Verlag Traugott Bautz |
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KONRAD von Marburg, Prediger und Inquisitor, * um 1180/1190 in Marburg/L. (?), † 30.7. 1233 bei Marburg. Herkunft, Familie und Geburtsjahr K.s sind unbekannt. - Er war Priester und Magister und stand in engen Beziehungen zum Prämonstratenserkloster Arnstein (bei Obernhof/Lahn). Urkundlich wird er erstmalig am 8.1. 1216 in einem Brief des Papstes Innozenz III. an die Kreuzfahrer in der bremischen Kirchenprovinz erwähnt, wo er - nach Mainz und Meißen - 1227 wieder im Zusammenhang mit dem geplanten Kreuzzug Friedrichs II. begegnet. Papst Gregor IX. übertrug ihm 1227 die Visitation der Klöster in Deutschland. 1225/26 zog ihn Landgraf Ludwig IV. von Thüringen als Beichtvater an seinen Hof auf der Wartburg und vertraute ihm (von Papst Gregor IX. am 12.6. 1227 bestätigt) die Ausübung seiner Patronatsrechte während seiner Kreuzzugsteilnahme an. Als Beichtvater der Landgräfin Elisabeth und als ihr vom Papst bestellter »Defensor« kümmerte sich K. nach Ludwigs IV. Tod um Elisabeths Rechte gegenüber ihren Schwägern, um die finanzielle Sicherung der Marburger Hospitalgründung und um ihr geistig-asketisches Leben. Nach dem Tod der Landgräfin betrieb er bald ihre Kanonisation. Schon 1224 ging K. der Ketzerverfolgung nach, für die er am 11.10. 1231 von Gregor IX. große Vollmachten erhielt. Seine Ermordung in der Nähe Marburgs auf der Heimreise von der Mainzer Synode hängt eng mit seiner Inquisitorentätigkeit zusammen. - Die Persönlichkeit K.s war schon unter seinen Zeitgenossen umstritten. Bezeichnete ihn Papst Gregor IX. als »Brautführer der Kirche«, »Diener des Lichtes« und »Spürhund des Herrn«, so betonten andere seine Grausamkeit und Rechtsbrüche bei seiner Tätigkeit im Dienste der Inquisition. Wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert auf protestantischer Seite eher der Inquisitor K. herausgestellt und negativ bewertet, so wies man auf katholischer Seite eher auf die Zeitumstände hin. Während eine psychoanalytische Deutung K.s (Elisabeth Busse-Wilson) eher die pathologischen Züge seines Charakters betonte, verstand z. B. Wilhelm Maurer als evangelischer Theologe K. von seinem Amt als »Praedicator verbi divini« her.
Lit.: P. Braun, Der Beichtvater der Hl. Elisabeth und dt. Inquisitor K. v. M. († 1233), in: Beitr. zur Hess. KG IV, 1910 f., 248 ff., 331 ff.; - P. Gallus Haselbeck OFM, Die Hl. Elisabeth und ihre Beichtväter Br. Rodeger und K. v. M., in: Franzisk. Studien 18, 1931; - Ludwig Förg, Die Ketzerverfolgung in Deutschland unter Gregor IX. Ihre Herkunft, ihre Bedeutung und ihre rechtl. Grundlagen, in: Hist. Studien 218, 1932; - Karl Hermann May, Zur Gesch. K. v. M.s, in: Hess. Jb. f. Landesgesch. 1, 1951, 87 ff.; - Wilhelm Maurer, Die Hl. Elisabeth und ihr Marburger Hospital, in: JHKGV 7, 1956, 36 ff.; - Ders., Zum Verständnis der Hl. Elisabeth von Thüringen, in: ZKG 65, 1953/54, 16 ff.; - Herbert Grundmann, Ketzergesch. des MA.s, in: Die Kirche in ihrer Geschichte, hrsg. v. K. D. Schmidt und E. Wolf, II, 1963, 19672; - Karl E. Demandt, Verfremdung und Wiederkehr der Hl. Elisabeth, in: Hess. Jb. f. Landesgesch. 22, 1972, 112 ff.; - Elisabeth Gössmann, Elisabeth von Thüringen, in: Martin Greschat (Hrsg.), Gestalten der KG, Bd. 3, MA I, 1983, 303 ff.; - ADB XVI, 642 ff.; - RE 3X, 747 ff.; - RGG 3III, 1781; - NDB XII, 544.
Karl Dienst
Literaturergänzung:
2007
Salvador Cabot Rosselló, Santa Isabel fundadora de una comunidad religiosa, in: VV 65.2007, S. 655-676; - Wolfhard Vahl, Konrad von Marburg, die Heilige Elisabeth und der Deutsche Orden. Marburg 2007; - Helmut Krause, Hof Capelle. Ort d. Ermordung K.s v. M., d. Wegbereiters d. Hl. Elisabeth. Marburg 2007.
Letzte Änderung: 06.11.2011