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Band IV (1992) Spalten 636-639 Autor: Waldemar Grosch

KRECHTING, Heinrich, Führer der Täuferbewegung, * 1500 oder 1501 in Schöppingen nordwestl. v. Münster als Sohn des Stadtschreibers u. Organisten Engelbert K.; die Abstammung v. dem Adelsgeschlecht der Krechting (bei Rhede am Niederrhein) ist urk. nicht gesichert, + 28.6. 1580 in Gödens (Ostfriesland). - K. besuchte eine Lateinschule und heiratete 1526 die Schöppinger Tuchhändlerstochter Elske Oedefeld (Wandmann), mit der er 4 Kinder hatte. 1531 wurde er Bürgermeister in Schöppingen u. 1532 Richter u. Gograf des größten münsterischen Gogerichtes »zum Sandwelle«. Wohl unter dem Einfluß seines Bruders Bernd neigte er früh z. Luthertum u. wurde im Herbst 1533 v. dem aus Osnabrück ausgewiesenen Bockelson besucht, der ihn möglicherweise im Januar 1534 taufte. Als K. Anfang 1534 den Führer der Evangelischen in Münster, Johann v. d. Wieck, verhaften sollte, sagte er dem Bisch. den Dienst auf u. ging mit einer »großen Schar« v. Mitbürgern nach Münster, wo er an der Aufrichtung des Kgr. wesentlich beteiligt war. Bockelson bestimmte ihn zum Sekretär der zwölf Ältesten, später zum Kanzler des Kg., zu seinem »Geheimen Sekretär« u. »obersten Rat u. Statthalter«. Während der Belagerung war K. f. die Disziplin verantwortlich; besonders tat er sich als Führer des letzten Widerstandsnestes hervor. Seine Bekanntschaft mit dem Feldherren Johann v. Raesfeld verschaffte ihm nach der Eroberung Münsters freies Geleit. K. floh zunächst nach Lingen u. versuchte mit Duldung des Gf. Anton v. Oldenburg, die Bewegung wieder zu sammeln. Nach der Hinrichtung Batenburgs im Februar 1538 war er unangefochtener Führer der radikalen Täufer. Seine Bemühungen, einen neuen Kg. zu wählen u. Münster während der Oldenburger Fehde 1538 zurückzugewinnen, scheiterten aber an der Schwäche seiner Bewegung. Er verließ Oldenburg, als Gf. Anton ihn nicht mehr schützen konnte; seit 1538 ist er als Täufer nicht mehr nachzuweisen. K. ließ sich 1540 in Gödens in Ostfriesland nieder, wo er zur ref. Kirche übertrat u. 1545 Kirchenvorsteher der ref. Gemeinde Dykhausen wurde. Vor 1561 ging er eine zweite, kinderlose Ehe mit Anna Buck (Buckes) ein u. starb 1580 als angesehener Mann; sein Grabstein befindet sich in der Kirche v. Dykhausen. Sein Enkel Henrich Krefting u. sein Urenkel Hermann Wachmann traten als Bürgermeister Bremens hervor.

Bibliographien: Westfälische Bibliogr. zur Gesch., Landeskunde u. Volkskunde (s.v. »Wiedertäufer«) II, 473-479; Karl Wilhelm Bouterwek, Zur Wiedertäufer-Lit., In: Zschr. des Bergischen Geschichtsver. 1, 1864, 280-344; Paul Bahlmann, Die Wiedertäufer zu Münster. Eine bibliogr. Zusammenstellung, In: Westfälische Zschr. 51, 1893, 119-174, wieder 1894; Heinrich Detmer, Ungedruckte Qu. zur Gesch. der Wiedertäufer in Münster. In: Westfälische Zschr. 51, 1893, H. I, 90-118; Klemens Löffler, Z. Bibliogr. der münsterischen Wiedertäufer, In: ZBlfBibl 24, 1907, 116-118; Hans Schiedung, Beitrr. z. Bibliogr. u. Publizistik über die münsterschen Wiedertäufer (Diss. Münster), 1934; Walter Köhler, Das Täufertum in der neueren kirchenhist. Forsch., Literaturberichte, In: ARG 37, 1940, 93-107, ARG 38, 1941, 49-64, ARG 40, 1943, 246-270; Hans J. Hillerbrand (Hrsg.), Bibliogr. des Täufertums 1520-1630, 1962 (QFRG XXX, Qu. zur Gesch. der Täufer 10).

