KRAETZSCHMAR, Otto Richard, ev. Theologe, * 10.8. 1867 in Leipzig,
+ 8.7. 1902 in Marburg. - Der Sohn eines Volksschullehrers
wuchs in Leipzig auf und studierte an der dortigen Universität zunächst
klass. Philologie. Nach einem Semester wechselte er zur Theologie
und begann außerdem, die semitischen Sprachen zu erlernen. 1889 bekam
er für eine Arbeit über assyrische Sprachen den Doktor verliehen.
Nachdem er das Studium auch in Theologie abgeschlossen hatte, unterrichtete
K. an einer Realschule in Leipzig. Seine eigentliche Liebe galt jedoch
der wiss. Arbeit und so ging er an die Marburger Universität, wo er
1894 auch in Theol. promovierte. Im selben Jahr übernahm er dort einen
Lehrauftrag für alttestamentl. Theologie. Im Frühjahr 1901, kurz vor
seinem Tod infolge eines Herzleidens, wurde K. in Marburg zum außerordentlichen
Professor ernannt. Trotz seiner nur kurzen Schaffenszeit hinterließ
K. ein reichhaltiges Werk über Hebräik und alttestamentarische Prophetie.
Werke: Relativpronomen und Relativsatz im Assyrischen,
Diss. Leipzig 1890; Jesaia. Unpunktierte Ausgabe des masoreth. Jesaia-Textes,
Freiburg 1894; Zwei Mystifikationen des Jahwenamens in den aram. Schalenbeschwörungen,
in: ZA 10, 1895, 69-71; Die Bundesvorstellung im A.T. in ihrer geschichtlichen
Entwicklung (Diss.), Marburg 1896; Der Mythos von Sodoms Ende, in:
ZAW 17, 1897, 81-92; Das Buch Ezechiel übersetzt und erklärt, Göttingen
1900 (= Handkommentar zum A.T., III. Abt., Bd. 3); Prophet und Seher
im alten Israel, Tübingen 1901; Hebräisches Vokabular, Tübingen 1902;
- Hrsg., Masoreticher Text des Jesaia, 1894.
Lit.: Chronik der Universität Marburg 16, 1902/03, 3 ff.;
- BJ VII, 1905, 203.
Hartmut Lohmann
Letzte Änderung: 06.11.2011