KIRSCHWENG, Johannes, Schriftsteller, * 19.12. 1900 in Wadgassen
(Saarland), † 22.8. 1951 in Saarlouis. - Die Vorfahren von
K. waren väterlicher- wie mütterlicherseits Glasmacher aus Lothringen;
sein Vater Philipp arbeitete als Schlosser in der Kristallfabrik Wadgassen.
K. hat sich seiner bescheidenen französischen Herkunft stets gern
erinnert, sie häufig erwähnt und wohl auch zum Anlaß für sein Streben
nach einer französisch-deutschen Aussöhnung genommen. Er besuchte
von 1907 bis 1912 die katholische Volksschule seines Heimatortes und
wechselte dann auf das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium und in das Bischöfliche
Konvikt in Trier über. Bald erschienen seine ersten literarischen
Versuche in den lokalen Publikationsorganen. 1918 verließ er mit der
Notreifeprüfung das Gymnasium, gehörte noch kurze Zeit einer Maschinengewehr-Scharfschützenabteilung
im Westen an und studierte nach dem Ende des Ersten Weltkrieges bis
1924 Philosophie und katholische Theologie am Bischöflichen Priesterseminar
in Trier, mußte allerdings die Studien häufiger wegen ernsthafter
Erkrankungen, die ihn im übrigen sein ganzes Leben lang begleiteten,
unterbrechen. Am 5.4. 1924 wurde er zum Priester geweiht und amtierte
ab dem 17. 4. 1924 als Kaplan in Bernkastel (Mosel), ab dem 15.4.
1926 in gleicher Eigenschaft in Neuenahr. Parallel dazu studierte
er seit 1926 an der Universität Bonn weitere fünf Semester Theologie,
belegte aber auch Vorlesungen über deutsche und französische Literaturgeschichte.
In dieser Zeit gewannen seine »literarischen Interessen für ihn existentielle
Bedeutung, was ihn aber auch zunehmend mit der Bischöflichen Behörde
in Konflikt geraten« ließ (Franz Rudolf Reichert). Eine ihm im August
1933 zugewiesene Stelle als Kaplan in Saarbrücken trat er, auch aus
gesundheitlichen Gründen, nicht mehr an, sondern zog sich - auf Dauer
beurlaubt - in seinen Heimatort Wadgassen zurück. Bemerkenswert ist,
daß es auch in den Folgejahren nie zu einem Bruch zwischen Trier und
ihm kam; vielmehr bewahrte er bis zu seinem Tod ein gutes, zum Teil
freundschaftliches Verhältnis zu seinem Bischof Franz Rudolf Bornewasser
und dessen Generalvikar Heinrich von Meurers. - Zwischen 1928
und 1948 erschienen K.s zahlreiche Romane, Novellen, Erzählungen,
Gedichte und Essays, deren Themen fast alle seiner Heimat entnommen
oder seiner Liebe zur Heimat entsprungen sind, in denen er sich als
Meister der deutschen Sprache erweist und die sich in christlich-katholischer
Grundhaltung, in warmer durchsichtiger Sprache auch den kleinen Dingen
und Freuden des Alltags zuwenden. Allerdings hat es vor und nach dem
Zweiten Weltkrieg nicht daran gefehlt, sein zum Teil dezidiert saarländisches
Werk auch tagespolitisch zu deuten, woran ein K. zuweilen eigenes
Pathos mitschuldig gewesen ist. Als Hauptwerke sind zu nennen: »Der
Überfall der Jahrhunderte« (1928), »Der goldene Nebel« (1930), »Aufgehellte
Nacht« (1931), »Zwischen Welt und Wäldern« (1933), »Der Nußbaum« (1934),
»Geschwister Sörb« (1934), »Der Widerstand beginnt« (1934), »Die blaue
Kerze« (1935), »Das wachsende Reich« (1935), »Feldwache der Liebe«
(1936), »Odilo und die Geheimnisse« (1937), »Ernte eines Sommers« (1938), »Die Fahrt der Treuen« (1938), »Der harte
Morgen« (1938), »Der Neffe des Marschalls« (1939), »Lieder der Zuversicht«
(1940), »Das Tor der Freude« (1940), »Der Trauring« (1940), »Trost
der Dinge« (1940), »Der ausgeruhte Vetter« (1942), »Spät in der Nacht«
(1946), »Das unverzagte Herz« (1947) und »Der Schäferkarren« (1948).
