KOECHLIN, Alphons, evang. Theologe, Oekumeniker, Kirchenratspräsident
in Basel und Präsident des Schweizer Evang. Kirchenbundes und der
Basler Mission, * am 6.1. 1885 in Basel, + am 8.5. 1965 in
Basel. Nach Abschluß seiner theologischen Ausbildung wurde K. 1910
Pfarrer in Stein a. Rhein und seit 1921 Frühprediger zu St. Martin
in Basel. Von 1933-1954 diente K. der Basler Kirche als Kirchenpräsident
und übernahm 1927 als Vizepräsident den Vorsitz der Finanzkommission
im Komitee der Basler Mission. Von 1936-1939 leitete K. als Präsident
zusammen mit dem deutschen Direktor Karl Hartenstein die Basler Mission.
Die seit 1815 bestehende deutsch-schweizerische Ökumene der Lutheraner
und Reformierten in der Basler Mission wurde durch K. in Richtung
Ökumenischer Rat der Kirchen (ÖRK) erweitert. K. arbeitete 1933 aktiv
mit an der »Barmer Denkschrift zur Mission«, einem Meilenstein in
der Geschichte der Deutschen Mission, die die Gleichschaltung der
Missionsgesellschaften und der Reichskirche sowie die Anwendung des
staatlichen Arierparagraphen auf die evangl. Mission verhinderte.
K. hielt die Verbindung zum Ökumenischen Rat in Genf und war eng befreundet
mit dem anglikanischen Lordbischof George Bell in London, dem Präsidenten
des 1937 gegründeten, aber erst 1948 offiziell inaugurierten ÖRK, den
er davon überzeugen konnte, daß es Aufgabe der Ökumenischen Bewegung
sei, der bedrohten Bekennenden Kirche in Deutschland solidarisch zur
Seite zu stehen und sie in ihrem Kirchenkampf zu unterstützen. Als
Verbindungsmann der Ökumene vertrat K. den ÖRK, auf der zweiten Bekenntnissynode
der Bekennenden Kirche 1934, auf der sich diese als rechtmäßige Kirche
gegenüber der Reichskirche konstituierte. Nach dem Ausscheiden der
Deutschen aus der Leitung der Basler Mission mit Kriegsbeginn 1939
übernahm K. als Präsident die Leitung der nun Schweizerischen Basler
Mission bis 1959. Obwohl überzeugter Schweizer, versuchte er während
des Zweiten Weltkrieges in der Schweiz Verständnis für die »deutschen
Geschwister« zu wecken. Zusammen mit K. Hartenstein war er 1945 wesentlich
am Zustandekommen des »Stuttgarter Schuldbekenntnis« beteiligt. K.
war Ehrendozent der Universität Basel und erhielt den Ehrendoktor
von der Universität Heidelberg für seine großartige Arbeit in der
Mission und Ökumene. Durch John Mott bereits 1923 in den Weltbund
des Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM) berufen, widmete K.
einen großen Teil seiner Zeit und Kraft zusammen mit dem Holländer
Visser't Hooft dem Aufbau des ÖRK. K. gehört zu den Baumeistern des
ÖRK vor seiner Konstituierung und in den ersten Jahren nach seiner
Gründung in Amsterdam 1948. In Evanston 1954 trat er dann von allen
seinen vielen ökumenischen Ämtern zurück. Er starb 1965 in seiner
Heimatstadt Basel.
Werke: Die Weltkirchenkonferenz von Stockholm, 1926; A.
Lindt (Hrsg), George Bell/Alphons Koechlin-Briefwechsel 1933-1954,
Zürich 1969.
Lit.: World Biography I, 1948, 4. Aufl.; - Rouse,
R. Neill, S.C.: Geschichte der Ökumenischen Bewegung II, 1958; -
Witschi, H.: Geschichte der Baseler Mission 1920-1940 Bd. 5, 1970;
- H d'Espine: Alphons Koechlin, pasteur et chef d'Eglise, Genf
1971; - Visser't Hooft, W.A.: Die Welt war meine Gemeinde. Autobiographie,
1972; - Tucher von, P.: Nationalism: Case and Crisis in Missions.
German Missions in British India 1939-1946, 1980; - Rennstich,
K.: Die Baseler Mission und die Bekennende Kirche in: Zeitschrift
für Mission Heft 1/1990, 34-42.
Karl Rennstich
Letzte Änderung: 06.11.2011