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Band IV (1992) Spalten 279-281 Autor: Susanne Schurr

KÖNIG, Johann Balthasar, deutscher Kirchenmusiker, getauft 28.1. 1691 in Waltershausen bei Gotha (Thür.), beerdigt am 2.4. 1758 in Frankfurt a.M. - Als Sohn des Bürgers und Weißgerbers Johann Jakob König kam K. 1703 nach Frankfurt, wurde städtischer Kapellknabe, dann unter G. Ph. Telemann, der 1711 die Leitung der Kapelle übernahm, angesehenes Mitglied derselben. Die Übernahme der Patenschaft für den Sohn Georg Philipp durch Telemann im Jahr 1718 (1717 Heirat mit Schneidermeisterstochter A. M. Pfaff) läßt auf eine enge Beziehung zwischen K. und Telemann schließen. Ab ungefähr 1718 arbeitete K. dann als Kapelldirektor an St. Katharinen. Der große Aufschwung, den das Frankfurter Musikleben unter Telemann und ab 1721 unter dessen Nachfolger J. Chr. Brodinius nahm, bedeutete auch für K. eine gute Schule. Als Brodinius 1727 starb, wurde dieser städtischer Kapellmeister und nun auch mit seiner Familie in die Bürgerschaft aufgenommen, worum er sich sechs Jahre zuvor vergeblich bemüht hatte. Mit frischem Elan förderte er tatkräftig das Musikleben sowohl in den Gottesdiensten wie in städtischen Konzerten, so daß dieses einen neuen Aufschwung nahm. Vor allem pflegte er Telemanns Werk. Die meisten seiner eigenen erhaltenen Werke sind gottesdienstliche De tempore-Musik; dazu kommen einige Opern und Gelegenheitswerke. Ganz besonders strebte er - wie die Denkschrift »Unmaßgeblicher Vorschlag wie dem übel-Singen in den Frankfurther Kirchen abzuhelfen sei« zeigt - während seiner Amtszeit die Hebung des gottesdienstlichen Gemeindegesangs an. In erster Linie gilt König, der in späteren Jahren als stolz und hochmütig galt, jedoch als Herausgeber des »Harmonischen Liederschatzes« (1738, 2.Aufl. 1767) mit dem er das umfangreichste Choralbuch des 18. Jh. schuf. Von den 1913 darin enthaltenen Melodien ist für 358 keine andere Quelle bekannt; sie scheinen von K. erfunden zu sein, darunter »O daß ich tausend Zungen hätte« und »Ich will dich lieben, meine Stärke«. Dem Ideal der isometrischen, ausgeglichenen Weise nachstrebend, die »ganz leicht, natürlich und wohlfließend verfasset« sei (Vorw. zum Liederschatz), wandte sich König mit ihrem Aufbau gegen Einflüsse des Soloarienstils auf das ev. Gemeindelied unter pietistischem Einfluß und knüpfte an gewisse Melodietypen des 16.Jh. an.

