 1969, 108-110; - Ulrich Schuppener, Ein Komponist aus dem Wittgensteiner Land. Zum 100. Todestag von F. K., in: Siegerland LXII, 1985, H. 3-4, 71-76; - Ders., F. K. - Vor 100 Jahren gestorben, in: MuK LVI, 1986, H. 1, 31 f.; - Udo-R. Follert, Christus-Oratorium aus Worten der Hl. Schrift zusammengestellt und in Musik gesetzt von F. K. Eine Werkbeschreibung, in: MuK LVI, 1986, H. 1, 27-31; - Helga Zimmermann, Untersuchungen zum Kompositionsutnerricht im Spannungsfeld von Traditionalismus und neudeutscher Schule, dargest. am Beispiel der Lehrtätigkeit F. K.s (1821-1885), Diss. Siegen, 1987; - ADB LI, 126; - NDB XI, 577 f.; - MGG VII, 880-883.

Hans-Josef Olszewsky

Werkeergänzung:

2006

F.-K.-Studien. Köln-Rheinkassel 1.1993 - 5.2006; damit Ersch. eingest.

Schriftenreihe:

2008

F.-K.-Forschungen. Im Auftr. d. F.-K.-Gesellschaft e.V. u. in Verb. mit d. Archiv d. Univ. d. Künste Berlin. Sinzig 1.2008ff. Webseitenergänzung:

Kiel, Friedrich

Letzte Änderung: 06.11.2011