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Band XVIII (2001)Spalten 778-781 Autor: Matthias Wolfes

KAISER, Christian Ernst Nikolaus (von), evangelischer Theologe, * 15. April 1774 in Hof, † 3. Oktober 1855 in München. - K. wuchs als Sohn des Diakonus und nachmaligen Pfarrers an der Hofer Stadtkirche Nikolaus Kaiser († 1800) in seiner Geburtsstadt auf. Zu seinen acht Geschwistern zählte auch der spätere Erlanger Theologe Gottlieb Philipp Christian Kaiser (1781-1848). Nach dem Besuch des Gymnasiums in Hof studierte K. seit 1792 Theologie an der Universität Leipzig. 1794 wechselte er an die Universität Erlangen, wo die Professoren Sailer und Hänlein seine wichtigsten akademischen Lehrer waren. Im folgenden Jahr absolvierte er die erste Theologische Prüfung sowie die Prüfung zum Gymnasiallehramt. Anschließend übernahm K. eine gering besoldete Hauslehrerstelle in Bayreuth, nachdem er eine ähnliche Anstellung, mit mehrfacher Bezahlung und in einem der ersten Häuser Augsburgs, auf Wunsch des Vaters ausgeschlagen hatte. Im Januar 1796 trat K. eine Lehrerstelle am Gymnasium in Hof an. Neben der Unterrichtstätigkeit unterstützte er seinen Vater im Predigtdienst; zudem bereitete er den jüngeren Bruder Gottlieb auf die Universität vor. Mit einer Untersuchung, in der er die Vorzüg einer Verbindung des Studiums der Theologie mit dem Studium der alten Klassiker erläuterte, erwarb er sich 1798 an der Universität Erlangen die Würde eines Doktors der Philosophie. Im Jahre 1800 trat K. in das geistliche Amt ein, indem er zunächst Diakonus an der Stadtkirche in Hof wurde. 1802 wurde er als Diakonus nach Ansbach berufen. Hier amtierte er fünfzehn Jahre lang. 1809 wurde er zum Distrikts-Schulinspektor sowie zum Dekan und Hauptprediger ernannt. Als Schulinspektor widmete er sich vornehmlich der Besserung des Volksschulwesens. 1817 nahm er eine Berufung zum Kreiskirchenrat in Bayreuth an. Anläßlich des Reformationsjubiläums promovierte die Theologische Fakultät der Universität Erlangen ihn im gleichen Jahr zum Doktor der Theologie. In Bayreuth wirkte K. bis 1829, zuletzt als Konsistorialrat und Hauptprediger. Seit 1829 gehörte er im Range eines Ersten Hauptpredigers und Oberkonsistorialrates der Leitung der Protestantischen Kirche im Königreiche Bayern in München an. Diese kirchenleitende Funktion übte K. zwanzig Jahre lang aus, bis er 1849 in den Ruhestand trat. - K. war ein historisch versierter, Reformideen gegenüber aufgeschlossener Theologe. Als Leiter des Münchener Predigerseminars übte er in den 1830er und 1840er Jahren erheblichen Einfluß auf die fachliche Ausbildung der jungen landeskirchlichen Theologen aus. Von seiner literarischen Produktivität zeugt eine Vielzahl theologischer und homiletischer Veröffentlichungen. In den Jahren seiner kirchenleitenden Wirksamkeit gehörte K. zu den angesehensten Vertretern des Protestantismus in Bayern. Anläßlich seines Ausscheidens aus dem Amt erfuhr er hohe staatliche Auszeichnungen.

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Veröffentlichungen: De coniunctione subtilioris christianae religionis cognitionis cum literarum cultu non sine sapienti providae dei curae consilio arctissime facta, Curiae 1798; Ihrem zärtlichen Vater weiland Nikolaus Kaiser weihen diese Empfindungen der kindlichen Liebe an seinem Grabeshügel drey Söhne [2 Bl.], Hof 1800; Das kirchliche Lehramt ist die wichtigste und ehrwürdigste Anstalt. Antrittspredigt, Hof 1801; Über den Eidschwur nach Grundsätzen des Christenthums, Ansbach 1804; Einige Festpredigten. Herausgegeben von Christian Ernst Nikolaus Kaiser, Hof 1804; Über den Zustand und die Verhältnisse der neuen protestantischen Theologie und der Religionslehre, Sulzbach 1813; Worte des Glaubens, des Sieges und der frommen Freude, Ansbach 1814; Charakteristische Ideen aus den jetzigen Reformationsvorschlägen in der protestantischen Kirche, Ansbach 1816; Sendschreiben an die Bibelgesellschaft zu Nürnberg, Nürnberg 1816; Auch etwas zur Beherzigung für die sich bildenden Bibelgesellschaften in Deutschland, Nürnberg 1816; Ansichten der Reformation in ihrem Zusammenhange mit der christlichen Cultur und der Feier ihres dritten Jubiläums. Eine Vorlesung, in der Synodalversammlung zu Ansbach den 9. September 1817 gehalten, Ansbach 1817; De sacerdotio christianis nostrae familiae doctoribus rectene an perperam vindicato, Solisbaci 1818; Erinnerungen an das Glück einer weisen und gerechten Verfassung, Baireuth 1818; Die Feier des Geburtstags Seiner Majestät Maximilian Joseph Königs von Baiern, am Sonntag Rogate den 27. Mai 1821, und die damit verbundene Fahnenweihe der Bürger und Landwehr in der Kön. Kreishauptstadt Baireuth, Baireuth 1821; Brüderliche Eintracht, die erste Pflicht und Bedingung für das segensreiche Gedeihen der theuersten Angelegenheiten unserer protestantisch-evangelischen Kirche im baierischen Lande. Eine Predigt, am 21. September 1823 bei der feierlichen Eröffnung der ersten Generalsynode in dem Consistorialbezirke Baireuth, Sulzbach 1823; Das Vorbild der ersten Christengemeinde zur Ermunterung für unsere Beständigkeit in dem begonnenen guten Werke, Sulzbach 1823; Erhebende und stärkende Blicke auf das Reich Gottes und Jesu Christi, unseres Herrn. Eine Predigt, bei der feierlichen Eröffnung der zweiten Generalsynode am 9ten Julius 1827 zu Baireuth gehalten, Sulzbach 1827; Bereitet dem Herrn den Weg, München 1829; Die Auferstehung des Erlösers, ein fortdauernder sich täglich erneuernder Sieg, München 1835; Dem Gedächtnisse des weiland Dr. Joh. Aug. Christ. Kaiser, Erlangen 1839.

Lit.: Synodalreden, gehalten von protestantischen Distrikts-Dekanen im Königreich Baiern, Sulzbach 1813-1816; - Personalbestand sämmtlicher kirchlicher Behörden und geistlicher Stellen der protestantischen Kirche im Königreiche Bayern, o.O. 1846; - Grabrede bei der Beerdigung des selig vollendeten kgl. Oberkonsistorialrathes Herrn Dr. Christian Ernst Nikol. v. Kaiser, gesprochen auf dem Kirchhofe zu München am 5. Oktober 1855 von Decan Dr. Meyer, München o.J. [1855] (ein Exemplar dieser Grabrede befindet sich in der Bibliothek des Landeskirchenamtes der Ev.-Luth. Landeskirche Bayerns in München; Sign.: 09 ED 98); - Matthias Simon: Bayreuthisches Pfarrerbuch, München 1930 (Nr. 1156; - Matthias Simon: Ansbachisches Pfarrerbuch, Nürnberg 1957 (Nr. 1396).

Matthias Wolfes

Letzte Änderung: 06.11.2011