KINDERMANN, Johann Erasmus, Komponist und Organist, * 29.3. 1616 in
Nürnberg, † 14.4. 1655 ebd. - K. entstammte einer in Nürnberg
alteingesessenen Kammacherfamilie. Er hat vermutlich die Pfarrschule
von St. Sebald besucht. Sein Musiklehrer war der damals an der Kirche
von St. Sebald tätige Johann Staden. Bereits 1631, also im Alter von
erst fünfzehn Jahren, wurde er als Musiker an der Frauenkirche angestellt.
Im Herbst 1634 oder im Frühjahr 1635 reiste er zu einem etwa einjährigen
Studienaufenthalt nach Italien, wozu ihm der Rat der Stadt Nürnberg
eine finanzielle Unterstützung gewährte. Dort hielt er sich vermutlich
in Venedig, vielleicht auch in Rom auf. Welche Musiker K. in Italien
aufsuchte, ist nicht mehr feststellbar. Möglicherweise sah er noch
Monteverdi und hatte persönliche Kontakte zu Cavalli, Carissimi und
Frescobaldi. Im Januar 1636 kehrte er auf Weisung des Nürnberger Rates
in seine Heimatstadt zurück und wurde als zweiter Organist an der
Frauenkirche angestellt. Im Jahre 1637 heiratete er Susanne Ditzlin,
mit der er neun Kinder hatte. Da in Nürnberg die angesehensten und
daher auch begehrtesten Organistenstellen von St. Sebald und St. Lorenz
besetzt waren, versuchte K., in anderen Städten eine seinen Fähigkeiten
entsprechende Stelle zu bekommen. So bewarb er sich 1637 und 1640,
allerdings ohne Erfolg, um eine Anstellung an der Barfüßerkirche in
Frankfurt am Main. Am 5. August 1640 bemühte er sich um eine Organistenstelle
in Schwäbisch Hall. Mit dieser Bewerbung hatte er Erfolg. Er trat
diese Stelle dann auch bereits im September an. Im gleichen Monat
schon trat er wieder von dieser Position zurück und schlug den Nürnberger
Organisten Georg Dretzel als Vertreter und Nachfolger vor, der dann
auch angenommen wurde. K. selbst aber bewarb sich noch im gleichen
Jahr um die Organistenstelle an der Egidienkirche in Nürnberg, die
er dann bis zu seinem Tode innehatte. - Als Komponist bewies K.
eine ungewöhnliche Vielseitigkeit. Neben zahlreichen, für den liturgischen
Gebrauch bestimmten Choralvorspielen und Choralbearbeitungen und weiteren
selbständigen Orgelkompositionen schrieb er viele Orchesterstücke
und Lieder für die Musikpflege im Nürnberger Patriziat. Er stand auch
den Dichtern des Pegnesischen Blumenordens nahe, deren Werke er musikalisch
umrahmte und ausgestaltete. Unter den Nürnberger Komponisten seiner
Zeit zählte er zu den herausragendsten Begabungen.
Werke: Cantiones pathetikaˇ, 1639; 3 Motetten, in: Friedens-Clag,
1640; Deliciae studiosorum, 4 Tle., 1640, 1642, 1643 (Instrumentalstücke,
nur teilw. erhalten); Concentus Saomonis, 1642; Dialogus, Mosis Plag,
Sünders Klag, Christi Abtrag, 1642; Mus. Friedens Seuffzer, 1642;
Opitianischer Orpheus, 1642; Dess Erlösers Christi und sündigen Menschens
heylsames Gespräch, 1643; 1 Lied, in: Intermedium Musico-Politicum,
1643; Musica Catechetica, 1643; Mus. Felder- und Wälderfreund, 1643;
Mus. Herzentrost-Blümlein, 1643; Frühlings und Sommer freud, 1645;
Harmonia organica, 5 Tle., 1645; Lobgesang. Über den Freudenreichen
Geb. unseres Herrn und Heylandes Jesu Christi, 1647; Weihnachtsgesang,
1647; 14 Lieder, in: Mus. Friedens Freud, 1650; 22 Lieder, in: Göttliche
Liebesflamme, 1651; 64 Lieder, in: ErsterTeil Herrn J. M. Dilherrns
Evangelischer Schlußreimen der Predigen, 1652; 56 Lieder, in: Zweiter
Teil ... der Predigen, 1652; 57 Lieder, in: Dritter Teil ... der Predigen,
1652; Neu-verstimmte Violen Lust, 1652; Canzoni. Sonatae, 2 Tle.,
1653; 3 Stücke, in: Mus. Zeitvertreiber, 1655; Zahlr. Gelegenheitskompositionen.
- Neuere Ausgaben: Ausgew. Werke, in: DTB XIII, 1913 (hrsg. v.
F. Schreiber); Ausgew. Werke, in: DTB XXI-XXIV, 1924 (hrsg. v. B.
A. Wallner); Einzelne Stücke in vielen Sammelwerken. - Bibliogr.:
Wilhelm Dupont, Werkausgaben Nürnberger Komponisten in Vergangenheit
und Ggw., 1971, 126-136.
Lit.: C. à Beughem, Bibliographia mathematica et artificiosa,
1688; - W.C. Printz, Hist. Beschreibung der edlen Sing- und Kling
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einer Ehrenpforte, 1740, 259, 391; - C. v. Winterfeld, Der ev.
Kirchengesang II, 1845; - C. F. Becker, Die Tonwerke des 16. und
17. Jh.s, 1855; - Robert Eitner, J. E. K., in: MfM XV, 1883, 37,
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Ein Nürnberger Meister des 17. Jh.s. Vor 350 Jahren wurde der Komponist
J. E. K. geboren, in: Unser Bayern XV, 1966, Nr. 3, 20-22; - ADB
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