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Band IV (1992) Spalten 25-31 Autor: Ingrid Münch

KLEMENS AUGUST von Bayern, Kurfürst und Erzbischof von Köln (1723-1761), Fürstbischof von Münster (1719-1761), Paderborn (1719-1761), Hildesheim (1724-1761) und Osnabrück (1728-1761), Hochmeister des Deutschen Ordens (1732-1761), * 17.8. 1700 in Brüssel als vierter Sohn des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern und seiner zweiten Gemahlin Therese Kunigunde, Tochter des Königs Johann III. Sobieski von Polen, † 6.2. 1761 in Ehrenbreitstein, beigesetzt im Kölner Dom. - K.s entscheidende Kindheits- und Jugendjahre fielen in die Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges, in dessen Verlauf - bedingt durch die von Max Emanuel für Frankreich ergriffene Parteinahme und die verlorene Schlacht von Höchstädt 1704 - die kurfürstliche Familie getrennt und die Söhne seit 1706 in österreichischer Ehrenhaft gehalten wurden, sie zunächst in Klagenfurt aufwuchsen, danach (seit 1712) in Graz. Die K. daselbst zuteil gewordene, von Jesuiten getragene Erziehung entsprach üblichem angemessenem, standesgemäßem Niveau ohne spezielle geistliche Ausrichtung. Erst nach der Wiedervereinigung der Familie 1715 bestimmte Kurfürst Max Emanuel im Rahmen seiner ehrgeizigen politischen Pläne drei seiner Söhne für eine kirchliche Laufbahn und ließ dem widerstrebenden K. bereits im gleichen Jahr die Tonsur erteilen. Noch vor Ende 1715 waren dem 15jährigen Prinzen mit tatkräftiger Unterstützung seines Onkels, des Kurfürsten und Erzbischofs Joseph Klemens (s.d.) von Köln die Propstei von Altötting sowie die Koadjutorien des Bistums Regensburg und der Fürstpropstei Berchtesgaden als erste Pfründe gesichert worden. Schon 1716 folgte die päpstliche Konfirmation seiner ersten episkopalen Würde als Bischof von Regensburg. Zur intensiven weiteren, nun auch theologisch fundierteren Ausbildung ging K. 1717-1719 zusammen mit seinem älteren Bruder Philipp Moritz nach Rom, wo er bei Jesuiten und mit eigenen Lehrern neben theologischen Inhalten u. a. das Studium der Logik, Physik und Philosophie pflegte. Der mit der Besetzung des Bistums Regensburg begonnene Einstieg K.s in eine reichskirchliche Karriere konnte 1719 erfolgreich weitergeführt werden, als es Kurfürst Max Emanuel durch zielstrebige diplomatische wie auch finanzielle Aktivitäten gelang, die Wahl seines älteren Sohnes Philipp Moritz zum Bischof von Münster und Paderborn durchzusetzen und die durch dessen unerwartet frühen Tod erneut anstehende Sukzession auf den jüngeren K. auszudehnen. Allerdings verlangte der Papst für die Bestätigung des Bistums Paderborn die Retention von Regensburg. 1722 wurde K. zum Koadjutor seines Onkels auf dem Kölner Erzstuhl gewählt und verfügte nach dessen Ableben bereits ein Jahr später nun auch über dieses bedeutendste, bisher vom Hause Wittelsbach innegehabte reichskirchliche Amt. Ebenso konnte er in Hildesheim 1724 die Nachfolge Joseph Klemens' antreten, wobei sich der Papst angesichts einer derartigen Bistumskumulation erst nach längerem Zögern bereit fand, diesen neuen kirchlichen Besitzstand zu bestätigen, jedoch damit die Auflage verband, daß innerhalb Jahresfrist die Priesterweihe vollzogen werden müsse. Trotz anfänglich großer innerer Aversion kam K. der päpstlichen Aufforderung nach und ließ sich 1725 vom Freisinger Fürstbischof Eckher von Kapfing und Liechteneck die Priesterweihe auf Schloß Markt Schwaben erteilen. 1727 erfolgte seine Weihe zum Bischof, die Papst Benedikt XIII. im Kloster S. Maria della Quercia b. Viterbo persönlich vornahm. Das Bischofsreich K. erfuhr 1728 eine abermalige letzte Vergrößerung, als nach dem Tod des evangelischen Vorgängers und gemäß den Bestimmungen des Westfälischen Friedens für eine alternierende konfessionelle Nachfolge der Kölner Kurfürst und Erzbischof zum Bischof von Osnabrück gewählt wurde. Damit war im Nordwesten des Reiches ein (wittelsbachischer) Territorienkomplex geschaffen, der in dieser Form weder vorher noch nachher je erreicht worden ist und nach dem Tode K.s schnell auseinanderfiel. Die an kirchlichen Würden so reiche Karriere K.s erlebte 1732 mit der Wahl