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Band IV (1992) Spalten 440-441 Autor: Johannes Madey

KONRAD von Urach, Graf (auch K. oder Kuno von Zähringen genannt), * 1170 oder 1172 (?), + 29.9. 1227, vermutlich (?) in Rom. - K. war der Sohn des Grafen Egino IV. von Urach und der Agnes, der Schwester Bertholds V. von Zähringen. Seine Ausbildung erhielt er unter der Obhut seines Großonkels Rudolf, der Bischof von Lüttich war. Nach seiner Priesterweihe erhielt K. an der Lütticher Kathedrale ein Kanonikat (Domherrenstelle), doch schon 1199 verzichtete er darauf und trat in das Kloster der Zisterzienser in Villers im Brabant ein; bald wurde er Prior des Klosters und im Jahre 1209 Abt. Im Jahre 1214 wurde er als Abt nach Clairvaux berufen und drei Jahre später nach Cîtaux, an die Wiege des Zisterzienserordens. Als er im Jahre 1219 in Ordensangelegenheiten in Rom weilte, ernannte ihn Papst Honorius III., der ihm schon früher wichtige kirchliche Missionen anvertraut hatte, zum Bischof der suburbikarischen Diözesen Porto und S. Rufina im Range eines Kardinalbischofs. Der Papst spendete ihm persönlich die Bischofsweihe. Noch zwei wichtige Missionen sollten K.s Leben bestimmen: die erste in Frankreich (1220-1223) zielte auf die Bekehrung der Albigenser, die zweite in Deutschland (1224-1226) auf die Förderung des Kreuzzugs. Das Ergebnis der beiden Missionen war sehr bescheiden. K. trug jedoch viel bei zur Hebung der kirchlichen und klösterlichen Disziplin; er rief Synoden zusammen, gründete Klöster und ließ besondere Förderung den Dominikanern zuteil werden. Auch sorgte er für die Bestrafung der Mörder des Kölner Erzbischofs Engelbert I., der am 7.11. 1225 bei Gevelsberg von seinem Vettersohn Friedrich v. Isenburg, Vogt von Essen, und dessen Genossen ermordet worden war. Im Jahre 1226 kehrte K. nach Rom zurück, wo er im darauffolgenden Jahr starb. Gemäß seinem eigenen Wunsch wurde er in der Abtei Clairvaux beigesetzt. Im Menologion sowie im Kalendarium des Zisterzienserordens und im Katalog des Abtes Johannes Cirey aus dem Jahre 1491 wird er zu den Seligen, die aus dem Orden hervorgegangen sind, gezählt, doch ist ein Kult zu seinen Ehren nicht sicher nachzuweisen.

Lit.: A. Ciaconius, Vitae et res gestae Pontificum Romanorum et S. R. E. Cardinalium, Rom 16773, II, 60-63; - J. Strange (Hrsg.), Caesarius Heisterbacensis: Dialogus miraculorum, Köln 1851, 152 f.; - Forschungen zur Dt. Gesch., Göttingen 1860-86, VII, 319-393; - S. Riezler, Gesch. des Hauses Fürstenberg, Tübingen 1883, 69-95; - P. Pressuti (Hrsg.), Regesta Honorii III, Rom 1888, 2 Bde.; - M. Gloning, Augsburg 1901; - A. Clément, Conrad d'Urach ... Légat en France et en Allemagne, in: Revue bénédictine 22 (1905), 232-243, 23 (1906), 62-81, 373-391; - E. de Moreau, L'Abbaye Villers-en-Brabant, Brüssel 1909, 51-54; - D. Willi, Cistercienser-Päpste, -Kardinäle und -Bischöfe (= Cistercinser-Chronik 23-24), Braganza 1911-122, 21 f.; - L. Schmitz-Kallenberg (Hrsg.)/C. Eubel, Hierarchia catholica medii aevi, Münster 1913-23, 2I, 5, 36; - A. Simon, L'Ordre des Pénitentes de S.te Marie-Madeleine en Allemagne, Fribourg 1918, 15 ff.; - S. Lenssen, Hagiologicum Cistercience, Tilburg 1948, I, 293 ff.; - G. Despie, Bibliographie Nationale, Brüssel 1958/59, Bd. 30; - ECatt IV, 639; - DHGE XIII, 504 ff.; - LThK 2VI, 474.

Johannes Madey

Letzte Änderung: 09.06.1998