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Band IV (1992) Spalten 39-41 Autor: Roland Böhm

KLEPPER, Jochen, Schriftsteller, * am 22.3. 1903 in Beuthen, † am 11.12. 1942 in Berlin. - K. wuchs in der Tradition eines evangelischen Pfarrhauses auf, der er sein Leben lang verhaftet blieb. Wie selbstverständlich studierte er nach der Schulzeit in Breslau und Erlangen Theologie. Nicht zuletzt aufgrund seiner äußerst labilen Gesundheit verzichtete er darauf, Pfarrer zu werden. Statt dessen suchte und fand er in der kirchlichen Presse- und Rundfunkarbeit die Bestätigung eigener Begabung und Leistung. Die Realisierung seines eigentlichen Berufsziels freier Schriftsteller gelang erst, als seine spätere Frau ihm half, die Verworrenheit und Depressionen seiner Jugendjahre zu überwinden. K. lernte die um 11 Jahre ältere Johanna Stein, geb. Gerstel, 1929 kennen; sie stammte aus einer alten, vornehmen jüdischen Familie und brachte zwei Töchter in die 1931 geschlossene Ehe mit. Diese Hochzeit bedeutete aber gleichzeitig Bruch mit dem Elternhaus und der Heimat. Die Familie siedelte nach Berlin über, K. arbeitete dort beim Rundfunk. Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten verlor er 1933 seine Stellung beim Funk und 1935 die anschließende Tätigkeit beim Ullstein-Verlag. Der Kampf um seine Ehe und um seine Existenz als Schriftsteller spitzte sich immer weiter zu, 1937 wurde er aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen. Da die Familie ausschließlich von seiner Schriftstellerei lebte, bedeutete das faktische Berufsverbot eine unmittelbare Gefährdung der materiellen Existenz. K. erkämpfte sich aber eine, wenn auch von Kontrollen und Einschränkungen belastete Sondergenehmigung zur Fortsetzung seiner Tätigkeit. Im Dezember 1940 wurde er zur Reichswehr eingezogen, aber bereits im Oktober 1941 wegen »Wehrunwürdigkeit« wieder entlassen. Im Zuge der Verschärfung der Judenverfolgung nahm auch der Druck auf seine Familie zu. Zwar war es der älteren Stieftochter kurz vor Kriegsbeginn gelungen, nach Schweden zu emigrieren, aber für seine Frau und seine jüngere Stieftochter war es zu spät. Als im Dezember 1942 nach langen, quälenden Bemühungen die Deportation unmittelbar bevorstand, wählte K. mit seiner Familie den Freitod. - Neben seinem erzählerischen Hauptwerk, dem historischen Roman »Der Vater«, haben vor allem seine posthum veröffentlichten Tagebuchaufzeichnungen der Jahre 1932-1942 Aufsehen erregt. Darin schildert der gläubige Christ, der fest der preußisch-protestantischen Tradition - mit all ihrer Fragwürdigkeit - verpflichtet war, minutiös den tragisch-aussichtslosen Kampf um die Existenz seiner Familie gegen eine verbrecherische Staatsführung inclusiv aller seiner Versuche, sich anzupassen, sich irgendwie zu arrangieren, nur um einen Bruch mit der eigenen Tradition zu vermeiden.

Werke: Der Kahn der fröhlichen Leute, 1933; Du bist als Stern uns aufgegangen. Gedichte, 1937; Rheinsberg und Hoenslardyck, in: Weiße Blätter 1936, 312-320; Der Vater. Roman des Soldatenkönigs, 1937; In tormentis pinxit. Briefe und Bilder des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I., Königs von Preußen, 1938; Der Soldatenkönig und die Stillen im Lande. Begegnungen Friedrich Wilhelms I. mit August H. Francke, August G. Francke, Johann A. Freylinghausen, Nikolaus L. Graf von Zinzendorf, 1938; Kyrie. Geistl. Lieder, 1938; Von der Bedeutung des evangel. Pfarrstandes, in: Weiße Bll. 1939, 100-109: Das Werk Reinhold Schneiders, in: ebd., 36-41; Rheinsbergs letzte Nacht, in: ebd. 1940, 112-120; Der christl. Roman, 1940; Das halte fest. Ein Weggeleit aus Gottes Wort, 1940 (Der Eckart-Kreis 53); Die Besonderheit des christl. Romans, in: Zeitwende 1941, 161-167; Gedichte. Olymp. Sonette. Der König, 1947; Die Flucht der Katharina von Bora. Aus dem Nachlaß, hrsg. u. eingel. von Karl Pagel, 1951; Unter dem Schatten deiner Flügel. Aus den Tagebüchern der Jahre 1932-42, hrsg. von Hildegard Klepper, 1956 (Werk- und Lit.verzeichnis); Überwindung. Tagebücher und Aufzeichnungen aus dem Kriege, hrsg. von Hildegard Klepper, 1958; Nachspiel. Erzählungen, Aufsätze, Gedichte, hrsg. von Kurt Ihlenfeld, 1960; Gast und Fremdling. Briefe an Freunde, hrsg. von Eva-Juliane Meschke, 1960; Das ewige Haus. Romanfragment aus dem Nachlaß hrsg. von Karl Pagel, 1963; Briefwechsel 1925-42, hrsg. von Ernst R. Riemschneider, 1973. - Gab heraus: Deutsche Gespräche von ewigen Dingen, 1934; Claus Harms, 1936.

