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Band IV (1992) Spalten 183-186 Autor: Susanne Schurr

KNUD LAVARD, Jarl in Schleswig, Sohn des dänischen Königs Erich, * 1096, + 1131 bei Haraldstedt nahe Ringstedt. - Da K. bei dem Tod seines Vaters im Jahr 1103 noch minderjährig war, erhielt sein Onkel Niels die Nachfolge im Reich. K., dem keine besonderen Aufgaben zugeteilt werden, ging an den Hof des Herzogs von Sachsen, Lothar von Supplinburg, dem späteren deutschen König. Diese Jahre legten den Grundstein für ein gutes Verhältnis und ein später fruchtbares Miteinander zwischen K. und Lothar. Um 1115 wurde K. angesichts der Slawengefahr von seiner Familie in der Funktion des Jarl (gleichen sprachgeschichtlichen Ursprung wie engl. »earl«) von Schleswig an die Grenze des dänischen Territoriums bestimmt, besaß fortan als eine Art Markgraf die Kommandogewalt am Dannewerk und beendete erfolgreich die Einfälle der Abotriten. Der dänische Chronist Saxo Grammaticus faßte die Bestellung mit der Präfektur von Schleswig als eine Art Abfindung auf, womit K. auf Anspruch bezüglich der Krone seines Onkels verzichtete. Innerhalb seines neuen Wirkungsbereiches zeichnete K. sich nun durch weitreichende Aktivitäten aus. Da er die große Bedeutung des andernorts aufblühenden Handels erkannt hatte, förderte er diesen entschieden, indem er die Kaufleute in seinen Schutz nahm, Handelswege sicherte, städtische Befestigungsanlagen bauen ließ und die planmäßige Befriedung des Landes vorantrieb. Hierbei nutzte er die Erfahrungen der Jahre am Hofe Lothars und übernahm das Beispiel der unter handelspolitischen Gesichtspunkten geschaffenen Verwaltungsformen des sächsischen Reiches in den nordischen Bezirk. Zur Festigung seiner Politik wurde Knud, wie die Seeländischen Chronik für das Jahr 1130 überliefert, nicht nur Mitglied einer Kaufmannsgilde, sondern fungierte sogar Ältermann und Schutzherr derselben. Im kirchlichen Bereich wurde er mittels der Unterstützung Vicelins, der Wiederherstellung einer Kirche in Alt-Lübeck und der Förderung der Mönche in Vicelins Kloster Faldera (Neumünster) tätig. Durch diesen breiten Maßnahmenskatalog gelang es Knud, von ursprünglich schmaler Machtgrundlage aus zu Eigenherrschaft zu kommen. Gefestigt wurde seine Macht durch die Begabung mit dem Königtum der Abotriten um 1128/29 durch König Lothar III., unter dessen Schutz K. als dessen Lehnsmann fortan stehen sollte. Entsprechend trat K. 1129/30 auf dem Reichstag zu Schleswig gegenüber seinem Onkel als gleichberechtigter Herrscher auf und verweigerte ihm die schuldige Ehrerbietung. Zwar wurde diese feindliche Spannung beglichen, doch nährte der Machtzuwachs K.s, der seine Chancen als Thronfolger vermehrte, den Groll seines Vetters Magnus. Dieser wollte die eigene Thronfolge zu seines Vaters Lebzeiten gesichert sehen und verbündete sich u.a. mit Heinrich Skadelaar, einem weiteren Vetter K.s, um K. am 7.1.1131 schließlich auf Seeland, in der Nähe von Ringstedt, wo gemeinschaftlich das Weihnachtsfest gefeiert wurde, zu erschlagen. Der erboßte dt. König verlangte und erhielt zur Sühne für den Mord eine Buße und feierliche Huldigung des dänischen Prinzen. Weitere Eingriffe von seiten Lothars wendete Magnus dadurch ab, daß er 1134 auf einem Hoftag von Halberstadt dessen Lehnsmann wurde und ihm seine Reich zu Lehen gab. Trotz dieses geschickten Schachzugs fiel Magnus jedoch im Kampf gegen Erich, der damit seinen älteren Bruder rächte. König Niels wurde in Schleswig von den Kaufgildemitgliedern erschlagen, die damit ihren Oldermann rächten. Erich begann nun - zur Rechtfertigung des Thronkampfes oder Festigung der Königsfolge - planvoll einen Heiligenkult für seinen Bruder zu begründen. Er stiftete 1135 zu dessen Andenken in Ringstedt ein Kloster, wo der Mönch Robert von Ely eine leider nur noch in Exerpten erhaltene dreibändige Vita des zukünftigen Heiligen abfaßte. In der Heiligentradition des Olaf von Norwegen und Knud IV. von Dänemark wurde K. in Anlehnung an deren Viten als rex iustus, Förderer wie Schützer der Kirche sowie als Verteidiger gegen die heidnischen Wenden und Märtyrer verehrt und 1169 von der Kirche heilig gesprochen. Zu Kultzwecken wurde im Auftrag König Waldemars, dem Sohn K.s, nun auch eine kurze Vita Kanuti abgefaßt, die das historische Leben K.s mit hagiographischen Motiven ergänzte. In späteren Quellen über K. gehen hagiographische Züge dann eher zurück. Den Beinamen Lavard erhielt Knud in der Knytlingasaga (Kap. 85), die von ihm erzählt; er bedeutet Herr und entspricht dem engl. Lord. Die durch Waldemar beim Papst erwirkte Translation der Reliquien am 25.6.1170 machte das Kloster zum Pilgerzentrum und Hauskloster der Königsfamilie. Hier wurde nun auch ein Verzeichnis über die Wunder des Heiligen angelegt, wo vor allem Krankenheilungen an Blinden, Stummen und Lahmen aufgeführt wurden. Die Kultstätte wurde zum Zentrum für die Kaufmannsgilden der neugegründeten dänischen Städte. Nachdem sich die Schleswiger Gilde zum Gedenken an K. nach ihm benannt hatte, standen die Knudsgilden fortan unter dem Schutz der dänischen Könige, welche als Nachkommen des Gildeheiligen stets selbst Gildemitglieder waren.