Lit.: August Ludwig v. Schlözer, Die Wiedertäufer zu Münster, 1784, Nachdr. 1919; - Wilhelm Gottlieb Soldan, Zur Gesch. der wiedertäuferischen Unruhen in Münster, In: Westfälische Zschr. 7, 1844, 359-379; - Heinrich Dorpius, Die Wiedertäufer in Münster. Zur Gesch. des Communismus im 16. Jh., hrsg. v. Friedrich Merschmann, 1847; - Carl Adolf Cornelius, De fontibus quibus in hist. seditionis Monasteriensis anabaptisticae narranda viri docti huc usque usi sunt (Diss. Münster), 1850; - Ders. (Hrsg.), Berichte der Augenzeugen über das münsterische Wiedertäuferreich, 1853 (Die Geschichtsqu. des Bist. Münster 2), Neudr. 1965; - Ders., Gesch. des Münsterischen Aufruhrs in drei Büchern (nur Band 1 u. 2 erschienen), 1855-1860; - Ders., Die ndrl. Wiedertäufer während der Belagerung Münsters 1534-35, 1868 (Abh. d. Hist. Cl. d. Königl. bayer. Akad. d. Wiss. 11, 2. Abt.), 49-111, auch in: Ders., Hist. Arbeiten vornehml. zur Reformationszeit 1899, 73-92; - Ders., Die Eroberung der Stadt Münster im Jahre 1535, 1872; - Ders., Zur Gesch. der Münsterischen Wiedertäufer, In: Ders., Hist. Arbeiten vornehml. zur Reformationszeit 1899, 93-104; - Karl Ziegler, Das Reich der Wiedertäufer in Münster, 1854; - Des Monsterschen Koninck Johanns van Leyden Hoffordenunghe int Jair 1534 u. 1535, In: Westfälische Zschr. 16, 1855, 358-363; - Ernst Friedländer, Die Eroberung der Stadt Münster im Jahre 1535 (Warhafftiger bericht), In: Westfälische Zschr. 33, 1875, 3-18; - Ludwig Keller, Gesch. der Wiedertäufer u. ihres Reiches zur Münster, 1880; - Ders., Zur Gesch. der Wiedertäufer nach dem Untergang des Münsterischen Königreiches, In: Westdt. Zschr. f. Gesch. u. Kunst 1, 1882, 429-468; - L. Schaumburg, Die Täuferbewegung in der Grafschaft Oldenburg-Delmenhorst u. der Herrschaft Jever zur Zeit der Ref., 1888; - Karl Kautsky, Die Vorläufer des neueren Sozialismus I, 1: Von Plato bis zu den Wiedertäufern, 1895, 19092, 19133, Nachdr. 1947; - Hermann v. Kerssenbrock, Anabaptistici furoris Monasterium inclitam Westphaliae metropolim evertentis historica narratio, hrsg. v. Heinrich Detmer, 1899/1900 (Die Geschichtsqu. des Bist. Münster 5 u. 6); - Bruns, Über die Teilnahme zweier Männer aus Schöppingen (Brictius ten Norden u. H.K.) an der Ref. u. den wiedertäuferischen Unruhen in Münster, In: Aus alter Zeit, Kr. Ahaus, 3, 1905 Nr. 7; - Hermann Bitter, Der monsterschen Ketter bichtbok. Eine Satire aus der Wiedertäuferzeit. (Diss. Münster) 1908, auch in: Westfälische Zschr. 66, 1908, 1-38; - Klemens Löffler, Die Wiedertäufer zu Münster 1534/35. Berichte, Aussagen u. Aktenstücke v. Augenzeugen u. Zeitgenossen, 1923; - Hermann Krefting: Nharichtung v. d. Krefftinge Afkunst, In: A. Krefting, Slegten Krefting, 1924; - Adolf Beukert, Das Gogericht zum Sandwelle, 1929; - Ernst Hövel, Ein Beitrag zur Gesch. der wiedertäuferischen Bewegung nach 1535, In: Qu. u. Forsch. zur Gesch. d. Stadt Münster 4, 1931, 341-352; - Karl Heinz Becker, Die Reformatoren u. das »Reich Christi zu Münster« 1535, 1939 (Bekennende Kirche H. 64); - F. Blanke, Das Reich der Wiedertäufer zu Münster 1534/35, in: ARG 