KOSMAS INDIKOPLEUSTES, Verfasser einer Streitschrift gegen die Lehre
von der Kugelgestalt der Welt und über das richtige biblische Weltbild,
lebte in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts meist in Alexandria.
- Der Verfasser der Christlichen Topographie, dessen Namen Kosmas
Monachos erst eine Handschrift des 11. Jh. (Laurentianus Pluteus IX,
28, f. 20v) überliefert, während die älteren Handschriften und Photios
(Bibliothek, Codex 36) die Christl. Topographie nur als Werk eines
anonymen »Christen« kennen, befuhr zunächst als Kaufmann (II, 54 und
56) das Mittelmeer, den Indischen Ozean und den Persischen Golf (II,
29). Er besuchte um 522 den axumitischen Hafen Adulis (II, 56), später
die Insel Sokotra (III, 65) und scheint bis an die Küsten Somalias
vorgedrungen zu sein (II, 30). Um 550 verfaßte er als alter, bereits
von Krankheiten geplagter Mann (II, 1) seine zunächst 5 Bücher umfaßende,
dann auf insgesamt 12 Bücher erweiterte und mit Sicherheit gegen den
Aristoteliker und Monophysiten Johannes Philoponos gerichtete Christl.
Topographie, in der er zunächst die Lehre von der Kugelgestalt der
Erde und des Himmels als falsch und mit dem Christentum unvereinbar
bekämpfte (vor allem in Buch I), um dieser Lehre dann ein anderes,
aus der Bibel entwickeltes Weltbild entgegenzuhalten, das die Welt
als ein in zwei Stockwerke (unten die Erde mit der Sonne und den Gestirnen,
darüber das Firmament und der Himmel) eingeteiltes Gebäude beschreibt,
dessen biblischer Typos das Stiftszelt Mose' (Exodus 25-27) ist (II,
35/36; III, 51-55). Die Oikumene, eine nach Norden bis zu einem abschlie-ßenden
Gebirge schräg ansteigende rechteckige Platte (Länge: 400 Tagesreisen
von je 30 Meilen; Breite: 200 Tagesreisen), ist durch einen, sie umfließenden
unbefahrbaren Ozean vom jenseitigen Land am Rande der Erdplatte getrennt
(II, 24, 43/44, 47/48). Am östlichen Rande der Erdplatte befindet
sich das Paradies, Ursprungsort der vier Ströme Pheison, Nil, Euphrat
und Tigris (II, 81), das als Aufenthaltsort der Gerechten bis zur
Wiederkunft Christi dient. In den später hinzugefügten Büchern versucht
K. zu beweisen, daß die Sonne nur einen Durchmesser von vierzig Tagesreisen hat (Buch 6),
ferner äußert er sich über die Dauer der Himmel (Buch 7) und über
den Lauf der Sterne (Buch 9). Buch 8 beschäftigt sich mit dem Loblied
König Hiskias von Juda (Jesaja 38, 9-20). In Buch 10 sind Vätertexte
zum Beweis von Kosmas' Ausführungen zusammengestellt. Buch 11 mit
der Beschreibung der indischen Flora und Fauna und der Insel Ceylon
und Buch 12, das beweisen will, daß die altorientalischen Schriftsteller
das Alter des Pentateuchs und der prophetischen Schriften bestätigen,
sind sicher erst nach Kosmas' Tod zur Christl. Topographie hinzugefügt
worden, könnten aber von K. stammen, der nach eigener Angabe noch
drei weitere, nicht erhaltene Schriften über die Erde (Prolog Christl.
Topographie 1), über die Bewegung der Sterne (ebenda 2) und über das
Hohelied Salomos (Christl. Topographie VIII, 3) verfaßte. K. verdankte
sein Wissen einem gewissen Patrikios, der in Nisibis lehrte und später
als Katholikos Mar Aba (540-552) die ostsyrische Kirche des Sassanidenreiches
regierte (II, 2; VIII, 25). Hauptquellen der Christl. Topographie
sind die wegen des Drei-Kapitel-Streites nie ausdrücklich genannten
theologischen Autoritäten der ostsyrischen Kirche, die großen Exegeten
der antiochenischen Schule: Diodor von Tarsos, Theodor von Mopsuestia
und Theodoret von Kyros.
Werke: Cosmae Indicopleustae Topographia Christiana, ed.
(mit lat. Übersetzung) Bernhardus de Montfaucon, in: Collectio Nova
Patrum et Scriptorum Graecorum II, Paris 1706, 113 ff, nachgedruckt
in: MPG 88, 9-475; The Christian Topography of C. I., ed. with geographical
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Klaus-Peter Todt
Literaturergänzung:
Karl-Heinz Uthemann, Christus, Kosmos, Diatribe. Themen d. frühen Kirche als Beitr. zu e. hist. Theol. Berlin 2005.