KONRAD von Gelnhausen, Theologe und Kanonist, * um 1320/25
in Gelnhausen, + am 13.4. 1390 in Heidelberg. - Über K.s Jugend
ist nichts bekannt außer seiner bürgerlichen Herkunft. Um 1340 hat
er sich wohl an der Sorbonne immatrikuliert, denn dort wurde er
im Frühjahr 1344 Bakkalaureus und bald darauf Lizentiat der Artes.
Über die nächsten 20 Jahre wissen wir nur, daß er mehrere Pfründen
erwarb, z. B. in Mainz (1347), Bonndorf (1357) und Lüttich (1363).
In Bologna beginnt er dann 1369 ein Jurstudium, wird Prokurator
der Deutschen Nation und schließt es um 1375 mit der Promotion ab.
Um 1378 geht er, inzwischen Dompropst in Worms, wieder nach Paris,
erwirbt dort den Magister artium und 1381 den Doktor der Theologie.
Danach verläßt er Paris, Pfalzgraf Ruprecht I. gewinnt ihn für den
Aufbau der neuen Universität Heidelberg, laut Matrikel vom 14.12.1387
als »doctor sacre theologie« und »canchellarius«. Bis zu seinem
Tod 1390 blieb er ihr erster Kanzler, seine über 200 Bände umfassende
Büchersammlung, die er der Universität vermachte, bildete den Grundstock
der Heidelberger Universitätsbibliothek. - Kirchengeschichtliche
Bedeutung erlangte K. durch seine führende Rolle in der Diskussion
um das Große Schisma. Sein Lösungsvorschlag fußte auf Gedanken Augustins
und Thomas' von Aquin sowie Marsilius' von Padua und Wilhelms von
Ockham und er trug ihn dem französischen wie dem deutschen König
und dem Pfälzer Kurfürsten vor. Kern seiner, auch juristisch begründeten
Notstandstheorie war, keinen der beiden Päpste anzuerkennen, sondern
ein Generalkonzil einzuberufen, welches die Papstfrage klären und
die Kirchenreform behandeln sollte. Seine Gedanken wurden von seinem Pariser
Kollegen Heinrich Heinbuche von Langenstein sowie von Pierre d'Ailly,
Jean Gerson u. a. aufgegriffen und zum »Konziliarismus« weiterentwickelt.
Werke: Epistola brevis, 1379; Ed. H. Kaiser, Der »kurze
Brief« des K. v. G., in: HV 3, 1900, 379-394; Epistola concordiae,
1380; Ed. E. Martène/U. Durand, Thesaurus novus anecdotorum II,
1717, 1220-1226; Ungedr.: 2 theol. Unterss. (Quaestiones); Unvollst.
Vorlesung über die Sentenzen; Hohelied-Kommentar; Einige Predigten
(Sermones).
Lit.: F. J. Scheuffgen, Beiträge zur Gesch. des Gr.
Schismas, 1889, 75-91; - A. Kneer, Die Entstehung der konziliaren
Theorie. Zur Gesch. des Schismas und der kirchl. Schriftsteller
K. v. G. und Heinrich v. Langenstein, 1893 (RQ, 1. Suppl.heft);
- L. Schmitz, Ein Brief K.s v. G. aus dem Jahre 1379, in: RQ 9,
1895, 185-189; - K. Wenck, K. v. G. und die Quellen der konziliaren
Theorie, in: HZ 76, 1896, 6-61; - F. P. Bliemetzrieder, Das Generalkonzil
im großen abendländ. Schisma, 1904, 56-76; - Ders., K. v. G. und
Heinrich v. Langenstein auf dem Konzile von Pisa, in: HJ 25, 1904,
536-541; - Ders., Die wahre hist. Bedeutung K.s v. G. zu Beginn
des großen abendländ. Schismas, in: StMBO 28, 1907, 549-556; -
Ders., Die Fragmente der Epistola concordiae K.s v. G. im Kodex
XI.C. 8 der Prager UB, in: Mitt. d. Vereins f. Gesch. d. Deutschen
in Böhmen 48, 1909, 18-27; - Ders., Literarische Polemik zu Beginn
des großen abendländischen Schismas, 1910, 116-140; - D. E. Culley,
K. v. G., 1913; - Gerhard Ritter, Die Heidelberger Universität,
I, 1936, 46-60, 261-269; - M. Seidlmayer, Die Anfänge des großen
abendländ. Schismas, 1940, 187-193; - R. N. Swanson, Universities,
Academics, and the Great Schism, 1979, 59-68, 11 f. (Cambridge
Studies in medieval Life and Thought 3. ser., vol. 12); - G. Alberigo,
Chiesa conciliare, 1981, 42-52 u. ö. (Testi e ricerche di scienze
religiose 19); - RE X, 747; - EncC III, 632 f.; - RGG III, 1780;
- LThK VI, 463 f.; - NDB XII, 539; - Brockhaus X, 441; - KLL
IX, 219 f.; - VerfLex V, 179-181; - Lexikon d. dt. Gesch., hrsg.
v. Gerhard Taddey, 19832, 686.