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Band IV (1992) Spalten 726-728 Autor: Adriaan Breukelaar

KRUSCH, Bruno, Historiker, * 8.7. 1857 Görlitz, + 29.6. 1940. - Von dem schon 1879 an der Universität Leipzig bestandenen Rigorosum bis zu seinem Lebensende war K. als Mitarbeiter an der Monumenta Germaniae Historica verbunden. Zuerst noch Hilfsarbeiter unter Georg Waitz, war er später Abteilungsvorsteher der Scriptores Merovingicarum. Von 1882 an war er als Archivar berufstätig, erst bei der Preußischen Archivverwaltung, 1887 in Marburg, 1890 in Hannover, 1900 in Breslau, 1907 in Osnabrück, 1910 als Direktor des Staatsarchivs Hannover. 1923 trat er in den Ruhestand. K. wurde 1911 Mitglied der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften, 1925 der preußischen Akademie der Wissenschaften. - Abgesehen von der Durchführung des Provenienzprinzips in den Archiven, zuerst in Hannover, liegt K.s größte Leistung in den Ausgaben spätgallorömischer und frühfränkischer Quellen. K.s wissenschaftliche Interessen waren anfangs der frühmittelalterlichen Chronologie, später der Ausgabe merowingischer Historiographie und Hagiographie, zuletzt der Ausgabe frühfränkischer Rechtsquellen gewidmet. K. war ein einzigartiger Kenner der merowingischen Überlieferungsgeschichte und Philologie. Seine tiefgreifende und scharfsinnige Kritik an den Merowingischen Heiligenleben (Abfassungszeit und Überlieferungsgeschichte) erhob Widerspruch, besonders seitens frankophoner, katholischer Gelehrten wie Duchesne und Kurth. Als er sich, ab den zwanziger Jahren, der Ausgabe fränkischer Rechtsquellen zuwandte, war er bald in einem zweiten Streit verwickelt, jetzt mit deutschen Rechtshistorikern. Seine auf gründliche Kenntnisse der Überlieferung beruhenden, aber gelegentlich hyperkritischen und oft beißend polemisch gestellten Ansichten veröffentlichte er im Neuen Archiv und in seinen eigenen Quellenausgaben. K.s wissenschaftliche Tätigkeit hat der Forschung der merowingischen Geschichte eine neue Grundlage gegeben und hat viele weitere Untersuchungen ausgelöst.

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Werke: Studien zur christl.-mittelalterl. Chronologie. Der 84-jährige Ostercyclus und seine Quellen, Leipzig 1880; Die Chronologie der fränk. Könige (in der Reihe FDG), 1882; Die Lex Bajuvarorium; Textgesch., Handschriftenkritik und Entstehung. Mit zwei Anhängen: Lex Alamannorum und Lex Riburia, Berlin 1924; Neue Forschungen über die drei oberdt. Leges Bajuvarorium, Alamannorum, Ribuariorum usw., Berlin 1927. - Quellenausgaben: MGH.SRM I/1 (Register auf Wilhelm Arndt's Ausgabe von Gregor von Tours, Historia Francorum), 1884; MGH.AA IV/2 (Venantius Fortunatus, Opera pedestria), 1885; MGH.SRM I/2 (Gregor von Tours, Miracula), 1885; MGH.AA VIII (Faustus, Ruricius e.a., Epistulae), 1887; MGH.SRM II (Fredegarius e.a., Chronica; Vitae sanctorum), 1888; MGH.SRM III-VII (Passiones vitaeque sanctorum aevi Merovingici, I-V), 1896-1920; MGH.SRG 37 (Ionas, Vitae sanctorum Columbani, Vedasti, Iohannis), 1905; MGH. SRG 13 (Arbeo von Freising, Vitae sanctorum Haimhrammi et Corbiniani), 1920; MGH.SRM I/12, fasc. 1 u. 2 (Gregorius Turonensis Historiarum libri X), 1937-1942.

Lit.: E. Heymann, B. K. (in memoriam), in: DA 4 (1941), 504-518.

Adriaan Breukelaar

Letzte Änderung: 06.11.2011