KRUSCH, Bruno, Historiker, * 8.7. 1857 Görlitz, + 29.6. 1940.
- Von dem schon 1879 an der Universität Leipzig bestandenen Rigorosum
bis zu seinem Lebensende war K. als Mitarbeiter an der Monumenta Germaniae
Historica verbunden. Zuerst noch Hilfsarbeiter unter Georg Waitz,
war er später Abteilungsvorsteher der Scriptores Merovingicarum. Von
1882 an war er als Archivar berufstätig, erst bei der Preußischen
Archivverwaltung, 1887 in Marburg, 1890 in Hannover, 1900 in Breslau,
1907 in Osnabrück, 1910 als Direktor des Staatsarchivs Hannover. 1923
trat er in den Ruhestand. K. wurde 1911 Mitglied der Göttinger Gesellschaft
der Wissenschaften, 1925 der preußischen Akademie der Wissenschaften.
- Abgesehen von der Durchführung des Provenienzprinzips in den
Archiven, zuerst in Hannover, liegt K.s größte Leistung in den Ausgaben
spätgallorömischer und frühfränkischer Quellen. K.s wissenschaftliche
Interessen waren anfangs der frühmittelalterlichen Chronologie, später
der Ausgabe merowingischer Historiographie und Hagiographie, zuletzt
der Ausgabe frühfränkischer Rechtsquellen gewidmet. K. war ein einzigartiger
Kenner der merowingischen Überlieferungsgeschichte und Philologie.
Seine tiefgreifende und scharfsinnige Kritik an den Merowingischen
Heiligenleben (Abfassungszeit und Überlieferungsgeschichte) erhob
Widerspruch, besonders seitens frankophoner, katholischer Gelehrten
wie Duchesne und Kurth. Als er sich, ab den zwanziger Jahren, der
Ausgabe fränkischer Rechtsquellen zuwandte, war er bald in einem zweiten
Streit verwickelt, jetzt mit deutschen Rechtshistorikern. Seine auf
gründliche Kenntnisse der Überlieferung beruhenden, aber gelegentlich
hyperkritischen und oft beißend polemisch gestellten Ansichten veröffentlichte
er im Neuen Archiv und in seinen eigenen Quellenausgaben. K.s wissenschaftliche
Tätigkeit hat der Forschung der merowingischen Geschichte eine neue
Grundlage gegeben und hat viele weitere Untersuchungen ausgelöst.
Werke: Studien zur christl.-mittelalterl. Chronologie.
Der 84-jährige Ostercyclus und seine Quellen, Leipzig 1880; Die Chronologie
der fränk. Könige (in der Reihe FDG), 1882; Die Lex Bajuvarorium;
Textgesch., Handschriftenkritik und Entstehung. Mit zwei Anhängen:
Lex Alamannorum und Lex Riburia, Berlin 1924; Neue Forschungen über
die drei oberdt. Leges Bajuvarorium, Alamannorum, Ribuariorum usw.,
Berlin 1927. - Quellenausgaben: MGH.SRM I/1 (Register auf Wilhelm
Arndt's Ausgabe von Gregor von Tours, Historia Francorum), 1884; MGH.AA
IV/2 (Venantius Fortunatus, Opera pedestria), 1885; MGH.SRM I/2 (Gregor
von Tours, Miracula), 1885; MGH.AA VIII (Faustus, Ruricius e.a., Epistulae),
1887; MGH.SRM II (Fredegarius e.a., Chronica; Vitae sanctorum), 1888;
MGH.SRM III-VII (Passiones vitaeque sanctorum aevi Merovingici, I-V),
1896-1920; MGH.SRG 37 (Ionas, Vitae sanctorum Columbani, Vedasti,
Iohannis), 1905; MGH. SRG 13 (Arbeo von Freising, Vitae sanctorum
Haimhrammi et Corbiniani), 1920; MGH.SRM I/1
2, fasc. 1 u. 2
(Gregorius Turonensis Historiarum libri X), 1937-1942.
Lit.: E. Heymann, B. K. (in memoriam), in: DA 4 (1941),
504-518.
Adriaan Breukelaar
Letzte Änderung: 06.11.2011