KOCH, Wilhelm, kath. Theologe, * 21.9. 1874 in Ludwigsburg, † 20.1. 1955
in Tettnang. - Nach seinem Theologiestudium in Tübingen erhielt
K. 1898 die Priesterweihe. Dort wurde er 1902 - nach seelsorgerlicher
Tätigkeit in Stuttgart und Rottenburg - Repetent, 1905 außerordentlicher
Professor für Dogmatik und Apologetik. Klagen über K.s Lehrmeinungen
wurden schon bald an den Rottenburger Bischof Keppler herangetragen.
Insbesondere ging es um die Schutzengellehre und die Frage der Besessenheit
im Neuen Testament. In einem persönlichen Gespräch mit Keppler versprach
K. einen Verzicht auf die umstrittenen Lehren bzw. ihre Korrektur.
Mit der Einführung des Antimodernisteneids 1910 kam es zur erneuten
Auseinandersetzung zwischen K. und Regens Rieg aus Rottenburg, der
ihn wiederum der Falschlehre bezichtigte. 1912 beantragte Bischof
Keppler die Amtsenthebung K.s beim Ministerium. Die Auseinandersetzungen
K.s mit dem Ordinariat wurden zum Teil vor ordentlichen Gerichten
ausgetragen (Klage K.s gegen Rieg wegen unerlaubten Nachdrucks von
Vorlesungsteilen in Riegs »Vertrauliche Mitteilungen über den Fall
W. K.«, Ulm 1913) und auch von der Presse breit aufgegriffen. Obwohl
sich das Ordinariat in der Frage der Amtsenthebung nicht durchsetzen
konnte, verzichtete K. 1916/17 auf seine Professur und ging in die
Seelsorge. Zunächst Garnisonspfarrer in Lille, wurde K. 1919 Stadtpfarrer
in Binsdorf, 1929 in Waiblingen, 1933 in Tettnang. Seit 1938 Dekan,
geriet K. mehrfach in Konflikt mit den nationalsozialistischen Herrschern.
1941 wurde er für drei Wochen in Gestapohaft genommen und wegen Regimekritik
und Verstoß gegen den Kanzelparagraphen zu Gehaltskürzung und Geldstrafe
verurteilt. Er erhielt ein Aufenthaltsverbot für den Kreis Friedrichshafen
und verzichtete deshalb auf seine Pfarrei. Nach einem Aufenthalt in
Stetten b. Tuttlingen (1942-1946) kehrte er nach Tettnang zurück,
wo er 1955 als Pensionär starb. - K., sehr früh auf einen wichtigen
Lehrstuhl berufen, zog sich als Hochschullehrer zurück, bevor sein
»Fall« zum anhaltenden Ärgernis werden und eine dauerhafte Entfremdung
hervorrufen konnte. Dem Bischof gegenüber war er loyal und als Seelsorger
überzeugend. Anfänglich mit der Machtübernahme Hitlers einverstanden,
trat er der nationalsozialistischen Weltanschauung etwa ab 1936 mutig
entgegen.
Werke: Zur Methode der Apologetik, in: ThQ 91, (1909)
574-605; Der authent. Charakter der Vulgata im Lichte d. Trienter
Konzils verhh., ebd. 96-98 (1914-16); Der Begriff der Traditiones
im Trienter Konzilsdekret d. Sessio IV, ebd. 132 (1952) 46-61, 193-212;
Rel.wiss. Vorträge f. kath. Akademiker, 4Bde., 1909-11 (gemeinsam
mit O. Wecker); Die Taufe im NT, 1910,
31921; Das Abendmahl
im NT, 1911,
31926.
Lit: August Hagen, Gesch. d. Diözese Rottenburg III, 1960,
124 f.; - ders., Der Reformkatholizismus in d. Diözese Rottenburg,
1962, 129-52; - Karl Färber, Erinnerungen an W. K., in: ThQ 150
(1970) 102-112; - NDB XII, 279; - Priester unter Hitlers Terror,
1984, 1194.
Dieter Skala
Werkeergänzung:
Dogmatik. Von Professor Dr. Wilhelm Koch. Als Manuskript gedruckt mit Vorbehaltung aller Rechte, 2 Bände, Tübingen 1907.
Literaturergänzung:
Priesterseminar und Universität, in: Kölnische Zeitung Nr. 219, 28.2.1912, 1.
Letzte Änderung: 06.11.2011