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Band III (1992) Spalten 1540-1542 Autor: Karl Rennstich

KISSLING, Georg Adam, Missionar in Afrika und in Neuseeland, wurde am 2. April 1805 in Murr (Württemberg) geboren und starb am 10.11. 1865 hochangesehen als Stellvertreter des Bischofs der Anglikanischen Kirche in Neuseeland. Nach seiner Lehre als Bäcker arbeitete K. einige Jahre in Korntal, wo er bleibende Eindrücke empfing und studierte von 1823-1827 im Missionsseminar der Basler Mission und an der Basler Universität. Nach seiner Ordination in Baden 1827 wurde K. mit dem Segen des württembergischen Erweckungspredigers Ludwig Hoffacker als einer der ersten Missionare im Dienst der Basler Mission mit folgender »Wegleitung« nach Liberia ausgesandt: »Wiedergutmachung des von Europäern an Afrikanern begangenen Unrechts« zu leisten. Während seines durch Krankheit und viele Entbehrungen gekennzeichneten Dienstes 1828-1832 gründete er die erste Schule für Afrikaner. Zwei seiner Schüler, Jakob von Brunn und Georg Thomson, der erste in Basel ausgebildete Missionar, wurden später bekannte afrikanische Pfarrer. K. verließ am 3.1. 1832 Liberia. Die Arbeit in Liberia wurde von amerikanischen Missionaren weitergeführt. Mit knapper Not dem Tod durch Schiffbruch entronnen, erreichte K. England und wurde von der Church Missionary Society (CMS) in deren Dienst übernommen. K. heiratete Karoline, die Tochter des Gallerie-Inspektors Tanner aus Ludwigsburg am 7.8. 1832 und reiste mit dieser als Missionar der CMS nach Sierra Leone in Afrika (1832-1837). Dort übernahm er als Disktriktsmissionar zusätzlich noch die Leitung einer großen Schule. Seine Arbeit charakterisierte er so: »es ist Waizen da, aber auch viel Unkraut.« Seine Frau Karoline starb am 25.2. 1834 zusammen mit ihrem ersten Kind bei der Geburt mit den Worten: »Ich bereue es ganz und gar nicht, in die Mission eingetreten zu sein, lobe vielmehr den Herrn, der mich gewürdigt hat, diesen Gang zu gehen«. In Sierra Leone widmete K. sich ganz der Leitung des Predigerseminars in Fourahbai. Einer seiner engsten Mitarbeiter war der von Missionar Schön freigekaufte Sklave Samuel Crowther, der über diese Zeit bekannte: »Seit meinem zweiten Eintritt in die Anstalt sehe ich mich viel mehr als Zögling, denn als Lehrer an; und ich darf wohl in aller Demuth sagen, daß ich nun vorwärts komme, Dank der treuen Hilfe Herrn Kißling's. Ich war noch über so vieles im Unklaren, was mir jetzt ins Licht gestellt wird; macht mir etwas in meinenm Studien Schwierigkeiten, so wende ich mich am liebsten an den lebendigen Lehrer, ja überlaufe ihn manchmal mit meinem Geilen...außerdem weiß mir mein väterlicher Freund immer die besten Hilfsmittel zu rathen«. K. war der Überzeugung, daß die europäischen Missionare als Mitarbeiter der Afrikaner sich der afrikanischen Leitung zu unterstellen hätten. Ziel der Missionsarbeit müsse die baldmöglichste Selbstverwaltung, Selbstfinanzierung und Selbstausbreitung der Kirche sein. Zum Missionsdienst gehört nach K. auch die wirtschaftliche Entwicklungshilfe. Samuel Adlai Crowther (1809-1891), im Dienste der CMS als erster 1864 konsekrierter afrikanischer Bischof der Anglikanischen Kirche am Niger, führte die Ziegelfabrikation ein. Am 2.5. 1837 kehrte K. aus Gesundheitsgründen wieder nach England zurück und heiratete dort Margaret geb. Hull, mit der er nach einem kurzen Zwischenaufenthalt in Basel, bei dem er sich von seinem verehrten Lehrer C.G. Blumhardt verabschiedete, zum zweiten Aufenthalt in Sierra Leone (1837-1841) als Sekretär der Mission und Leiter des Pfarrseminars ausreiste. K. studierte intensiv Timneh und widmete sich der Ausbildung afrikanischer Pfarrer, mußte jedoch aus Gesundheitsgründen 1841 Afrika verlassen. Nach längerem Krankheitsurlaub in England bestimmte ihn die CMS als Missionar für die Maori in Neuseeeland. K. schrieb: »Ich gleiche einem Baum, der mit tausend abgerissenen Wurzelfäden aus dem Boden gehoben und verpflanzt wird... nach allen diesen Prüfungen, Leiden und Freuden habe ich noch nicht ausgelernt; ich muß aufs Neue eingeschrieben werden in das Lehrlingsbuch der Neuseeländer«. K. reiste mit seiner Frau am 5.1. 1842 nach Neuseeland aus, nachdem er vorher als anglikanischer Pfarrer ordiniert worden war, und arbeitete in Kauakaua in Neuseeland als Missionar und Stellvertretender Bischof unter den Maori bis zu seinem Tod 1865. Im Gegensatz zu anderen Missionaren in Neuseeland lehnte K. den Kauf von Grund und Boden für seine 5 Söhne strikt ab und konnte deshalb im Landstreit zwischen den Maori und der (weißen) Regierung vermitteln. K. erlernte die Sprache der Maori und wurde von diesen als »Vater« verehrt. Er wollte nach seinem eigenen Bekenntnis »nichts Anderes als Christus den Gekreuzigten meinen Hörern anzupreisen. Christi Liebe zeugt Liebe.« In den letzten Jahren seines Lebens widmete K. sich seit 1852 ganz der Ausbildung der maorischen Pfarrer, von denen er am 18.7. 1853 nach elfjährigem Unterricht trotz großen Bedenkens des englischen Bischofs den ersten ordinieren konnte. Nach einem Schlaganfall 1861 konnte K. seinen Dienst nur noch beschränkt ausüben. Reisende berichteten 1849 über K.s Arbeit unter den Maori: »Wo vor neun Jahren nur 20 lesen und schreiben konnten, wohnten nach einem knappen Jahrzehnt 6-7000 Maori, davon ein starkes Drittel Alphabeten. Der Dschungel war Kulturland geworden; er hat den Weizen eingeführt und wohl 3000 Morgen damit besät. Sie haben sich 30 Küstenschiffe, beinahe 100000 fl. im Wert angeschafft. Ihre schönen Heerden und die 200 Mühlen sind alle in diesen neun Jahren zu Stande gekommen und zwar nicht durch Geschenke, sondem durch ihre eigene Anstrengung«. Die Maorikirche war unter K.s Leitung unabhängig von jeder finanziellen Unterstützung aus England geworden.

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Werke: Kißling, G.: Beleuchtungen der Missionssache, Mai 1847; Briefe, Berichte, Artikel von K. im Fazikel »Kißling« im Archiv der Basler Mission.

Lit.: Gundert, Herrmann: Georg Adam Kißling. Evangelisches Missionsmagazin 1867, S. 305-360; 390-461; - Schlatter, Wilhelm: Geschichte der Basler Mission 1916, Band 3; - Rennstich, Karl: Handwerker-Theologen und Industrie-Brüder als Botschafter des Friedens. Entwicklungshilfe der Basler Mission im 19. Jahrhundert, 1985.

Karl Rennstich

Letzte Änderung: 06.11.2011