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Band IV (1992) Spalten 387-388 Autor: Roland Böhm

KONRAD von Gelnhausen, Theologe und Kanonist, * um 1320/25 in Gelnhausen, + am 13.4. 1390 in Heidelberg. - Über K.s Jugend ist nichts bekannt außer seiner bürgerlichen Herkunft. Um 1340 hat er sich wohl an der Sorbonne immatrikuliert, denn dort wurde er im Frühjahr 1344 Bakkalaureus und bald darauf Lizentiat der Artes. Über die nächsten 20 Jahre wissen wir nur, daß er mehrere Pfründen erwarb, z. B. in Mainz (1347), Bonndorf (1357) und Lüttich (1363). In Bologna beginnt er dann 1369 ein Jurstudium, wird Prokurator der Deutschen Nation und schließt es um 1375 mit der Promotion ab. Um 1378 geht er, inzwischen Dompropst in Worms, wieder nach Paris, erwirbt dort den Magister artium und 1381 den Doktor der Theologie. Danach verläßt er Paris, Pfalzgraf Ruprecht I. gewinnt ihn für den Aufbau der neuen Universität Heidelberg, laut Matrikel vom 14.12.1387 als »doctor sacre theologie« und »canchellarius«. Bis zu seinem Tod 1390 blieb er ihr erster Kanzler, seine über 200 Bände umfassende Büchersammlung, die er der Universität vermachte, bildete den Grundstock der Heidelberger Universitätsbibliothek. - Kirchengeschichtliche Bedeutung erlangte K. durch seine führende Rolle in der Diskussion um das Große Schisma. Sein Lösungsvorschlag fußte auf Gedanken Augustins und Thomas' von Aquin sowie Marsilius' von Padua und Wilhelms von Ockham und er trug ihn dem französischen wie dem deutschen König und dem Pfälzer Kurfürsten vor. Kern seiner, auch juristisch begründeten Notstandstheorie war, keinen der beiden Päpste anzuerkennen, sondern ein Generalkonzil einzuberufen, welches die Papstfrage klären und die Kirchenreform behandeln sollte. Seine Gedanken wurden von seinem Pariser Kollegen Heinrich Heinbuche von Langenstein sowie von Pierre d'Ailly, Jean Gerson u. a. aufgegriffen und zum »Konziliarismus« weiterentwickelt.

Werke: Epistola brevis, 1379; Ed. H. Kaiser, Der »kurze Brief« des K. v. G., in: HV 3, 1900, 379-394; Epistola concordiae, 1380; Ed. E. Martène/U. Durand, Thesaurus novus anecdotorum II, 1717, 1220-1226; Ungedr.: 2 theol. Unterss. (Quaestiones); Unvollst. Vorlesung über die Sentenzen; Hohelied-Kommentar; Einige Predigten (Sermones).

Lit.: F. J. Scheuffgen, Beiträge zur Gesch. des Gr. Schismas, 1889, 75-91; - A. Kneer, Die Entstehung der konziliaren Theorie. Zur Gesch. des Schismas und der kirchl. Schriftsteller K. v. G. und Heinrich v. Langenstein, 1893 (RQ, 1. Suppl.heft); - L. Schmitz, Ein Brief K.s v. G. aus dem Jahre 1379, in: RQ 9, 1895, 185-189; - K. Wenck, K. v. G. und die Quellen der konziliaren Theorie, in: HZ 76, 1896, 6-61; - F. P. Bliemetzrieder, Das Generalkonzil im großen abendländ. Schisma, 1904, 56-76; - Ders., K. v. G. und Heinrich v. Langenstein auf dem Konzile von Pisa, in: HJ 25, 1904, 536-541; - Ders., Die wahre hist. Bedeutung K.s v. G. zu Beginn des großen abendländ. Schismas, in: StMBO 28, 1907, 549-556; - Ders., Die Fragmente der Epistola concordiae K.s v. G. im Kodex XI.C. 8 der Prager UB, in: Mitt. d. Vereins f. Gesch. d. Deutschen in Böhmen 48, 1909, 18-27; - Ders., Literarische Polemik zu Beginn des großen abendländischen Schismas, 1910, 116-140; - D. E. Culley, K. v. G., 1913; - Gerhard Ritter, Die Heidelberger Universität, I, 1936, 46-60, 261-269; - M. Seidlmayer, Die Anfänge des großen abendländ. Schismas, 1940, 187-193; - R. N. Swanson, Universities, Academics, and the Great Schism, 1979, 59-68, 11 f. (Cambridge Studies in medieval Life and Thought 3. ser., vol. 12); - G. Alberigo, Chiesa conciliare, 1981, 42-52 u. ö. (Testi e ricerche di scienze religiose 19); - RE X, 747; - EncC III, 632 f.; - RGG III, 1780; - LThK VI, 463 f.; - NDB XII, 539; - Brockhaus X, 441; - KLL IX, 219 f.; - VerfLex V, 179-181; - Lexikon d. dt. Gesch., hrsg. v. Gerhard Taddey, 19832, 686.

Roland Böhm

Letzte Änderung: 09.06.1998