|
Verlag Traugott Bautz
|
![]() |
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
KUNIGUNDE, Kaiserin, Heilige, * um 980 als 6. Kind des Grafenpaares Siegfried I. v. Lützelburg (Luxemburg) und der Hadwig, Tochter des Markgrafen Berthold v. Schweinfurt, † 3.3. 1033 oder 1039 im Kloster Kaufungen b. Kassel, beigesetzt im Bamberger Dom. - Geschichtlich faßbar wird K. erst seit ihrer um 1000 stattgefundenen Heirat mit Hzg. Heinrich III. v. Bayern, der nach dem Tode Ottos III. 1002 zum deutschen König (Heinrich II.) gewählt wurde. K.s Krönung zur Königin erfolgte am 10.8. 1002 im Dom zu Paderborn und wurde von EB Willigis v. Mainz vollzogen. Während der gesamten Regierungszeit Heinrichs II. hatte K. bedeutenden und tätigen Anteil an den Regierungsgeschäften, sowohl direkt als Stellvertreterin des Kgs. in Fällen seiner Abwesenheit - so wurde ihr z.B. 1012 und 1016 in den kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Polenherzog Boleslaw Chrobry die Leitung der Landesverteidigung in Sachsen anvertraut, 1018 nahm sie persönlich die offizielle Wiedereinsetzung ihres Bruders Heinrich als Herzog v. Bayern in Regensburg vor - wie auch indirekt durch Einflußnahme in wichtigen Angelegenheiten, wobei sie z.B. in den meisten der ihren Namen enthaltenden Urkunden H.s II. als Intervenientin für Kirchen und Klöster, z.T. auch für Einzelpersonen auftrat. Ihre hervorgehobene Stellung als Mitregentin, von der zeitgenössische Chroniken berichten, manifestierte sich auch äußerlich in der gemeinsamen Kaiserkrönung des Herrscherpaares durch Papst Benedikt VIII. am 14.2. 1014 in Rom. K.s besonderes Interesse und Engagement galt zeitlebens der Förderung und Unterstützung kirchlicher Belange, denen gegenüber sie aber die diesbezüglichen Reformbestrebungen ihres Gatten nachhaltig vertrat. Der großzügige Verzicht auf das zu ihrer Morgengabe gehörende Bamberg trug wesentlich zur Dotierung des 1007 gegründeten Bistums Bamberg bei, dem sie auch später reiche Schenkungen zukommen ließ. Aus dem ihr von Heinrich II. 1008 als Ersatz für Bamberg übereigneten Königsgut Kassel stiftete sie nach Genesung von einer schweren Krankheit 1017/18 das Benediktinerinnenkloster zum Hlg. Kreuz in Kaufungen und erhob dort 1019 ihre Nichte Jutta zur ersten Äbtissin. Aus gleichem Anlaß dürfte die ebenfalls 1017 erbetene, von umfangreichen kaiserlichen Dotationen begleitete gemeinsame Aufnahme von K. und Heinrich II. in die Gebetsgemeinschaft der Paderborner Domkanoniker erfolgt sein. Nach dem Tod des Kaisers 1024 führte K. loyal die Regentschaft zusammen mit ihren Brüdern Bischof Dietrich v. Metz und Hzg. Heinrich v. Bayern bis zur Wahl des neuen Kgs. Konrad II. im September 1024 und sorgte damit für einen reibungslosen Übergang der Herrschaft an die neue Dynastie. Nach der Übergabe der Reichsinsignien und dem Huldigungseid trat sie am 13.7. 