zum Hochmeister des Deutschen Ordens ihren krönenden Abschluß. In politischer wie in manch anderer Hinsicht war die lange Regierungszeit des K. durch einen gravierenden Mangel an Kontinuität und klarer Zielsetzung gekennzeichnet. Selbst nur über ungenügende diesbezügliche Kenntnisse verfügend und dem politischen Geschehen wenig Neigung entgegenbringend, überließ er die Regierungsgeschäfte weitgehend seinen Beratern, von denen der bis 1733 als Erster Minister amtierende Obristkämmerer von Plettenberg den außenpolitischen Beziehungen Kurkölns, vor allem zur habsburgischen Großmacht, Stabilität zu verleihen vermochte. Nach der Entlassung Plettenbergs folgte die Politik K.s einem von wechselnden Allianzen bestimmten Zickzackkurs, der sich nicht unwesentlich an finanziellem Opportunismus orientierte, realpolitischen Sachzwängen Rechnung trug sowie starke emotionale Elemente enthielt. Den gleichen Schwankungen unterworfen war das Verhältnis zu seinem ältesten Bruder, dem bayerischen Kurfürsten Karl Albrecht, dessen dynastischen Anspruch auf die deutsche Kaiserkrone K. nur lau unterstützte. Zwar stimmte er bei der Kaiserwahl für Karl Albrecht und krönte ihn 1742 mit aller zeremoniellen Pracht persönlich in Frankfurt, doch nahm er im Österreichischen Erbfolgekrieg eine distanzierende, neutrale Haltung gegenüber Kurbayern ein und suchte nach Karl Albrechts Tod 1745 wieder die Annäherung an Österreich. Im Siebenjährigen Krieg stand er allerdings fest auf Seiten des Reiches und des mit diesem verbündeten Frankreich gegen Preußen. Die kirchliche Entwicklung verlief während des Episkopats K.s in den fünf Bistümern ohne grundlegende Neuerungen. Die Wiedereröffnung des Priesterseminars 1738 in Köln blieb dabei wichtigstes innerkirchliches Ereignis. Immerhin konnte die geistliche Seelsorge durch die von K. getroffene sorgfältige Auswahl der Weihbischöfe und Generalvikare auf bewährter Grundlage weitergeführt und sogar intensiviert werden, erweitert um die nun auch gesetzlich geregelte Gefangenenseelsorge. Im Rahmen der Volksfrömmigkeit förderte er besonders die Wallfahrten, an denen er selbst persönlich teilnahm, wie z. B. 1727 und 1755 nach Loreto. Darüber hinaus blieb sein kirchliches Engagement aber auf die äußeren Amtspflichten eines Bischofs beschränkt. Eine ungleich regere, vor allem aber kreativere Wirksamkeit entfaltete der Kurfürst in allen Bereichen der bildenden Kunst, in denen es galt, den für seine Stellung im Reich entsprechenden glanzvollen äußeren Rahmen zu schaffen. Mit sicherem Gespür für außerordentliche künstlerische Qualität vermochte er die von ihm dazu herangezogene Künstler- und Handwerkerschar - unter ihnen so bedeutende Persönlichkeiten wie J. C. Schlaun und Fr. de Cuvilliés - zu Schöpfungen von höchster Vollendung zu inspirieren, als deren kostbarste architektonischen Zeugnisse die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl sowie das Jagdschloß Clemenswerth im Emsland entstanden. Das fürstliche Repräsentationsbedürfnis manifestierte sich außerdem in einer aufwendigen prachtvollen Hofhaltung, einer eifrigen Kunstsammeltätigkeit, in pompöser Inszenierung profaner und sakraler Feste. Die mit seiner Rolle als Bauherr und großzügiger Mäzen verbundenen kulturellen Leistungen wirkten stilprägend auf die engere und weitere Umgebung des Hofes, setzten Glanzlichter und Maßstäbe im künstlerischen Ambiente dieses nordwestdeutschen Bischofsreiches. - Seinen Doppelfunktionen als weltlicher Landesherrscher wie als geistlicher Oberhirte vermochte K. nur teilweise genügend gerecht zu werden. Sein sensibles, nervöses, stets zwischen extremen Seelenzuständen schwankendes, leicht beeinflußbares Naturell war gepaart mit einem allgemeinen Desinteresse an Regierungsgeschäften überhaupt und erschwerte jede kontinuierliche Zusammenarbeit, was sich nachhaltig negativ auf die politische Entwicklung auswirkte. Als Oberhirte zwar von tiefer priesterlicher Frömmigkeit erfüllt und dem lebhaften Wunsch, dem katholischen Glauben auch fürderhin Geltung zu verschaffen, scheiterte jede weitergehende sittliche Vorbild-Forderung an dem überaus sinnes- und genußfreudigen Lebensstil dieses Kirchenfürsten.