Lit.: Georg Waitz (Hrsg.), Vita Canuti ducis (Abhandl. der Göttinger Societät der Wiss.), 1858; - Usinger (Hrsg.), Vita Canuti ducis (Qsmlg. d. Ges. f. Schleswig-Holstein-Lauenburgische Geschichte IV); - Hermann Reich, Knud Lavard, Herzog von Schleswig. In: Jbb f.d. Landeskunde der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg X, 1869, 203-254; - Paul Hasse, Das Schleswiger Stadtrecht, Kiel 1880, 113-119;- Hans Olrik, Knud Lavards Liv og Gaerning, Kopenhagen 1888; - Horst Windmann, Schleswig als Territorium (Qu. u. Forsch. z. Gesch. Schleswig-Holsteins XXX), 1954, 19-50; - Tue Gad, Legenden in dansk Middelalder, Kopenhagen 1961, 162 ff.; - Alfred Otto, Knud Lavard. In: Catholica XXVII, 1970, 54 ff.; - Erich Hoffmann, Die heiligen Könige bei den Angelsachsen und den skandinavischen Völkern (Qu. u. Forsch. z. Gesch. Schleswig-Holsteins LXIX) 1975, bes. 139-175; - Ders., Königserhebung und Thronfolge in Dänemark bis zum Ausgang des Mittelalters (Beitrr. zur Gesch. u. Quellenk. d. MA V), Berlin 1976, bes. 67-81; - Ders., Beiträge zur Geschichte der Stadt Schleswig und des westlichen Ostseeraums im 12. und 13. Jh. In: Zs. d. Ges. f. Schleswig-Holsteinische Gesch. CV, 1980, 27-76, bes. 32-40; - Ders., Knutsgilde und Königshaus. In: Stadtherrschaft und Bürgertum, S.7 f.; - Walther Lammers, Das Hochmittelalter bis zur Schlacht von Bornhöved. In: Gesch. Schleswig-Holsteins IV,1, 1981, 237-51; - Tore S. Nyberg, Die Kirche in Skandinavien (Beitrr. z. Gesch. u. Qkde. d. MA X) Sigmaringen 1986; - ADB XVI, 328-330.

Susanne Schurr

Letzte Änderung: 09.06.1998