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Band III (1992) Spalten 1535-1537 Autor: Martin Persch

KIRSCHWENG, Johannes, Schriftsteller, * 19.12. 1900 in Wadgassen (Saarland), † 22.8. 1951 in Saarlouis. - Die Vorfahren von K. waren väterlicher- wie mütterlicherseits Glasmacher aus Lothringen; sein Vater Philipp arbeitete als Schlosser in der Kristallfabrik Wadgassen. K. hat sich seiner bescheidenen französischen Herkunft stets gern erinnert, sie häufig erwähnt und wohl auch zum Anlaß für sein Streben nach einer französisch-deutschen Aussöhnung genommen. Er besuchte von 1907 bis 1912 die katholische Volksschule seines Heimatortes und wechselte dann auf das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium und in das Bischöfliche Konvikt in Trier über. Bald erschienen seine ersten literarischen Versuche in den lokalen Publikationsorganen. 1918 verließ er mit der Notreifeprüfung das Gymnasium, gehörte noch kurze Zeit einer Maschinengewehr-Scharfschützenabteilung im Westen an und studierte nach dem Ende des Ersten Weltkrieges bis 1924 Philosophie und katholische Theologie am Bischöflichen Priesterseminar in Trier, mußte allerdings die Studien häufiger wegen ernsthafter Erkrankungen, die ihn im übrigen sein ganzes Leben lang begleiteten, unterbrechen. Am 5.4. 1924 wurde er zum Priester geweiht und amtierte ab dem 17. 4. 1924 als Kaplan in Bernkastel (Mosel), ab dem 15.4. 1926 in gleicher Eigenschaft in Neuenahr. Parallel dazu studierte er seit 1926 an der Universität Bonn weitere fünf Semester Theologie, belegte aber auch Vorlesungen über deutsche und französische Literaturgeschichte. In dieser Zeit gewannen seine »literarischen Interessen für ihn existentielle Bedeutung, was ihn aber auch zunehmend mit der Bischöflichen Behörde in Konflikt geraten« ließ (Franz Rudolf Reichert). Eine ihm im August 1933 zugewiesene Stelle als Kaplan in Saarbrücken trat er, auch aus gesundheitlichen Gründen, nicht mehr an, sondern zog sich - auf Dauer beurlaubt - in seinen Heimatort Wadgassen zurück. Bemerkenswert ist, daß es auch in den Folgejahren nie zu einem Bruch zwischen Trier und ihm kam; vielmehr bewahrte er bis zu seinem Tod ein gutes, zum Teil freundschaftliches Verhältnis zu seinem Bischof Franz Rudolf Bornewasser und dessen Generalvikar Heinrich von Meurers. - Zwischen 1928 und 1948 erschienen K.s zahlreiche Romane, Novellen, Erzählungen, Gedichte und Essays, deren Themen fast alle seiner Heimat entnommen oder seiner Liebe zur Heimat entsprungen sind, in denen er sich als Meister der deutschen Sprache erweist und die sich in christlich-katholischer Grundhaltung, in warmer durchsichtiger Sprache auch den kleinen Dingen und Freuden des Alltags zuwenden. Allerdings hat es vor und nach dem Zweiten Weltkrieg nicht daran gefehlt, sein zum Teil dezidiert saarländisches Werk auch tagespolitisch zu deuten, woran ein K. zuweilen eigenes Pathos mitschuldig gewesen ist. Als Hauptwerke sind zu nennen: »Der Überfall der Jahrhunderte« (1928), »Der goldene Nebel« (1930), »Aufgehellte Nacht« (1931), »Zwischen Welt und Wäldern« (1933), »Der Nußbaum« (1934), »Geschwister Sörb« (1934), »Der Widerstand beginnt« (1934), »Die blaue Kerze« (1935), »Das wachsende Reich« (1935), »Feldwache der Liebe« (1936), »Odilo und die Geheimnisse« (1937), »Ernte eines Sommers« (1938), »Die Fahrt der Treuen« (1938), »Der harte Morgen« (1938), »Der Neffe des Marschalls« (1939), »Lieder der Zuversicht« (1940), »Das Tor der Freude« (1940), »Der Trauring« (1940), »Trost der Dinge« (1940), »Der ausgeruhte Vetter« (1942), »Spät in der Nacht« (1946), »Das unverzagte Herz« (1947) und »Der Schäferkarren« (1948). - Die letzten Lebensjahre K.s sind überschattet von einer immer schlechter werdenden Gesundheit. Er fand am 25. August 1951 seine letzte Ruhestätte in Wadgassen. Die kritische Beschäftigung mit seinem Werk setzte erst nach seinem Tod ein; noch 1949 mußte Josef Körner bekennen, über K. liege »kein Sonderschrifttum vor«. Die fünfziger und sechziger Jahre haben den Dichter praktisch vergessen. Erst in der Zeit einer von Freunden und Landsleuten initiierten elfbändigen Werkedition 1974-1986 ist das Interesse an K. und seinem Werk wieder gewachsen.