Werke: - 1. Kantaten (vgl. Süß-Epstein, ausschließlich hs., in Eitner nicht verzeichnet): »Alle, die gottselig leben wollen« (Sonntag nach Neujahr 1718) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Cont.; »Danket dem Herrn, predigt seinen Namen« »Bei dem 50jähr. Jubel- und Gedächtnisfeste des allhiesigen Armen- und Waisenhauses. Vor der Predigt«, 1729, f. 2 C., A., T., B., 2 V., Va., Vc., 2 Ob., 2 Corn. da cacc., Clar., Timp., Cemb., Org.; »Die Wahrheit ist ein himmlisch Licht« (Judica) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Vc., 2 Ob., Calc., Org.; » Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat« (»Motetto«) f. C., A. T., B., 2 V., Va., Vc., 2 Corn., Org.; »Ehen sind beglückt zu nennen« (»Trauungscantata«) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Vc., 2 Ob., 2 Corn., Cemb., Org.; »Gleichwie ein Hirsch nach frischem Wasser schreiet« (Kantate) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Vc., 2 f.l., 2 Ob., Cont.; »Gott ist unsre Zuversicht« (4.Sonntag nach Ephiphanias) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Vc., 2 Ob., Org.; »Halleluja, laudate servi Domini« (Ps. 113) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Vc., 2 Ob., Fg., 2 Clar., Timp., Cemb.; »Herr Jesu Christ, der du wunderbar« (Sonntag nach Christtag) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Cont.; »Herr, sende den Schöpfer der Tugend« (2. Pfingsttag) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Vc., 2 Ob., Fg., 2 Clar., Timp., Org.; »Ich fürchte mich nicht« (Sonntag nach Neujahr) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Vc., 2 Ob., Org.; »Ich hebe meine Augen auf« (Ps. 121) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Cont.; »Ich schreie, Gott, zu dir« (Reminiscere 1731) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Vc., 2 Ob., Org.; »Ihr Lieben, lasset uns einander lieb haben« (13. Sonntag nach Trinitatis) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Vc., 2 Ob., Calc., Org.; »Kommet her zu mir alle« (2. Sonntag nach Trinitatis) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Calc., Cont.; [?] »Kommet zum Mahle des Herrn« (»Communion-Cantata«) f. A., B., 2 V., Va. (Vc.), 2 f.l. à bec, Cont.; »Lasset uns doch den Herrn, unsern Gott, fürchten« (Ernt- und Dankfest 1733) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Vc., Ob., 2 f.l. oblig., Calc., Org.; »Mein Glaubenslicht ist schwach und klein« (Quasimodogeniti 1727) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Vc., 2 Ob., Calc., Org. Concert.; »Meines Jesu Passion muß mir allen Segen bringen« (1730) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Vc., 2 f.l. trav., 2 Ob., Calc., Org.; »O heilige Zeit, wo Himmel, Erd' und Luft« (1. Christtag) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Vc., Ob., 2 Fl., 2 Corn., Calc., Org.; »Ruhe sanft in deiner Gruft!« (»Begräbnis-Arie«) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Vc., 2 Ob., Org.; »Vater unser im Himmelreich« (Rogate) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Vc., 2 Ob., Calc., Org.; »Vergeblich suchet man die Ruh« (Begräbnis-Kant.) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Vc., Ob., 2 f.l., Org.; »Wer mich liebet, der wird mein Wort halten« (1.Pfingsttag) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Vc., 2 Ob., 2 Clar., Timp. Org.; »Auf zur Lust, ihr frohen Töne« (Hochzeitskant.) f. C., A., T., B., 2 V., Va., Vc., Ob., 2 f.l., 2 Chalumeaux, 2 Clar., Timp., Cemb.; »Beglücktes Begegnen verbundenster Freunde« f. C., A., T., B., 2 V., Va., Vc., Ob., 2 f.l., Cemb.; ferner 18 bisher nicht aufgefundene Kais. Trauer- und Freudenkant. v. denen 16 Gelegenheitswerke aus der Zeit von 1740-1747 sind, die letzte zur Zweihundertjahrfeier des Augsburger Religionsfriedens 1755. - Ausg.: Kant. »Ach, Jesus geht zu seiner Pein«, hrsg. v. A. Adrio, Berlin 1947. - 2. An Instrumental-Werken lediglich ein Marsch, 3st. - 3. Harmonischer Liederschatz oder Allgemeines Ev. Choral-Buch, welches die Melodien aller in Deutschland eingeführten sowohl deutschen als frz. alten und neuen Kirchen-Gsge., wie auch derer hundert und fünfzig Psalmen Davids in sich hält, Ffm. 1738, 21767; vgl. Melodien 238, 254 und 300 im EKG. - 4. Unmaßgeblicher Vorschlag, wie dem übel-Singen in den Frankfurther Kirchen abzuhelfen sei, Frankfurt 1724.

Lit.: E. Mentzel, Johann Balthasar König, Frankfurter Kapellmeister von 1728-58. In: Correspondenzbl. des Ev. Kirchengesangvereins für Deutschland 24, 1904, Nr. 4, 37-41; - C. Valentin , Geschichte der Musik in Frankfurt a.M. vom Anfang des 14. bis zum Anfange des 18.Jh., Ffm. 1906, 221 ff.; - C. Süß, Die Manuskripte protest. Kirchenmusik zu Frankfurt a.M., in: Fs. zum 90.Geburtstag v. Rochus Freiherrn v. Liliencron, Leipzig 1910/1970, 350; - Kirchl. Musikhss. des 17. und 18. Jh. der Stadtbibl. Frankfurt a.M., Kat. v. C. Süß, hrsg. v. P. Epstein, Ffm. 1926; - A. Adrio, Vorw. zur Ausg. der Kant. »Ach, Jesus geht zu seiner Pein«, Berlin 1947; - M. Blindow, Die Choralbegleitung des 18.Jh. in der ev. Kirche Deutschlands, Regensburg 1957; - Otto Michaelis, Lebensbilder der Liederdichter und Melodisten (Hdb. z. EKG II,1) Göttingen 1957, 238 f.; - W. Blankenburg, Geschichte der Melodien, in: Hdb. z EKG II,2, Göttingen 1957; - v. Winterfeld III, 515-19; - Koch V, 602 f. und VI, 459; - Kümmerle I, 819-21; - Zahn, bes. V, 444 f.; - Moser, 636; - MGG VII, 1358 ff. - Riemann, 947; - Eitner V, 404 f.; - Grove, 173 f.

Susanne Schurr

Letzte Änderung: 09.06.1998