1025, dem Jahrestag des Todes ihres Gatten, als einfache Nonne in das Kloster in Kaufungen ein, in dem sie bis zu ihrem Lebensende in nicht privilegierter, dienender Funktion verblieb. Dieser Verzicht auf äußere Würden und ihr zustehende angemessene, ehrenvolle Behandlung lassen auf eine ungewöhnliche Persönlichkeit von starker geistlich-religiöser Prägung schließen. Zudem verfügte sie nach Ausweis des einzigen erhaltenen, von ihr eigenhändig in lateinischer Sprache geschriebenen Briefes über eine außerordentliche Bildung, die sie zusammen mit ihren anderen Fähigkeiten sowie ihrer Wesensstruktur als kongeniale Partnerin H.s erscheinen lassen. Trotz wiederholter Anfechtungen und Prüfungen, wie sie das - allerdings legendarische - Pflugscharwunder bildlich zum Ausdruck brachte (Krankheiten, der Bürgerkrieg mit den Verwandten der Kaiserin, besonders aber die von beiden schwer empfundene Kinderlosigkeit), zeichnete sich die Ehe des Paares durch vorbildhaften sittlichen Lebenswandel aus, der neben der tiefen persönlichen Frömmigkeit der Ehegatten zum Hauptmotiv ihrer späteren gemeinsamen kultischen Verehrung wurde. Erst nach der Kanonisation H.s II. (1146) begann sich ein eigenständiger Kult für K. zu entwickeln, der mit ihrer Heiligsprechung am 29.3. 1200 durch Papst Innozenz III. seine offizielle kirchliche Anerkennung und Legitimation erhielt. K. wurde als imperatorix et virgo in den Heiligenkalender aufgenommen, wobei die große Volksverehrung, die ihr seit dem späten Mittelalter zuteil wurde, vorwiegend der mit Maria (marianische Hlg.) gleichgesetzten Heiligen galt. Die feierliche Translation ihrer Gebeine fand am 9.9. 1201 statt. 1513 wurde das von Tilman Riemenschneider geschaffene, mit Reliefszenen aus den Heiligenlegenden von H. und K. geschmückte marmorne Hochgrab im Bamberger Dom aufgestellt und die vorher getrennt bestatteten Leichname des Herrscherpaares gemeinsam darin umgebettet. Attribute der Heiligen in Darstellungen der bildenden Kunst sind: Krone, Zepter, Reichsapfel, Pflugschar, Kirchenmodell (als Mitstifterin des Bamberger Domes), Handkreuz, als Nonne mit Buch. K. ist Mitpatronin des Bistums Bamberg, ihr Festtag dort ist der 3. März. Im übrigen deutschen Sprachgebiet wird ihr Gedächtnis mit dem Heinrichs II. zusammen am 13. Juli begannen.
Lit.: Vita: AS Mart. I (1667) 272-278; - MGSS IV 821-824; - Kanonisationsbulle: AS Mart. I (1667) 281 f.; - P. Nonnosus Stettfelder, "Das leben und legend der heyligen junckfrawen und Keyserin sandt Küngunden", Bamberg (bei Hans Pfeyll) 1511; - Otto Meyer, Translatio Sanctae Cunegundis, in: Fränkische Blätter f. Geschichtsforschung u. Heimatpflege 3, 1951, 73-75; - G. Ulrich, Die heilige Kunigunde. Saarbrücken 1954; - Renate Klauser, Der Heinrichs- und Kunigundenkult im mittelalterlichen Bistum Bamberg (Festgabe aus Anlaß d. Jubiläums 950 Jahre Bistum Bamberg 1007-1957"), Bamberg 1957; - (Rez. v. Karl Lutz, in: Archiv f. mittelrhein. Kirchengeschichte 9, 1957, 334 f.; - v. Walter Jaroschka, in: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 20, 1958, 207 f.); - Georg Beck, St. Heinrich und St. Kunigunde. Das Leben des hl. Kaiserpaares, Berlin 1961; - Rudolf Reinhardt, Kaiser Heinrich