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Band IV (1992) Spalten 181-183 Autor: Wolfdietrich v. Kloeden

KNUD (Canut IV.) der Heilige, * 1043, † 10.7. 1086 (erschlagen) in Odense, Sohn von König Svend Estridsen. - K. d. H. war staats- und kirchenpolitisch eine kraftvolle und harte Herrschergestalt, wovon der Beiname »der Heilige« stark ablenkt. Er bemühte sich zugunsten seiner politischen Ambitionen (Stärkung der Königsmacht!) eine kirchentreue Haltung vorzuleben. Nach dem Tode seines Bruders Harald Hèn wurde er 1074 König von Dänemark. Dies geschah durch schnelles Handeln ohne Wahl und Zustimmung der Untertanen auf dem Landesthing. Keineswegs war das Volk über diese Königserhebung begeistert. So brachen während der gesamten Regierungszeit K. d. H. Unruhen aus, die schließlich auch zu seinem gewaltsamen Tode führten. Die Persönlichkeit von K. d. H. ist im Ganzen schwer faßbar, da es nach seinem Tode eine Reihe tendenziöser Lebensbeschreibungen gab, die ihn als treuen Mann der Kirche zeichneten. Die Wurzeln lagen zweifellos in seinem plötzlichen Tod in der von ihm selbst gegründeten Kirche St. Alban in Odense. Daß sich hieran Legenden knüpften, ist nicht verwunderlich (vgl. die Schilderungen in der Roskildechronik, bei Saxo Grammaticus und in der isländischen Knuds-Saga!). Für den Historiker wichtig ist, daß von K. d. H. die erste, erhaltene Schenkungsurkunde herrührt. Sie betrifft die St. Laurentius-Kirche in Lund. Das verweist auf das Bestreben des Königs, durch Schenkungen, wie solche an die Kirchen von Dalby, Roskilde und Viborg, die Bischöfe für sich und die zentrale Königsmacht zu gewinnen. So bestätigte er auch die von seinem Vater endgültig bestimmten sieben Bistümer für das Königreich. Er förderte den Kirchenbau. Es wurde in Odense eine große Steinkirche errichtet, die dem englischen Heiligen St. Alban geweiht wurde (s. o.!). In diesem Zusammenhang holte K. d. H. Benediktinermönche aus England. Er organisierte Staats- und Kirchensteuern neu und führte den »Kirchenzehnten« ein. Die Kirchengebote wurden wieder in das Bewußtsein des Volkes gerückt, um die Moral zu heben. Daß der König selbst überall kirchliche Reformen in die Wege leitete, zeigte den Willen zur Festigung seiner Zentralmacht. So brach er - im Widerspruch zu seinen Vorgängern - mit dem Papst in Rom, begab sich aber damit in die Abhängigkeit der deutschen kirchlichen Oberhoheit (Erzbistum Bremen). Sein Traum, England zu erobern, konnte er nicht verwirklichen. Diesem Traum diente auch die Eheschließung 1082 mit Edel, einer Tochter des Grafen von Flandern, der ein unerbittlichter Gegner Wilhelm des Eroberers war. Anläßlich des Eroberungsplanes von England ließ K. d. H. eine Flotte im Limfjord zusammenziehen. Er selbst verspätete sich. Die Unzufriedenheit der Schiffsmannschaft und der Bauern - nicht nur über die Wartezeit! -, die Streitigkeiten mit seinem Bruder Olaf, dem späteren König »Olaf Hunger«, führten zu dem Aufstand 1086. Auf der Flucht wurde K. d. H. schließlich in seiner St. Alban-Kirche zu Odense erschlagen. Seine Biographie wurde von dem englischen Mönch Ailnoth um 1100 in Odense geschrieben, welche sehr zu der Heiligenverehrung beitrug. 1101 bereits wurde K. heiliggesprochen. Seitdem ist er Patron Dänemarks (Feste: 19. Januar und 10. Juli).

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Lit.: Saxo Grammaticus, Hist. Dan. LL. XVI, lib. 11, ed. Stephanius, Sor. 1644, 214-222; - M. C. Gertz, Vitae sanctorum Danorum, 1908-1912, 27-168, 531-558; - Curt Weibull, Saxo. Kritiska undersökningar i Danmarks historia från Sven Estridsens död till Knut VI. Disp., Hist. T. f. Skånland VI, 1915, 1-286, Sonderdr. Lund 1915; - Agnes Slott-Möller, Knud Konge, Danmarks Skytshelgen, Nationale Vaerdier, 1917, 7-39; - P. D. Steidl, K. d. H., Danmarks Vaernshelgen, 1918; - Hal Koch/Björn Kornerup, Den danske Kirkes Historie I, 1950, 115-122; - Acta SS IuL III (1723), 114-141; - BHL, 1550-1553; - KL II, 1879; - LThK VI, 362; - DHB (1913-1942), I, 116; - KiG II, E, 69-73 (Lit.); - Dan. Hist. (19692), III, 60-92; - EBrit II (15- ed. 1985), 820 f.

Wolfdietrich v. Kloeden

Literaturergänzung:

1985

Tore Nyberg, König Knut der Heilige, Teuzo u.d. Peterspfennig aus Dänemark, in: AHP 23.1985, S. 359-365.

Letzte Änderung: 06.11.2011