- Die letzten Lebensjahre K.s sind überschattet von einer immer
schlechter werdenden Gesundheit. Er fand am 25. August 1951 seine
letzte Ruhestätte in Wadgassen. Die kritische Beschäftigung mit seinem
Werk setzte erst nach seinem Tod ein; noch 1949 mußte Josef Körner
bekennen, über K. liege »kein Sonderschrifttum vor«. Die fünfziger
und sechziger Jahre haben den Dichter praktisch vergessen. Erst in
der Zeit einer von Freunden und Landsleuten initiierten elfbändigen
Werkedition 1974-1986 ist das Interesse an K. und seinem Werk wieder
gewachsen.
Werke: J. K., Gesammelte Werke, hrsg. vom Verein für kult.
und geschichtl. Arbeit im Raum Bisttal e. V., bearb. von Josef Burg,
Franz-Josef Reichert, Hans Rigot, Karl August Schleiden, Lorenz Drehmann
unter Mitarb. von Josef Pontius, 11 Bde., Saarbrücken 1974-1986. -
Bibliographie (312 Nrr.) ebda., Bd. 11, 369-415.
Lit.: Verzeichnis der Veröffentlichungen über J. K. in
Bd. 11 der Gesammelten Werke, 416-425 (191 Nrr.). Darüber hinaus sind
zu nennen: Der Weltklerus der Diözese Trier seit 1800, 1941, 180;
- Josef Körner, Bibliograph. Handb. des dt. Schrifttums, 31949,
543; - Änne Perl, In memoriam J. K., in: Paulinus. Trierer Bistumsblatt
77 (1951), Ausgabe Nr. 35 vom 2.9. 1951, 6; - J. K. †. Das
Saarland trauert um seinen Dichter, in: Saarländische Volkszeitung
6 (1951), Ausg. Nr. 194 vom 23.8. 1951; - P. N., J. K. †.
Zum Tode des großen saarländischen Dichters, in: Luxemburger Wort
Nr. 237 vom 25.8. 1951; - Meyers Großes Personenlexikon, 1969,
735; - Deutsches Literatur-Lexikon. Biographisch-Bibliographisches
Handb., begründet von Wilhelm Kosch, Bd. 3VIII, 1981, 1212
f.; - Alfred Gulden, Randnotizen zu J. K.s: »Der Neffe des Marschalls«,
in: Saarheimat. Zeitschrift für Kultur, Landschaft, Volkstum 24 (1980),
8-11; - Kürschners Deutscher Literatur-Kalender. Nekrolog 1936-1970,
1973, 342; -Peter C. Keller, Vor dreißig Jahren starb Johannes
Kirschweng, in: Deutsche Tagespost Nr. 97 vom 14./15.8. 1981, 15;
- Ders., Erinnerungen mit Zukunftskraft. Zum 30. Todestag des
saarländischen Erzählers J. K., in: Die Warte. Beilage zum Luxemburger
Wort Nr. 231 vom 8.10. 1981, 27; - Zum 30. Todesdag (!) des saarländischen
Erzählers J. K., in: Metzer kath. Volksblatt 98 (1981), Ausg. Nr.
35 vom 30.8. 1981; - Josef Burg, J. K. Ein biographischer Abriß,
in: J. K., Gesammelte Werke, Bd. 11, 1986, 295-368; - Hildegard
Steimer, J. K., in: 425 Jahre Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. 1561-1986.
Begleitbuch zur Ausstellung, Trier 1986, 183-187; - Frank Steinmeyer,
»Weil über allem Elend dieser Zeit die Heimat steht«. Literatur und
Politik im Werk von Johannes Kirschweng (= Saarbrücker Beiträge zur
Literaturwissenschaft Bd. 21.), St. Ingbert 1990; - Ralph Schock,
»Ihr seid da unten Borrussophoben«. Gustav Regler und J.K., in: Klaus-Michael
Mallmann, Gerhard Paul u.a. (Hrsgg.), Richtig daheim waren wir nie.
Entdeckungsreisen ins Saarrevier 1815-1955, Berlin-Bonn 1987, 244-247;
- Gero v. Wilpert, Deutsches Dichterlexikon, Stuttgart 31988,
429.