II. der Heilige (6.Mai 973-13. Juli 1024) und seine Gemahlin Kaiserin Kunigunde (gest. 3. März 1033), in: Bavaria Sancta. Zeugnisse christl. Glaubens in Bayern. Bd. I (hrsg. v. Georg Schwaiger), Regensburg 1970, 233-248; - Jürgen Petersohn, Die Litterae Papst Innocenz' III. zur Heiligsprechung der Kaiserin Kunigunde (1200), in: Jb. f. fränkische Landesforschung 37, 1977, 1-25; - Johannes Goldner, Bayerische Heilige. (Kleine Pannonia-Reihe 77) Freilassing 19812, 34; - Günther E.Th. Bezzenberger, Leben u. Legende der Kaiserin Kunigunde, Kassel 1982; - Bruno Neundorfer, Der hl. Kaiser Heinrich, die hl. Kunigunde u. der hl. Bischof Otto- die Patrone des Erzbistums Bamberg, in: Bistumspatrone in Dtschland. Festschr. f. Jacob Torsy zum 9. Juni/28.Juli 1983, hrsg. v. August Leidl, München/Zürich 1984, 14-17 (Kunigunde); - Ders., Leben und Legende. Die Bildwerke am Grab des Kaiserpaares Heinrich und Kunigunde im Bamberger Dom (Veröffentlichungen des Diözesanmuseums Bamberg. 3.), Bamberg 1985; - Pierre Hamer, Kunigunde von Luxemburg. Die Rettung des Reiches. Luxemburg 1985; - Klaus Guth, Die Heiligen Heinrich und Kunigunde. Leben, Legende, Kult und Kunst, Bamberg 1986 (Rez. v. Christine Horn, in: ZBLG 50, 1987, 825 f.); - Elisabeth Roth, Sankt Kunigunde. Legende und Bildaussage, in: 123. Bericht des Hist. Vereins Bamberg, Bamberg 1987, 5-68; - Hans-Jürgen Schroepfer, "Heinrich und Kunigunde". Untersuchungen zur Verslegende des Ebernand v. Erfurt und zur Geschichte ihres Stoffs. (Göppinger Arbeiten zur Germanistik. 8.) Göppingen 1969; - Alois Albrecht, Heinrich und Kunigunde. Deutungsversuche f. unsere Zeit. Bamberg 1978; - Justus Bier, Riemenschneider's Tomb of Emperor Henry and Empress Cunegund, in: The Art Bulletin 29, 1947, 95-117; - Johann Joseph Morper, "St. Kunegundens Feuerprobe", ein Bamberger Meisterbild, in: Fränkische Blätter f. Geschichtsforschung u. Heimatpflege 1, 1949, 29-31; - Renate Baumgärtel-Fleischmann, Die sog. Kunigundenkrone, in: Münchner Jb. d. bildenden Kunst, 3. F. 32, 1981, 25-41; - DHGE XIII, 1109 ff.; - Réau III/1, 354 ff.; - Braun, TA 447 ff.; - BS IV, 394 ff.; - EnEc II, 427; - Künstle II, 392 f.; - LThK VI, 680f; - NDB XIII, 296 f.; - EC IV, 1054; - Kosch, LL II, 1431; - Catholicisme III, 374; - Torsy 333 f.; - Zimmermann I, 277, 280; - Lexikon d. christl. Ikonographie VII, 357 ff.; - VSB III, 59 ff.
Ingrid Münch
Literaturergänzung:
1986
Karl Böck, Menschen und Heilige. 2. Aufl. Donauwörth 1986, S. 124-129; -
2001
Urban, Josef (Hrsg.): Die Krönung der Kunigunde. Studien zum Hochaltar in der Pfarrkirche zu Schnaittach und zum Kunigundenjubiläum 1901(Kleinausstellungen im Archiv des Erzbistums Bamberg 6), Bamberg 2001; -
2004
K. - consors regni. Stefanie Dick, Jörg Jarnut u. Matthias Wemhoff (Hrsg.). München 2004 (=MASt; 5); -
2008
Karin Dengler-Schreiber, Kunigunde + Heinrich. Geschichte e. ungewöhnl. Liebe. Bamberg 2008; -
2009
Jennifer Asel, Das Kaiserpaar Heinrich II. u. K. Regenten zwischen Staat u. Religion. Hamburg 2009.
Letzte Änderung: 22.11.2009