KARL X. Gustav, König von Schweden 1654-1660, * 8.11. 1622 in Stockholm, † 13.2. 1660 in Göteborg, war der Sohn von Pfalzgraf Johann Kasimir von Zweibrücken und Katharina von Schweden, der Halbschwester Gustavs II. Adolf. Die Regentschaft des vielseitig gebildeten und kultivierten Pfälzers gehört in die expansive Phase der schwedischen Großmachtzeit. An der Offiziersakademie in Paris und auf dem deutschen Kriegsschauplatz im ausgehenden Dreißigjährigen Krieg holte sich der junge Karl sein militärisches und diplomatisches Rüstzeug; 1642-1645 diente er als Freiwilliger unter dem schwedischen Oberbefehlshaber Torstensson in Deutschland, und 1648-1650 befehligte er die schwedische Armee im Auftrag von Königin Christina und organisierte deren Rückkehr aus Deutschland. Nach der Abdankung der Königin wurde K., als Nachkomme (Neffe) Gustavs II. Adolf, 1654 zum Nachfolger erkoren, und noch gleichen Jahres ehelichte er Hedwig Eleonora von Holstein-Gottorp. Seine kurze Regentschaft war völlig von der Kriegspolitik um die Interessengebiete an der Ostsee dominiert. Russlands Kriegserklärung an Polen führte zu einem Polenfeldzug, der nach ersten Erfolgen 1655-1657 durch die Bündnispolitik der Gegner, v. a. durch die Kriegserklärung Dänemarks, ins Stocken kam. K.s rascher Angriff gegen Dänemark mit dem legendären Vorstoss über den zugefrorenen Grossen Belt 1657/58 erbrachte Schweden im Frieden von Roskilde (26.2.
1658) u.a. den Gewinn der südschwedischen Landschaften Skåne, Blekinge, Halland und Bohuslän. Ein zweiter Krieg gegen Dänemark scheiterte an den fehlenden wirtschaftlichen und militärischen Mitteln.
Fast immer landesabwesend, überließ K. die Regierungsgeschäfte weitgehend dem Reichsrat. Sein wichtigster innenpolitischer Erfolg war die 1655 über den Reichstag erwirkte »Teilreduktion«, d. h. die Rückerstattung von Gütern an die Krone, welche unter der Günstlingsherrschaft seiner Vorgängerin an den Adel gefallen waren; damit löste er vorläufig die ernsten Probleme der Staatsfinanzen. Neben den Kriegereien und trotz fehlender wirtschaftlicher Impulse im weitgehend agrarischen Schweden bahnte sich mit der Herrschaft der Karoliner eine kulturelle Blüte an (Barock). Und während das Land - bedingt durch die Konversion Christinas - von einer antikatholischen Welle erfaßt wurde, drängte die lutherische Orthodoxie heftig vor, konnte sich aber erst nach dem Tod des konfessionell irenischen K. gänzlich durchsetzen.
Lit. (Auswahl neuerer Werke): Stellan Dahlgren, Karl X Gustav, in: Svenskt biografiskt lexikon, Bd. 20: Ingeborg-Katarina, Stockholm 1973-1975, 641-650; - Aage Fasmer Blomberg, Fyns vilkår under svenskekrigene 1657-1660 [Fyns Bedingungen in den Schwedenkriegen 1657-1660] (mit engl. Zusammenfassung), Odense 1973; - Arne Stade (Red.), Kriget på östfronten [1655-1661] [Der Krieg an der Ostfront], Stockholm 1979, enthält: Rainer Fagerlund, Kriget i östersjöprovinserna 1655-1661. Operationer och krigsansträngningar på en bikrigsskådeplats under Carl X Gustafs krig [Der Krieg in den Ostseeprovinzen 1655-1661. Operationen und Kriegsanstrengungen auf einem Nebenkriegsschauplatz während Karl X. Gustavs Krieg], und Jussi T. Lappalainen, Finland och Carl X Gustafs ryska krig. Försvaret av den östra rikshalvan 1656-1658 [Finnland und der russische Krieg Karls X. Gustav. Die Verteidigung der östlichen Reichshälfte 1656-1658] (mit engl. Zusammenfassungen); - P. G., Kortfattet beskrivelse af Kjøbenhavn og dens beleiring i 1658-60. Samt kaart og prospect af byen paa samme tid tilligemed plan over stormen af F. Both [Kurze Beschreibung von Kopenhagen und dessen Belagerung 1658-60, mitsamt Karte und zeitgenössischer Stadtansicht sowie Plan über den Sturm von F. Both], Kopenhagen 1979; - Gudrun Ekstrand (Red.), Tre Karlar. Karl X Gustav, Karl XI, Karl XII [Drei Karls. Karl X. Gustav, Karl XI., Karl XII.], Stockholm 1984; - Ebbe Gert Rasmussen, Bornholm og arveriget. En oversigt [Bornholm und das Erbreich. Eine Übersicht], [Kopenhagen] 1985; - L. Magnusson, Reduktionen under 1600-talet. Debatt och forskning [Die »Reduktion« im 17. Jahrhundert. Debatte und Forschung], Malmö 1985; - Bjørn Westerbeek Dahl, Erik Dahlberg ved Lille Bælt 1657-1660 [Erik Dahlberg beim Kleinen Belt 1657-1660], Kolding 1988; - Curt Weibull, Riksdagen i Kronhuset och Carl X Gustafs död i Göteborg 1660 [Der Reichstag im »Kronhus« und Karls X. Gustav Tod in Göteborg 1660], neue Aufl., Göteborg 1990; - Miroslaw Nagielski, Warszawa 1656, Warschau 1990; - Margus Laidre, Schwedische Garnisonen in Est- und Livland 1654-1699, Tallinn 1990; - Anders Florén, Stellan Dahlgren und Jan Lindegren, Kungar och krigare. Tre essäer om Karl X Gustav, Karl XI och Karl XII [Könige und Krieger. Drei Aufsätze über Karl X. Gustav, Karl XI. und Karl XII.], Stockholm 1992; - Jörg-Peter Findeisen, Das Ringen um die Ostseeherrschaft. Schwedens Könige der Großmachtzeit, Berlin 1992, 191-207; - Robert I. Frost, After the Deluge. Poland-Lithuania and the Second Northern War, 1655-1660, Cambridge 1993; - Jan Cornell et al., Karl X Gustav, Karl XI: krig och reduktion [Karl X. Gustav, Karl XI.: Krieg und »Reduktion«], Stockholm 1993 (Den svenska historien, 7); - Alf Åberg, Kampen om Skåne under försvenskningstiden [Der Kampf um Skåne zur Zeit der Schwedisierung], Stockholm 1995; - Alf Åberg, Striden om Skåne [Der Kampf um Skåne], Kopenhagen 1997; - Jörg-Peter Findeisen, Schweden. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Regensburg 1997, 152.
Hans Ulrich Bächtold
Literaturergänzung:
Sabine Koloch: Der Sonnenorden, gestiftet von Karl Gustav, Pfalzgraf von Pfalz-Zweibrücken - ein Dokument fruchtbringerischer Wirksamkeit, in: Wolfenbütteler Barock-Nachrichten 30 (2003), 23-38.