KNIPPERDOLLING (Knipperdollinck, Knypperdollynck, eigentlich van Stockem),
Bernhard (Bernt, Bernd), Führer der Täuferbewegung, * Münster (Westf.)
Anf. 16. Jh., + ebd. 22.1. 1536. - K. stammt aus einer wohlhabenden
Tuchhändlerfamilie in Münster, über seine Jugend ist nichts bekannt.
1525 heiratete er Margaretha Kannengeter (* 1510, hingerichtet 1535).
Schon 1528 geriet er in Konflikt mit der Stadt u. dem Bischof, den
er beim Reichskammergericht verklagte. Durch sein selbstbewußtes Verhalten
galt der eifrige Parteigänger der evangelischen Bewegung bei Zeitgenossen
als »ein dreist u. ein stolt man«. Er schloß sich dem radikalen Flügel
der Täuferbewegung an, die sich in Münster um den Prediger Bernd Rothmann
sammelte. Am 15.1. 1534 wurden in seinem Haus die ersten Taufen vollzogen.
Zu den zugewanderten »Propheten« übergegangen, wurde er nach der Verdrängung
v. Bischof u. Rat der Stadt am 24.2. 1534 Bürgermeister v. Münster.
Auf Jan Matthys wirkte er mäßigend ein, als dieser alle »Gottlosen«
töten lassen wollte. K. versuchte auch, als Prophet zu wirken, wurde
aber 1535 v. seinem Schwiegersohn Johann v. Leiden abgesetzt. Als
er Widerstand leistete u. selbst das geistliche Königtum beanspruchte,
wurde er vorübergehend eingesperrt. Der Königserhebung Johanns stimmte
er nach anfänglichem Zögern aber zu. Bei der Eroberung Münsters wurde
er festgenommen, im Lande herumgezeigt u. v. Corvinus in Horstmar
verhört, wobei seine Kirchenfeindschaft zum Ausdruck kam. Zusammen
mit seinem Schwiegersohn wurde er hingerichtet, sein Leichnam in einem
eisernen Käfig am Turm der Lambertikirche aufgehängt. - Trotz
seiner treuen Anhängerschaft zu Johann v. Leiden gilt er in der Forsch.
mehr als Abenteurer denn als religiöser Eiferer. Für die gesamte Zeit
der Täuferunruhen ist er als der Führer der Münsterischen anzusehen.
Bibliographien: Westfälische Bibliogr. zur Gesch., Landeskunde
u. Volkskunde (s.v. »Wiedertäufer«) II, 473-479; Karl Wilhelm Bouterwek,
Zur Wiedertäufer-Lit., In: Zschr. des Bergischen Geschichtsver. 1,
1864, 280-344; Paul Bahlmann, Die Wiedertäufer zu Münster. Eine bibliogr.
Zusammenstellung, In: Westfälische Zschr. 51, 1893, 119-174, wieder
1894; Heinrich Detmer, Ungedruckte Qu. zur Gesch. der Wiedertäufer
in Münster. In: Westfälische Zschr. 51, 1893, H. I, 90-118; Klemens
Löffler, Zur Bibliogr. der münsterischen Wiedertäufer, In: ZBlfBibl
24, 1907, 116-118; Hans Schiedung, Beitrr. zur Bibliogr. u. Publizistik
über die münsterschen Wiedertäufer (Diss. Münster), 1934; Walter Köhler,
Das Täufertum in der neueren kirchenhist. Forsch., Literaturberichte.
In: ARG 37, 1940, 93-107, ARG 38, 1941, 49-64, ARG 40, 1943, 246-270;
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(QFRG XXX, Qu. zur Gesch. der Täufer 10).
Lit.: Antonius Corvinus, Acta: Handlungen: Legation u.
schriffte: so durch Herrn Philipsen, Landgraven zu Hessen etc. Inn
der Münsterschen Sache geschehen. Item ... Gespreche ... Antoni Corvinji
u. Joannis Kymei mit dem Münsterschen König, mit Knipperdölling u.
Krechting ... gehalten, 1536; - August Ludwig v. Schlözer, Die
Wiedertäufer zu Münster, 1784, Nachdr. 1919; - G. Werner, Der
hochnothpeinliche Prozeß gegen den Wiedertäuferkg. Johann v. Leyden
u. seine Genossen zu Münster in Westfalen 1535-1536. Nach den vorhandenen
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in Münster, In: Westfälische Zschr. 7, 1844, 359-379; - Heinrich
Dorpius, Die Wiedertäufer in Münster. Zur Gesch. des Communismus im
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De fontibus quibus in hist. seditionis Monasteriensis anabaptisticae
narranda viri docti huc usque usi sunt (Diss. Münster), 1850; -
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1853 (Die Geschichtsqu. des Bist. Münster 2), Neudr. 1965; - Ders.,
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Arbeiten vornehml. zur Reformationszeit 1899, 73-92; - Ders.,
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Zur Gesch. der Münsterischen Wiedertäufer, In: Ders., Hist. Arbeiten
vornehml. zur Reformationszeit 1899, 93-104; - Karl Ziegler, Das
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Kerssenbrock, Anabaptistici furoris Monasterium inclitam Westphaliae
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