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Band IV (1992) Spalten 236-237 Autor: Karl Rennstich

KOECHLIN, Alphons, evang. Theologe, Oekumeniker, Kirchenratspräsident in Basel und Präsident des Schweizer Evang. Kirchenbundes und der Basler Mission, * am 6.1. 1885 in Basel, + am 8.5. 1965 in Basel. Nach Abschluß seiner theologischen Ausbildung wurde K. 1910 Pfarrer in Stein a. Rhein und seit 1921 Frühprediger zu St. Martin in Basel. Von 1933-1954 diente K. der Basler Kirche als Kirchenpräsident und übernahm 1927 als Vizepräsident den Vorsitz der Finanzkommission im Komitee der Basler Mission. Von 1936-1939 leitete K. als Präsident zusammen mit dem deutschen Direktor Karl Hartenstein die Basler Mission. Die seit 1815 bestehende deutsch-schweizerische Ökumene der Lutheraner und Reformierten in der Basler Mission wurde durch K. in Richtung Ökumenischer Rat der Kirchen (ÖRK) erweitert. K. arbeitete 1933 aktiv mit an der »Barmer Denkschrift zur Mission«, einem Meilenstein in der Geschichte der Deutschen Mission, die die Gleichschaltung der Missionsgesellschaften und der Reichskirche sowie die Anwendung des staatlichen Arierparagraphen auf die evangl. Mission verhinderte. K. hielt die Verbindung zum Ökumenischen Rat in Genf und war eng befreundet mit dem anglikanischen Lordbischof George Bell in London, dem Präsidenten des 1937 gegründeten, aber erst 1948 offiziell inaugurierten ÖRK, den er davon überzeugen konnte, daß es Aufgabe der Ökumenischen Bewegung sei, der bedrohten Bekennenden Kirche in Deutschland solidarisch zur Seite zu stehen und sie in ihrem Kirchenkampf zu unterstützen. Als Verbindungsmann der Ökumene vertrat K. den ÖRK, auf der zweiten Bekenntnissynode der Bekennenden Kirche 1934, auf der sich diese als rechtmäßige Kirche gegenüber der Reichskirche konstituierte. Nach dem Ausscheiden der Deutschen aus der Leitung der Basler Mission mit Kriegsbeginn 1939 übernahm K. als Präsident die Leitung der nun Schweizerischen Basler Mission bis 1959. Obwohl überzeugter Schweizer, versuchte er während des Zweiten Weltkrieges in der Schweiz Verständnis für die »deutschen Geschwister« zu wecken. Zusammen mit K. Hartenstein war er 1945 wesentlich am Zustandekommen des »Stuttgarter Schuldbekenntnis« beteiligt. K. war Ehrendozent der Universität Basel und erhielt den Ehrendoktor von der Universität Heidelberg für seine großartige Arbeit in der Mission und Ökumene. Durch John Mott bereits 1923 in den Weltbund des Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM) berufen, widmete K. einen großen Teil seiner Zeit und Kraft zusammen mit dem Holländer Visser't Hooft dem Aufbau des ÖRK. K. gehört zu den Baumeistern des ÖRK vor seiner Konstituierung und in den ersten Jahren nach seiner Gründung in Amsterdam 1948. In Evanston 1954 trat er dann von allen seinen vielen ökumenischen Ämtern zurück. Er starb 1965 in seiner Heimatstadt Basel.

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Werke: Die Weltkirchenkonferenz von Stockholm, 1926; A. Lindt (Hrsg), George Bell/Alphons Koechlin-Briefwechsel 1933-1954, Zürich 1969.

Lit.: World Biography I, 1948, 4. Aufl.; - Rouse, R. Neill, S.C.: Geschichte der Ökumenischen Bewegung II, 1958; - Witschi, H.: Geschichte der Baseler Mission 1920-1940 Bd. 5, 1970; - H d'Espine: Alphons Koechlin, pasteur et chef d'Eglise, Genf 1971; - Visser't Hooft, W.A.: Die Welt war meine Gemeinde. Autobiographie, 1972; - Tucher von, P.: Nationalism: Case and Crisis in Missions. German Missions in British India 1939-1946, 1980; - Rennstich, K.: Die Baseler Mission und die Bekennende Kirche in: Zeitschrift für Mission Heft 1/1990, 34-42.

Karl Rennstich

Letzte Änderung: 06.11.2011