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Band IV (1992) Spalten 223-224 Autor: Dieter Skala

KOCH, Wilhelm, kath. Theologe, * 21.9. 1874 in Ludwigsburg, † 20.1. 1955 in Tettnang. - Nach seinem Theologiestudium in Tübingen erhielt K. 1898 die Priesterweihe. Dort wurde er 1902 - nach seelsorgerlicher Tätigkeit in Stuttgart und Rottenburg - Repetent, 1905 außerordentlicher Professor für Dogmatik und Apologetik. Klagen über K.s Lehrmeinungen wurden schon bald an den Rottenburger Bischof Keppler herangetragen. Insbesondere ging es um die Schutzengellehre und die Frage der Besessenheit im Neuen Testament. In einem persönlichen Gespräch mit Keppler versprach K. einen Verzicht auf die umstrittenen Lehren bzw. ihre Korrektur. Mit der Einführung des Antimodernisteneids 1910 kam es zur erneuten Auseinandersetzung zwischen K. und Regens Rieg aus Rottenburg, der ihn wiederum der Falschlehre bezichtigte. 1912 beantragte Bischof Keppler die Amtsenthebung K.s beim Ministerium. Die Auseinandersetzungen K.s mit dem Ordinariat wurden zum Teil vor ordentlichen Gerichten ausgetragen (Klage K.s gegen Rieg wegen unerlaubten Nachdrucks von Vorlesungsteilen in Riegs »Vertrauliche Mitteilungen über den Fall W. K.«, Ulm 1913) und auch von der Presse breit aufgegriffen. Obwohl sich das Ordinariat in der Frage der Amtsenthebung nicht durchsetzen konnte, verzichtete K. 1916/17 auf seine Professur und ging in die Seelsorge. Zunächst Garnisonspfarrer in Lille, wurde K. 1919 Stadtpfarrer in Binsdorf, 1929 in Waiblingen, 1933 in Tettnang. Seit 1938 Dekan, geriet K. mehrfach in Konflikt mit den nationalsozialistischen Herrschern. 1941 wurde er für drei Wochen in Gestapohaft genommen und wegen Regimekritik und Verstoß gegen den Kanzelparagraphen zu Gehaltskürzung und Geldstrafe verurteilt. Er erhielt ein Aufenthaltsverbot für den Kreis Friedrichshafen und verzichtete deshalb auf seine Pfarrei. Nach einem Aufenthalt in Stetten b. Tuttlingen (1942-1946) kehrte er nach Tettnang zurück, wo er 1955 als Pensionär starb. - K., sehr früh auf einen wichtigen Lehrstuhl berufen, zog sich als Hochschullehrer zurück, bevor sein »Fall« zum anhaltenden Ärgernis werden und eine dauerhafte Entfremdung hervorrufen konnte. Dem Bischof gegenüber war er loyal und als Seelsorger überzeugend. Anfänglich mit der Machtübernahme Hitlers einverstanden, trat er der nationalsozialistischen Weltanschauung etwa ab 1936 mutig entgegen.

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Werke: Zur Methode der Apologetik, in: ThQ 91, (1909) 574-605; Der authent. Charakter der Vulgata im Lichte d. Trienter Konzils verhh., ebd. 96-98 (1914-16); Der Begriff der Traditiones im Trienter Konzilsdekret d. Sessio IV, ebd. 132 (1952) 46-61, 193-212; Rel.wiss. Vorträge f. kath. Akademiker, 4Bde., 1909-11 (gemeinsam mit O. Wecker); Die Taufe im NT, 1910, 31921; Das Abendmahl im NT, 1911, 31926.

Lit: August Hagen, Gesch. d. Diözese Rottenburg III, 1960, 124 f.; - ders., Der Reformkatholizismus in d. Diözese Rottenburg, 1962, 129-52; - Karl Färber, Erinnerungen an W. K., in: ThQ 150 (1970) 102-112; - NDB XII, 279; - Priester unter Hitlers Terror, 1984, 1194.

Dieter Skala

Werkeergänzung:

Dogmatik. Von Professor Dr. Wilhelm Koch. Als Manuskript gedruckt mit Vorbehaltung aller Rechte, 2 Bände, Tübingen 1907.

Literaturergänzung:

Priesterseminar und Universität, in: Kölnische Zeitung Nr. 219, 28.2.1912, 1.

Letzte Änderung: 06.11.2011