Lit.: Reinhold Schneider, Eine Begegnung, 1956; - Kurt Ihlenfeld, Freundschaft mit J. K., 1958 (19672); - Rudolf Wentorf, J. K., ein Dichter im Dennoch, 1964; - Ders. (Hrsg.), Nicht klagen sollst du: loben. J. K. in memoriam, 1967; - Ders., J. K. in Berlin, 1967; - Ilse Jonas, J. K., Dichter und Zeuge, 1967; - Dichter der Kirche: Rudolf Alexander Schröder, J. K., Siegbert Stehmann, 1967; - Klaus Baumann, Die Bedeutung der Bibel in Theorie und Wirklichkeit der Dichtung bei J. K., Diss. Hamburg, 1967; - F. Teschner, J. K., in: Schles. Lebensbilder V, 1968, 255-268; - H. von Arnim, Christl. Gestalten neuerer dt. Dichtung, 1972; - Günter Wirth, J. K., 1972; - Ernst Riemschneider, Der Fall K., eine Dokumentation, 1975; - Rita Thalmann, J. K., ein Leben zwischen Idyllen und Katastrophen, 1977; - Arno Lubos, J. K. Werke. Beschreibung und Biographie, 1978; - Heinz Grosch, Nach J. K. fragen, 1982; - Gérard Imhoff, J. K. Contribution à l'étude de l'émigration intérieure, 1982 (= Publications universitaires européenes, 1, Vol. 554); - RGG III, 1660 f.; - NDB XII, 47 f.; - Brockhaus X, 258 f.; - KLL VIII, 1313-1315.

Roland Böhm

Textanmerkung:

Jochen Klepper Geburtsort ist Beuthen. Dieser Ort liegt in Niederschlesien, Kreis Glogau, an der Oder. Die älteste Tochter (Brigitte) ist nicht nach Schweden, sondern nach England emigriert. Vgl. Tagebuch 10.5.1939. Der Nachlaß liegt im Deutscher-Literaturarchiv Marbach.

Werkeergänzung:

Gott hält sich nicht verborgen. 7. Aufl. Neukirchen-Vluyn 2008.

Literaturergänzung:

1993

Joachim Mehlhausen: J.K. Eine Gedenkrede und Anmerkungen zum Forschungsstand. Zeitschrift f. Kirchengeschichte 104, 1993, 358-376; - Emiko Dorothea Araki: J.K. Aufbruch zum ewigen Haus. Eine Motivstudie zu seinen Tagebüchern. (Christliche deutsche Autoren des 20. Jh. Hrsg. v. Ekkehard Blattmann Bd. 3), Frankfurt/M 1993; -

1998

Martin Johannes Wecht: J.K. Ein christlicher Schriftsteller im jüdischen Schicksal (Stud. z. Schlesischen u. Oberlausitzer Kirchengesch. 3), Düsseldorf/Görlitz 1998 (mit umfassender Bibliographie); -

2006

Lothar Schieck, "Das Problem meines Lebens ist die Heiligung geworden ...". Zur christl. Existenz d. Dichters J.K. (1903-1942), in: ThPr 32.2006, S. 23-60; -

2008

Helmuth Reske, In seinem Wort mein Glück. J.K.s Ringen mit d. Bibel in seinen Tagebüchern. Neukirchen-Vluyn 2008; -

2009

Heinrich Silber, Der Tag ist nicht mehr fern. Calvin, Melanchthon, Klepper u. Delp. Stundenentwürfe f.d. Seniorenarbeit. Neukirchen-Vluyn 2009; - Thomas de Padova, Das Weltgeheimnis. Kepler, Galilei u.d. Vermessung d. Himmels. München 2009; - Elisabeth Stiefel, Kleine Chronik großer Paare. Aus d. Leben von Ida u. Friedrich von Bodelschwingh, Anna Rebekka und Matthias Claudius, Coretta Scott King und Martin Luther King, Hanni Stein und Jochen Klepper, Joy Davidman und C.S. Lewis und abderen. Marburg 2009.

Letzte Änderung: 19.01.2010