37, 1940, 13-37; - Roland H. Bainton, The Left Wing of the Ref., in: JR 21, 1941, 124-134; - Hermann Rothert, Das tausendj. Reich der Wiedertäufer zu Münster 1534-1535, 1947, 19482, 19823 u.d.T. Das Reich der »Wiedertäufer« zu Münster, bearb. v. Karl-Heinz Kirchhoff; - Robert Stupperich, Corvinus u. d. Münsterischen Wiedertäufer, In: Jb. d. Ges. f. niedersächsische KG 53, 1955, 1-12; - Ders., Das Münsterische Täufertum. Ergebnisse u. Probleme der neueren Forsch., 1958 (Schrr. d. Hist. Kommission f. Westfalen 2); - Ders., Die Münstersche Apokalypse 1535, In: Jb. d. Ver. f. Westfälische KG 53/54, 1960/61, 25-38; - Ders., Das Kgr. Zion in Münster (1534/35). Fragen der Täuferherrschaft in einer belagerten Stadt, In: Wilhelm Bitter (Hrsg), Massenwahn in Gesch. u. Gegenwart, 1965, 208-219; - Franklin H. Littell, The Anabaptist View of the Church, 1958, dt. u.d.T. Das Selbstverständnis der Täufer, 1966; - J. F. Gerhard Goeters, Die Rolle des Täufertums in der Reformationsgesch. des Niederrheins. In: Rheinische Vjbll. 24, 1959, 217-236; - Gerhard de Buhr, Hinrich K., der »Kanzler« der Münsterschen Wiedertäufer, In: Ostfriesische Familienkunde 1, 1960, 36; - Karl-Heinz Kirchhoff, Die Täufer im Stift Münster (Diss. Münster) 1960, Teilabdruck in: Westfälische Zschr. 112, 1962, 77-170; - Ders., Eine münsterische Bürgerliste des Jahres 1535, In: Westfälische Zschr. 111, 1961, 75-94; - Ders., Die Häuser der Wiedertäufer zu Münster, In: Westfälische Forsch. 15, 1962, 140-143; - Ders., Die Belagerung u. Eroberung Münsters 1534/35. Militärische Maßnahmen u. politische Verhandlungen des Fürstbischofs Franz v. Waldeck, In: Westfälische Zschr. 112, 1962, 77-170; - Ders., Die Täufer im Münsterland. Verbreitung u. Verfolgung des Täufertums im Stift Münster, In: Westfälische Zschr. 113, 1963, 1-110; - Ders., Die Täufer in Münster 1534/35. Untersuchungen zum Umfange u. zur Sozialstruktur der Bewegung, 1973 (Veröff. d. Hist. Komm. Westfalen XXII. Geschichtl. Arbeiten zur westfälischen Landesforsch. 12); - Ders., Utopia 1534/35. Entstehung u. Untergang der »Gemeinde Christi«, der sog. Wiedertäufer, 1979, 19833; - Ders., Forsch. zur Gesch. v. Stadt u. Stift Münster, 1988 (mit Wiederabdruck zahlreicher Aufsätze); - Heinold Fast (Hrsg.), Der linke Flügel der Ref. Glaubenszeugnisse der Täufer, Spiritualisten, Schwärmer u. Antitrinitarier, 1962 (Klassiker des Prot. IV); - Gerhard Brendler, Das Täuferreich zu Münster 1534/35, 1966 (Leipz. Übers. u. Abh. zum Mittelalter B 2); - Richard van Dülmen (Hrsg.), Das Täuferreich zu Münster 1534-1535. Berichte u. Dokumente, 1974; - Eike Wolgast, Herrschaftsorganisation u. Herrschaftskrisen im Täuferreich v. Münster 1534/35, In: ARG 69, 1978, 179-201; - H. J. Herwig, Das Münsterische Täufertum. Prototypische Charakteristika u. Ursachen einer politischen Erlösungsbewegung, dargestellt am hist. Beispiel, In: ZRGG 31, 1979, 173-184; - Gerd Dethlefs, Das Wiedertäuferreich zu Münster 1534/35, In: Stadtmuseum Münster, Die Wiedertäufer in Münster, 1982, 19-36; - NDB XII, 732 s.v. Krefting.

Waldemar Grosch

Letzte Änderung: 09.06.1998