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Landesherr und Mäzen des 18. Jhs. Ausstellung in Schloß Augustusburg zu Brühl 1961; - Michael Niessen, Hoch- und Deutschmeister Clemens August, Kurfürst von Köln (Diss. Masch. Wien) 1973; - Friedrich Keinemann, Die europäischen Mächte und die Wahl des Herzogs Clemens August v. Bayern zum Fürstbischof von Münster, Paderborn und Osnabrück (1716-1728), in: Ders., Ancien Régime, Kulturkampf, Nachkriegszeit. Neue Beiträge zur westfäl. Landesgeschichte, Hamm 1974, 5-76; - Franziska Jäger-von Hoesslin, Die Korrespondenz der Kurfürsten von Köln aus dem Hause Wittelsbach (1583-1761) mit ihren bayer. Verwandten, Materialien zur Rhein. Gesch. 1, 1978, bes. 11 f., 166 ff., 184, 208 ff. (Rez. v. Günter Christ, in: ZBLG 42, 1979, 766 ff.; - v. Ludwig Hüttl, in: AHVNrh 183, 1980, 277 ff.; - v. Wilhelm Volkert, in: HZ 230, 1980, 705 f.); - Georg Bönisch, Der Sonnenfürst. Karriere und Krise des Clemens August, Köln 1979 (Rez. v. 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Ingrid Münch

Literaturergänzung:

Barbara Hausmanns, Auf d. ewigen Suche nach Ruhm u. Schönheit - Fürstl. Mäzenatentum im 18. Jhr.: d. Beispiel C.A., Kurfürst von Köln, Fürstbischof von Münster, Paderborn, Osnabrück u. Lüttich, in: Westfälische Forschungen 55.2005, S. 135-168; - Dela von Boeselager, D. Votivgewänder d. Kurfürsten C.A. für d. Telgter Madonna, in: Kölner Domblatt 70.2005, S. 181-200; - Martin Miersch, Das Bild d. Electeur soleil. Herrscherikonographie des Rokoko am Beisp. d. Kölner Kurfürsten u. Deutschordenshochmeister C.A. (1700-1761). Marburg 2007.

Letzte Änderung: 03.08.2007