KOSMAS und DAMIAN (Heilige) (431), Schutzpatrone der Ärzte und Apotheker.
- In Rom, in Pherna in Ägypten und in Aegae in Kilikien wurden
Grabstätten des (Brüder)paares K. und D. verehrt. Ausgangspunkt des
Kultes der Heiligen war Syrien; von hier aus wanderte ihre Verehrung
in der Mitte des 5. Jahrhunderts noch ohne Legendenbildung nach Konstantinopel,
am Ende des 5. Jahrhunderts nach Rom. In Syrien wurde danach das »römische«
Martyrium frei erfunden, in Konstantinopel die »asiatische« Vita,
in Rom das »arabische« Martyrium. Hieraus erklären sich drei Stätten
der Verehrung, drei Gedenktage (1. Juli: »römisches« Martyrium; 1.
November: »asiatische« Vita; 27. September: »arabisches« Martyrium),
drei voneinander unabhängige Überlieferungen, schließlich auch drei
(Brüder)paare mit Namen K. und D. Ein (Brüder)paar soll in Rom die
Heilkunde unentgeltlich ausgeübt, einen Kaiser geheilt und zahlreiche
Heiden für den Glauben gewonnen haben; beide erlitten den Märtyrertod.
Von diesen werden zwei Brüder K. und D. unterschieden, die nach erfolgreicher
Heiltätigkeit an Mensch und Vieh eines natürlichen Todes starben und
ihr Grab in Pherna fanden. Ein drittes Paar mit Namen K. und D. erlangte
durch zahlreiche Wunderheilungen in Aegae Berühmtheit und soll in
der diokletianischen Verfolgung hingerichtet worden sein. Alle sollen
ihre Heiltätigkeit auch nach ihrem Tode fortgesetzt haben. Ihre Wunder
sind in der darstellenden Kunst des Mittelalters beliebte Themen geworden.
Lit.: Johannes Stilting, AASS Sept. VII, 1867, 428-448;
- Ernst Lucius, Die Anfänge des Heiligenkults in der christlichen
Kirche, 1904, 256-261; - Ludwig Deubner, K. und D., 1907; -
Paul Maas, Bespr. Deubner, K. und D., in: ByZ 17, 1908, 602-609; -
Marie Louise David-Danel, L'Iconographie des Saints-Médecins Côme
et Damien, 1958; - Heinz Skrobucha, K. und D., 1965; - Andreas
Xyngopoulos, To anaglyphon tôn Hagiôn Anargyriôn eis ton Hagion Markon
tês Benetias, in: AD 21, 1, 1965, 84-95; - Roberta Budriesi, I
mosaici della chiesa dei SS. Cosma e Damiano a Roma, in: FR 42, 1966,
5-35; - Dies., La basilica dei SS. Cosma e Damiano a Roma, 1968;
- Anneliese Wittmann, K. und D., 1967; - José Luis Murga,
Posibles bases mitologicas de la magistratura binaria romana, in:
EClás 16, 1972, 1-32; - Bernard Bouvier/Claude Wehrli, Invitation
à la fête des saints Côme et Damien, in: StudPap 22, 1983, 5-8; -
Pierre Julien/Francois Ledermann (Hrsgg.), Saint Côme et saint Damien,
culte et iconographie, 1985; - Michael J. Harstad, Saints, drugs
and surgery. Byzantine therapeutics for breast diseases, in: Pharmacy
in history 28, 1986, 175-180; - RE IV, 305; - DHGE XIII, 930;
- RGG IV, 26-27; - LThK VI, 566-567; - LAW, 1601.
Eckhard Reichert
Textanmerkungen:
Die Schädelreliquien von Cosmas und Damian werden im Wiener Stephansdom aufbewahrt. 1413 stiftet ein Wiener Mediziner eine Betrag für die Herstellung eines silbernen Behältnisses für die beiden Schädel, ab 1429/30 wurden die beiden als Patrone der Wiener medizinische Fakultät gewählt. Das Fest wurde bis 1780 gefeiert (nicht durchgehend durch die Reformation, aber sehr häufig). Die zugehörigen Festreden sind in der Österreichischen Nationalbibliothek großteils erhalten.
Literaturergänzung:
Peter Bruns, D. syrische K.- u. D.-Legende, in: RivAC 80.2004, S. 195-210; -
Wilhelm R. Dietrich, Arzt und Apotheker im Spiegel ihrer alten Patrone K.u.D. Kultbasis, Kultweg, Kultzeichen, Kultorte in Baden-Württemberg. Lindenberg im Allgäu [u.a.] 2005; -
Manfred Karl Böhm, K.u.D. als "Wolkenkratzer". Eine Translation d. hl. Ärztebrüder in heutige Zeit, in: GuL 80.2007, S. 373-377; - Beat Brenk, Da Galeno a Cosma e Damiano. Considerazioni attorno all'introduzione del culto dei ss. C. e D. a Roma, in: Salute e guarigione nela tarda antichità. Città del Vaticano 2007, S. 79-92.
Letzte Änderung: 06.11.2011