Werke: J. K., Gesammelte Werke, hrsg. vom Verein für kult. und geschichtl. Arbeit im Raum Bisttal e. V., bearb. von Josef Burg, Franz-Josef Reichert, Hans Rigot, Karl August Schleiden, Lorenz Drehmann unter Mitarb. von Josef Pontius, 11 Bde., Saarbrücken 1974-1986. - Bibliographie (312 Nrr.) ebda., Bd. 11, 369-415.

Lit.: Verzeichnis der Veröffentlichungen über J. K. in Bd. 11 der Gesammelten Werke, 416-425 (191 Nrr.). Darüber hinaus sind zu nennen: Der Weltklerus der Diözese Trier seit 1800, 1941, 180; - Josef Körner, Bibliograph. Handb. des dt. Schrifttums, 31949, 543; - Änne Perl, In memoriam J. K., in: Paulinus. Trierer Bistumsblatt 77 (1951), Ausgabe Nr. 35 vom 2.9. 1951, 6; - J. K. †. Das Saarland trauert um seinen Dichter, in: Saarländische Volkszeitung 6 (1951), Ausg. Nr. 194 vom 23.8. 1951; - P. N., J. K. †. Zum Tode des großen saarländischen Dichters, in: Luxemburger Wort Nr. 237 vom 25.8. 1951; - Meyers Großes Personenlexikon, 1969, 735; - Deutsches Literatur-Lexikon. Biographisch-Bibliographisches Handb., begründet von Wilhelm Kosch, Bd. 3VIII, 1981, 1212 f.; - Alfred Gulden, Randnotizen zu J. K.s: »Der Neffe des Marschalls«, in: Saarheimat. Zeitschrift für Kultur, Landschaft, Volkstum 24 (1980), 8-11; - Kürschners Deutscher Literatur-Kalender. Nekrolog 1936-1970, 1973, 342; -Peter C. Keller, Vor dreißig Jahren starb Johannes Kirschweng, in: Deutsche Tagespost Nr. 97 vom 14./15.8. 1981, 15; - Ders., Erinnerungen mit Zukunftskraft. Zum 30. Todestag des saarländischen Erzählers J. K., in: Die Warte. Beilage zum Luxemburger Wort Nr. 231 vom 8.10. 1981, 27; - Zum 30. Todesdag (!) des saarländischen Erzählers J. K., in: Metzer kath. Volksblatt 98 (1981), Ausg. Nr. 35 vom 30.8. 1981; - Josef Burg, J. K. Ein biographischer Abriß, in: J. K., Gesammelte Werke, Bd. 11, 1986, 295-368; - Hildegard Steimer, J. K., in: 425 Jahre Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. 1561-1986. Begleitbuch zur Ausstellung, Trier 1986, 183-187; - Frank Steinmeyer, »Weil über allem Elend dieser Zeit die Heimat steht«. Literatur und Politik im Werk von Johannes Kirschweng (= Saarbrücker Beiträge zur Literaturwissenschaft Bd. 21.), St. Ingbert 1990; - Ralph Schock, »Ihr seid da unten Borrussophoben«. Gustav Regler und J.K., in: Klaus-Michael Mallmann, Gerhard Paul u.a. (Hrsgg.), Richtig daheim waren wir nie. Entdeckungsreisen ins Saarrevier 1815-1955, Berlin-Bonn 1987, 244-247; - Gero v. Wilpert, Deutsches Dichterlexikon, Stuttgart 31988, 429.

Martin Persch

Letzte Änderung: 29.12.2009