KNOLLER, Martin, Maler, * um den 8.11. 1725 in Steinach am Brenner,
† 24.7. 1804 in Mailand, Sohn des Tiroler Dekorationsmalers
Franz Chnoll. - K. absolvierte seine Lehre bei seinem Vater. Anschließend
wurde er für kurze Zeit Schüler des Malers Ignaz Pögl in Innsbruck.
Seit 1744 war er dann Schüler des bedeutendsten österreichischen Freskenmalers
Paul Troger, der 1745 Professor der Wiener Kunstakademie wurde und
anregend auf eine ganze Generation von Malern des Spätbarock in Österreich
wirkte. Die Jahre 1752 und 1753 verbrachte er an der Wiener Akademie.
Für das nicht erhaltene Gemälde »Der junge Tobias« erhielt er 1753
einen 2. Preis. Von 1755-1757 hielt sich K. zum ersten Mal in Rom
auf. Dort schloß er Freundschaft mit dem Maler Anton Raphael Mengs
und dem Altertumsforscher Johann Joachim Winckelmann. Das Jahr 1758
verbrachte er dann auf Veranlassung des österreichischen Gesandten
Graf J. von Firmian in Neapel. Im Jahre 1759 schließlich ging K. nach
Mailand, das seitdem sein ständiger Wohnsitz wurde. Von 1760-1765
schloß sich ein zweiter Romaufenthalt an. Im Jahre 1765 wurde er Hofmaler
des österreichischen Statthalters in Mailand. Dort heiratete er 1767
Annunciata, eine Tochter des Kaufmanns Cardani. In den folgenden Jahren
erhielt K. eine Reihe von Aufträgen für die künstlerische Ausstattung
von Kirchen. So wirkte er 1766 in Volders bei Hall in Tirol, 1769
in Ettal, 1771-1775 in Neresheim und 1785-1786 in Innsbruck. Die Jahre
1790 und 1791 verbrachte er in Wien, wo er Porträts für Angehörige
des Kaiserhauses (Maria Theresia, Joseph II., Franz I.) schuf. Im
Jahre 1791 wurde er Ehrenmitglied der Wiener Akademie. Von 1793-1802
war er Professor an der Akademie in Mailand. Im Jahre 1802 wurde er
in die Mailänder Accademia Nazionale di Belle Arti aufgenommen. -
K. wirkte vor allem als Freskenmaler. Sein bedeutendstes Werk in dieser
Gattung dürfte die Ausstattung der von Balthasar Neumann gebauten
Kirche von Neresheim sein, die geradezu vom Wirken dieser beiden Künstler
lebt. Die Raumwirkung der Kirche wird durch die Plastizität der Deckenfresken
erst richtig zur Geltung gebracht. In der Maltechnik stand K. zuerst
in der Tradition des Rokoko, um dann später Elemente des frühen Klassizismus
(vor allem unter dem Einfluß von Mengs und Winckelmannn) mit zu berücksichtigen.
Aber auch sein Wirken als Porträtist hat einige erstaunliche Leistungen
hervorgebracht. An erster Stelle ist hier das 1774 entstandene Porträt
des Malerkollegen Ignaz Günther zu nennen. K. gilt als der letzte
der großen Maler des Barock im süddeutsch-österreichischen Raum.
Werke: Der junge Tobias, 1753 (verschollen); Anras (Pustertal),
St. Stephan, Fresko, 1754; Volders, St. Bartholomäus, Fresken; Ettal,
Klosterkirche, Fresken und Bilder (Fresken im Altarraum: die drei
göttl. Tugenden und in Erweiterung des Altarbildes, der Empfang Mariens
im Himmel. - Bilder: Marter der hl. Katharina, hl. Sebastian,
hl. Familie, Aufnahme Mariens in den Himmel, 1769, 1786; Neresheim,
Fresken, 1771-1775; Bürgersaalkirche, München, Fresken, 1775 (nicht
erhalten); Innsbruck, Palais Fugger-Taxis, Fresken, 1785-1786; Weilheim,
Mariä Himmelfahrt, Beweinung Christi, 1790.
Lit.: H. v. Clausen, M. K., in: Btrr. zur Gesch., Statistik,
Naturkunde und Kunst in Tirol und Vorarlberg VI, 1831, 209 ff.; -
J. Popp, M. K., 1904 (= Diss. München, 1903); - H. Hammer, Eine
Sammlg. unbek. Handzeichnungen M. K.s in Stams, in: Zschr. des Ferdinandeums
III, 1906, 421-451; - Ders., Die Entwicklung der barocken Malerei
in Tirol, 1912; - A. Feulner, Skulptur und Malerei des 18. Jh.s,
1929, 238 f.; - H. Tintelnot, Die barocke Freskomalerei in Dtld.,
1951, 230-236; - M. Weingartner, M. K. (1725-1804). Ölgemälde
und Zeichnungen, Diss. Innsbruck, 1959. - Katalog: Die Sammlung
Reuschel, 1963, 48 ff.; - K. Rossacher, Visionen des Barock, Ausstellung
Darmstadt, 1965, 72 f.; - G. P. Woeckel, Art. M. K., in: KML
III, 1966, 682 ff.; - Ders., Ignaz Günther, Die Handzeichnungen
..., 1975, 17; - G. Barthel/N. Stoffels, M. K., Maler. Seine Ölskizzen
zu der Fresko-Malerei in den Kuppeln in der Abteikirche Neresheim,
1967; - I. Ringler, Die barocke Tafelmalerei in Tirol I, 1973,
196 ff.; - Reinhold baumstark, M. K.s Altarbll. für Kloster Ettal,
in: Münchner Jb. der Bildenden Kunst XXV, 1974, 175 ff.; - Edgar
Baumgartl, M. K. (1725-1804) als Deckenmaler, Diss. Erlangen-Nürnberg,
1984 (Buchausgabe, 1986); - Baier, Künstler-Lex., 1810, 154; -
Thieme-Becker XXI, 25 ff.; - NDB XII, 209 f.; - LThK 2VI,
359.
Hans-Josef Olszewsky
Literaturergänzung:
Edgar Baumgartl, M.K. 1725-1804. München 2004.
Letzte Änderung: 06.11.2011